Ballonerweiterung oder Bypass-OP?

Wenn bei einer Herzkatheteruntersuchung eine Erkrankung der Herzkranzgefäße festgestellt worden ist stellt sich natürlich die Frage, wie sie weiter behandelt werden muß. wenn dabei eine alleinige Medikamentenbehandlung nicht sinnvoll ist stellt sich die Frage einer Bypass-Operation oder Ballonerweiterung (mit oder ohne Stent).

Bypass-Operation

Bei dieser Operation werden Venen aus dem Bein oder Schlagader von der Rückseite des Brustbeins dazu benutzt, um die Verengungen oder den Verschluß der Kranzadern zu überbrücken. Es handelt sich um eine „Standard-Operation“, die die Herzchirurgen viele Hundert Mal im Jahr durchführen. Obwohl der Eingriff eigentlich Routine ist hat er aber dennoch ein gewisses Risiko, das vom Zustand Ihres Herzmuskels, Ihrem Alter und von evtl. Begleiterkrankungen (z.B. Nierenschwäche, abgelaufener Schlaganfall o.ä.) beeinflußt wird. Trotz dieses Risikos und der Belästigung durch die Operationswunde, den Krankenhausaufenthalt von 10-14 Tagen und die nachfolgende Anschlußheilbehandlung über 3 Wochen hat eine solche Operation eindeutige Vorteile, denn mit ihrer Hilfe kann man mehrere Verengungen an verschiedenen Gefäßen „in einem Aufwasch“ beseitigen.

Ballonerweiterung (PTCA) mit Einpflanzung eines Stent

Die Ballonerweiterung ist eine Behandlungsmethode, bei der verengte Herzkranzgefäße mit Hilfe spezieller Katheter von innen heraus erweitert werden. Es handelt sich um keine Operation, es sind kein Schnitt durch das Brustbein, kein längerer Krankenhausaufenthalt und keine Anschlußheilbehandlung notwendig.

Bei einer Ballonerweiterung wird ein dünner Plastikkatheter in die Verengung der Herzkranzarterie eingeführt. Der Katheter trägt an seiner Spitze einen Ballon, der mit großem Druck aufgeblasen wird und der dadurch die Verengung aufweitet. Zusammen mit dem Aufblasen des Ballon wird in der Regel ein kleines Röhrchen aus Maschendraht (Stent) in die Wand des Gefäßes gepreßt; dieses Röhrchen soll die Gefäßwand abstützen und verhindern, daß sich eine erneute Verengung („Wieder-Verengung“) bildet. Auch eine Ballonerweiterung ist heutzutage ein kardiologischer Standard-Eingriff, aber auch dieser Eingriff hat Risiken. Die Risiken sind geringer als diejenigen einer Bypass-Operation, aber durchaus bedeutsam: Das Gefäß, das eigentlich durch den Ballon und den Stent erweitert werden sollte kann durch die „Gewaltanwendung“ des Ballons, der mit hohem Druck (bis zu 15 atü) aufgeblasen werden muß verletzt werden. Dabei kann es sich entweder verschließen (was man eigentlich verhindern wollte) oder es kann zerreißen. Wenn es nicht gelingen sollte, diese Komplikation noch während der Ballonbehandlung zu beseitigen muß man meistens unverzüglich operiert werden, d.h. man wird aus der Herzkatheterabteilung in den Herz-OP verlegt. Darüber hinaus kann es im Verlauf von 3 – 6 Monaten nach der Ballonerweiterung vorkommen, daß sich an der ballonierten Gefäßverengung „wildes Fleisch“ bildet, das durch den Stent wieder in das Gefäß hinein wuchert und es erneut verengt. Meistens muß dann eine erneute Ballonerweiterung erfolgen.

Was sind die Vor- und Nachteile?

Beide Behandlungsverfahren haben ihre Vor- und Nachteile:

Risiko: Bypass-OP größer als PTCA

Krankenhaus-Aufenthalt: Bypass-OP: 2 Wochen (+ 4 Wochen Reha) – PTCA: 1-2 Tage

Dauer des Erfolges: OP: Bypass-Verschluss 10% im 1. Jahr, danach 1%/Jahr – PTCA: Wiederverengung 10-20%

Erneuter Eingriff nötig: OP: Ca. 20% in 10 Jahren – PTCA: Ca. 10 – 30% in 6 Jahren (je nach Stentmaterial)

Beschwerdelinderung: Kein Unterschied zwischen OP und PTCA

Mehrere Verengungen: OP: Können in der Regel „in 1 Aufwasch“ behandelt werden – PTCA: In der Regel 1 Verengung in 1 Sitzung

Lebensverlängerung bewiesen: OP: Ja (eindeutig) – PTCA: Nein (außer beim akuten Herzinfarkt oder anderen akuten Koronarsyndromen)

Wenn Sie sich diese Aufstellung ansehen dann können Sie erkennen, daß keine der beiden Verfahren ohne Nachteile ist. Und nun sollen Sie entscheiden, was Ihnen lieber ist: Teufel oder Belzebub!

Egal, wie Sie sich entscheiden, beachten Sie 2 Dinge:

  1. Sie werden immer Medikamente einnehmen müssen, unabhängig davon, ob Sie sich operieren oder mit Ballon und Stent behandeln lassen. Bei der Medikamenten-Behandlung geht es nämlich nicht darum, Ihre Beschwerden zu lindern (das gelingt mit beiden Verfahren gleich gut), sondern um Ihr Leben zu verlängern. Immer dann, wenn ein Mensch eine Erkrankung seiner Schlagader hat, egal, ob er einen Herzinfarkt hatte oder nicht, ob er balloniert oder operiert wurde: Zur Lebensverlängerung sind immer bestimmte Medikamente nötig.
  2. Gleichgültig, ob operiert oder balloniert wurde, ob Stents eingepflanzt wurden oder nicht und auch dann, wenn die Arterien nach der Behandlung wieder aussehen „wie neu“: Wenn die Betroffenen nicht auf ihren Diabetes (Zuckerkrankheit) achten, den Blutdruck kontrollieren, das Cholesterin senken, das Rauchen aufgeben, ihre Ernährung gesund gestalten und an Gewicht verlieren wird alle ärztliche Kunst umsonst sein, denn nur mit diesen Änderungen des Lebensstils kann man sein Leben verlängern!
  3. Bis auf wenige Ausnahmen ist die Bypass-Operation erwiesenermaßen diejenige Behandlung, die das Leben eines erkrankten Menschen (= Prognose) verlängert. Eine Ballonerweiterung mit ohne ohne Einpflanzung eines Stents dient hingegen meistens „nur“ dazu, die Lebensqualität eines Menschen zu verbessern, indem Brustschmerzen (Angina pectoris) vermindert wird. Diese Faustregel gilt nicht für jeden Menschen; sprechen Sie daher mit Ihrem Kardiologen ausdrücklich über diese Frage. 
  4. Wenn nur eine einzige Stelle Ihrer Herzkranzgefäße erkrankt (d.i. verengt) ist kann eine Ballonerweiterung durchaus erwogen werden. Sind aber mehrere Gefäße erkrankt und gibt es an den einzelnen Gefäßen vielleicht nicht nur 1, sondern mehrere erkrankte Stellen dann sollte man eine Bypass-Operation auf jeden Fall ernsthaft in Erwägung ziehen. Man kann solche mehrfachen Verengungen zwar auch mit Ballons und Stents behandeln; dies erfolgt aber sicherheitshalber meistens in mehreren Eingriffen im Abstand von einigen Wochen. Das bedeutet, daß Sie sich bei solchen Mehrgefäßerkrankungen mehrmals auf den Kathetertisch legen müssen, mit allen oben angedeuteten Problemen und Komplikationen. Bei einer Bypass-Operation hingegen werden die zahlreichen Verengungen „in 1 Rutsch“ behandelt und entschärft.

Wie soll ich mich nun entscheiden?

Gehen Sie folgendermaßen vor:

  1. Gehen Sie im Internet auf die Seite unserer Praxis (www.meinherzdeinherz.info), besorgen Sie sich die ausführlichen Informationen über Bypass-Operation und PTCA (unter der Rubrik „Wissen“, „Behandlungen“), drucken Sie sie aus und lesen Sie sie in Ruhe.
  2. Lassen Sie sich einige Tage Zeit, um über Ihre Entscheidung nachzudenken und entscheiden Sie dabei nach Ihrem Gefühl. Beide Behandlungsverfahren sind oft gleich gut, denn ansonsten hätten Ihnen der Arzt keine Wahl gelassen, sondern Sie direkt mit der richtigen Entscheidung konfrontiert.
  3. Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt, Ihrer Familie und auch guten Bekannten über die beiden Möglichkeiten.
  4. Sprechen Sie mit dem Arzt, der die Katheteruntersuchung durchgeführt hat einige Tage nach dem Herzkatheter noch einmal über alle oben genannten Fragen und entscheiden Sie sich erst dann.
  5. Wenn Sie sich noch immer unsicher sind: Lassen Sie sich unseren Bericht und den Herzkatheterfilm geben und besprechen Sie das Problem mit einem anderen Kardiologen. Haben Sie keine Angst, daß Ihr Kardiologe „sauer“ oder beleidigt wäre, weil Sie eine 2. Meinung einholen wollen. Es geht um eine wichtige Entscheidung und da sind Ihre Zweifel und Überlegungen gut zu verstehen.

Wenn Sie sich eingehender mit der koronaren Herzkrankheit, einer Ballonerweiterung, Stents oder einer Bypass-Operation informieren möchten: Klicken Sie hier und gelangen Sie hierdurch auf die Seite „Wissen“ der Website www.meinherzdeinherz.info.

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Was ist eine Ballonerweiterung (PTCA)?

Die Ballonerweiterung ist eine Behandlung der koronaren Herzkrankheit, d.i. einer Krankheit, die zu Verengungen der sog. Herzkranzarterien führt. Es handelt sich dabei um ein Eingriff mit einem dünnen und flexiblen Kunststoffschlauch, der in die Verengung der Herzkranzarterie eingeführt wird. Mit Hilfe eines kleines Ballons wird die Gefäßverengung aufgedehnt und erweitert. In der Regel pflanzt man im Rahmen einer solchen Ballonerweiterung auch einen Stent ein. Eine Ballonerweiterung wird im medizinischen Sprachgebrauch auch als „PTCA“ (= perkutan transluminar coronary angioplasty) bezeichnet.

Wie funktioniert eine eine Ballonerweiterung?

Ein großer Teil einer Ballonerweiterung geht ähnlich wie eine Herzkatheteruntersuchung vonstatten. 

Ballonerweiterungen werden mit speziellen dünnen Kathetern durchgeführt. Es handelt sich hierbei um sehr dünne Plastikschläuche, die an ihrer Spitze einen kleinen Ballon tragen. Dieser Ballonkatheter wird durch einen „normalen“ Herzkatheter zum Herzen hin und dann mit Hilfe eines feines Drahtes durch die Kranzgefäße bis zur der verengten Gefäßstelle vorgeführt. Ist der Ballon an der verengten Stelle angekommen, wird er mit Kontrastmittel gefüllt und hierdurch aufgeblasen. Dieses Aufblasen erfolgt mit einem Druck von manchmal bis zu 15 atü und mehr und dauert meistens 10 – 30 Sekunden lang. 

Durch das kraftvolle Aufblasen des Ballons werden die Ablagerungen, die das Gefäß einengen in die Gefäßwand eingedrückt, wodurch sich der Innenraum des Gefäßes erweitert.

Was sind Stents?

Stents sind kleine, aus Metall gefertigte Gitter, die in der Gefäßenge plaziert werden, die die Wand abstützen und das Gefäß offen halten. Die Stents sind auf dem Ballon der PTCA-Katheter montiert; durch Entfaltung des Ballons werden sie in die Wand des Gefäßes eingepreßt. Man unterscheidet 2 Stenttypen:

  • Stents, die ausschließlich aus Metall bestehen (= „bare metal stent“ = BMS) und solche
  • die aus Metall bestehen, deren Oberfläche aber mit bestimmten Medikamenten beschichtet sind (= drug eluting stent = DES). Sie sind erfunden worden, um zu verhindern, daß sich an der Stelle des implantierten Stent eine erneute Verengung des Gefäßes bildet. Weil solche Wiederverengungen nach der Verwendung „einfacher“ Stents (reine Metall-Stents) in etwa 10% aller Fälle auftraten hat man die Stents mit Medikamente beschichtet, die die Neubildung von Gewebe verhindern können. Hierdurch kann die Häufigkeit von Wiederverengungen deutlich vermindert werden. Allerdings müssen Menschen, die diese Stents tragen für eine sehr lange Zeit Medikamente einnehmen, die die Blutgerinnung stark hemmen (Aspirin®, Iscover®, Plavix®, Efient®). Während dieser Zeit sind andere Operationen, wie z.B. Hüft-, Knie- oder Augenoperationen nicht möglich. Es ist daher wichtig, daß Sie uns schon vor der Ballonerweiterung sagen, ob bei Ihnen solche Operationen geplant sind.
  • In einigen Fällen verwendet man auch Ballonkatheter, die keinen Stent tragen, deren Oberfläche aber mit ähnlichen Medikamenten wie die DES beschichtet sind. Das Medikament wird dann durch die druckvolle Entfaltung des Ballons in die Wand der Arterie eingepreßt und soll hier die Entstehung einer erneuten Gefäßverengung verhindern. Solche Ballons nennt man „DEB“ (= drug eluting balloon“).

Wie läuft die Behandlung ab?

Voraussetzung für eine Ballonerweiterung mit ohne ohne Stent-Implantation ist eine Linksherzkatheteruntersuchung mit Darstellung der Herzkranzgefäße. Stellt man bei dieser Untersuchung fest, daß Gefäßverengungen vorliegen wird man darüber zu entscheiden haben, wie man diese Verengung bzw. mehrere Verengungen behandelt. Dabei werden neben einem medikamentösen Vorgehen und einer Bypass-Operation natürlich auch Ballonerweiterungen erwogen. Diese Erwägungen sind oft kompliziert und erfordern weitere Untersuchungen (z.B. Myokardszintigraphie, MRT oder Streß-Echokardiographie). Lesen Sie etwas später etwas Genaueres hierzu (Kapitel „Vorsicht“).

Wenn es möglich ist sollte man eine Ballonerweiterung in einer 2. Sitzung einige Tage nach der Herzkatheteruntersuchung durchführen. Den Termin für die Ballonerweiterung wird der Arzt, der die Katheteruntersuchung durchgeführt hat oder die Praxis Ihres Kardiologen vereinbaren und Ihnen mitteilen.

Für den Eingriff müssen Sie etwa 2 Tage im Krankenhaus aufgenommen werden.

Schon vor der Aufnahme müssen Sie bestimmte Medikamente einnehmen, die verhindern sollen, daß das Blut durch den Kontakt mit dem Metall des frisch implantierten Stents (der ja nahezu routinemäßig bei jeder PTCA implantiert wird) gerinnt. Dies würde nämlich dazu führen, daß sich der Stent durch ein Blutgerinnsel verschließt und daß ein Herzinfarkt auftritt. Aus diesem Grund ist es von größter Wichtigkeit, daß Sie Tabletten, die Sie bekommen werden (z.B. Plavix®, Efient® o.ä.) genau so einnehmen, wie Ihnen dies zuvor vom Arzt erklärt worden ist. Dies bezieht sich natürlich auch auf die anderen Medikamente (z.B. Aspirin oder ASS), die Sie einnehmen. Vergessen sie dies keinesfalls, denn ohne diese Medikamente wird die Ballonerweiterung, die ansonsten ohne größere Probleme ablaufen wird lebensgefährlich.

Die PTCA verläuft ansonsten ähnlich wie eine Herzkatheteruntersuchung:

Von der Leiste bzw. dem Handgelenk aus wird ein „Führungskatheter“ bis zur verschlossenen Herzkranzarterie vorgeführt, durch diesen Führungskatheter wird ein dünner Draht in die Arterie und durch die Verengung eingeführt und über diesen Draht schiebt der Arzt dann den Ballonkatheter (mit ohne ohne aufmontierten Stent).

Ist der Ballon in der Verengung angekommen wird er mit Kontrastmittel gefüllt, sodaß er sich entfalten kann. Hierdurch wird die Verengung „weggedrückt“. Schließlich werden alle Drähte und Katheter wieder aus dem Körper entfernt und das Blutgefäß in der Leiste bzw. am Handgelenk verschlossen.

Wenn Sie mehr über eine solche Behandlung wissen möchten (z.B. darüber, was man spürt oder welche Komplikationen die Behandlung hat) können Sie sich im Internet informieren, wenn Sie hier klicken.

Vorsicht !

Ballonerweiterung sind nicht ganz unproblematisch, denn einerseits stellt der Eingriff selber ähnlich wie eine Herzkatheteruntersuchung ein gewisses (kleines) Risiko dar. Zum anderen kann der hohe Druck, mit dem der Ballon entfaltet wird und der Draht, der durch das Innere des Gefäßes vorgeschoben wird zu Verletzungen der Kranzarterie führen und schließlich können in den Monaten nach einem erfolgreichen Eingriff erneute Verengungen auftreten. Daher ist es notwendig, daß sich der Arzt bei jeder festgestellten Koronarkrankheit genau überlegt, ob eine Ballonerweiterung tatsächlich die für den Betroffenen „beste“ Behandlungsmöglichkeit darstellt.

So ist es beispielsweise immer dann, wenn mehrere Herzkranzgefäße bzw. deren Äste verengt sind sinnvoll sein, eine Bypass-Operation zu erwägen. Denn:

Natürlich ist es möglich, auch mehrere Gefäßverengungen mittels PTCA oder Stent zu behandeln. Aber dies erfordert in der Regel mehrere Eingriffe in Abständen von 1-3 Wochen. Bei jedem dieser Eingriffe können Komplikationen und nach dem Stent können Wieder-Verengungen auftreten. Eine Bypass-Operation ist zwar das „härtere“ Vorgehen, aber in der Regel ist die Behandlung in „1 Rutsch“ erledigt.

Oder: Wenn eine (oder mehrere) Arterien langstreckig erkrankt sind und sich über einen langen Gefäßabschnitt zahlreiche Ablagerungen gebildet haben dann wird man zwar eine im Vordergrund stehende hochgradige Ablagerung und Verengung mit einem Stent behandeln können; aus den vielen anderen Ablagerungen oder leichten Verengungen können sich aber im Laufe der Zeit hochgradige Verengungen oder sogar akute Herzinfarkte entwickeln. Mit einem Stent kann man Gefäße nur punktuell behandeln; mit einer Bypass-Operation entschärft man erkrankte Gefäßabschnitte über eine längere Strecke.

Oder: Ballonerweiterungen und Stents sind (mit Ausnahme der Behandlung akuter Situationen) hautsächlich zur Linderung von Beschwerden gedacht. Bei einer 50%igen Gefäßverengung (so hochgradig das für den Laien auch klingen mag) entstehen aber in der Regel keine Durchblutungsstörungen und daher auch keine Beschwerden. Man hat in solchen Fällen also durchaus die Möglichkeit, die Gefäßerkrankung auch mit Medikamenten zu behandeln.

In den allermeisten Fällen (akute Situationen ausgenommen!) ist eine PTCA mit oder ohne Stent kein Eingriff, den man sofort vornehmen müßte. Vielmehr ist es für den Betroffenen ratsam, sich die Alternativen genau zu überlegen und das weitere Vorgehen auch mit dem Hausarzt oder Haus-Kardiologen zu besprechen. In der Situation einer Herzkatheteruntersuchung ist es für den betroffenen Patienten zuviel verlangt, sofort eine Entscheidung zu fällen. Eine sofortige PTCA im Rahmen einer Herzkatheteruntersuchung (sog. ad-hoc-Vorgehen) mag zwar auf den 1. Blick bequem sein, weil keine erneute Gefäßpunktion in einer 2. Sitzung erforderlich ist; empfehlenswert halte ich das ad-hoc-Vorgehen allerdings nicht (und die Europäische Gesellschaft für Kardiologie ebenfalls nicht). Wie gesagt: Akute Situationen („instabile Angina pectoris“, Herzinfarkt) ausgenommen!

Mehr zu dieser Problematik können Sie lesen, wenn Sie hier oder hier klicken.

Die Nachkontrollen 

Etwa 4 – 8 Wochen nach der Entlassung findet die 1. Kontrolluntersuchung statt.

Bei dieser Untersuchung werden sich Ihr Hausarzt oder niedergelassene Kardiologe mit Ihnen unterhalten und sich nach Ihren Beschwerden erkundigen, es wird vielleicht ein Ruhe- und ein Belastungs-EKG und manchmal auch eine Ultraschalluntersuchung des Herzens durchgeführt.

Den Termin für diese 1. Kontrolluntersuchung sollten Sie kurz nach der Ballonerweiterung bei der Entlassung aus dem Krankenhaus erhalten. Bei der Entlassung wird man Ihnen auch sagen, welche Medikamente Sie bis zu dieser 1. Kontrolle einnehmen sollten.

3 bis 6 Monate nach dem Eingriff wird dann eine Abschlußkontrolle erfolgen. Sie besteht in der Regel wiederum aus einem ausführlichen Gespräch, aus EKG, Belastungs-EKG und Echokardiographie. Eine erneute Herzkatheteruntersuchung wird in aller Regel nur dann erfolgen, wenn es Anzeichen dafür gibt, daß es an der ballonierten Ader zu einer erneuten Verengung gekommen sein könnte.

Und sonst noch?

Zu einer guten Behandlung gehören immer 2: Der Arzt und der Betroffene.

Bei der Ballonerweiterung hat der Arzt sein Bestes gegeben und nun sind Sie dran. Wenn Sie das gutes Ergebnis der aufwendigen Behandlung bewahren möchten: 

Achten Sie auf Ihre Risikofaktoren und behandeln Sie sie, denn sonst war alles umsonst und die Gefäße werden wieder eng oder verschließen sich sogar. Wir Ärzte können zwar Verengungen beseitigen, vor einem Herzinfarkt schützen können wir Sie aber nicht, denn das können nur Sie  selber. Also:

  • Bewegen Sie sich!
  • Normalisieren Sie ihr Gewicht!
  • Achten Sie auf Ihre Ernährung!
  • Lassen Sie Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin regelmäßig (alle 3 Monate!) untersuchen und falls notwendig auch medikamentös behandeln.
  • Wenn Sie Zigarettenraucher sind: Versuchen Sie es aufzugeben!
  • Nehmen Sie Ihre Medikamente gewissenhaft ein. Und wenn Sie etwas gegen Medikamente haben: Für eine gewisse Weile können Sie vielleicht darauf verzichten, es wird Ihnen nicht schlechter gehen und Sie werden vielleicht sogar gar keinen Unterschied bemerken. Auf Dauer aber wird die Krankheit fortschreiten und möglicherweise schlimme Folgen haben. Wenn Sie erst einmal mit einem Herzinfarkt im Krankenhaus liegen oder operiert werden müssen werden Sie Ihre Abneigung gegen Medikamente im Nachherein sicherlich nicht mehr so gut finden, aber dann ist es meistens zu spät.

Wenn Sie sich noch genauer über eine PTCA und Stents informieren möchten lesen Sie die ausführlichere PTCA-Broschüre, die Sie im Internet bekommen können. In dieser Broschüren finden Sie auch weitere Informationen über den genauen Ablauf einer Ballonerweiterung, über die verschiedene Stents, wann Sie sich welchen Stent einpflanzen lassen sollten, über Komplikationen und Gefahren der Behandlung, darüber, wie es nach einer Ballonerweiterung weitergeht, über die notwendigen Nachkontrollen und was man als Träger eines Stent beachten muß.

Sie finden uns im Internet unter der Adresse:

www.meinerzdeinherz.info.

Hier erhalten Sie auch weitere Broschüren über andere Krankheiten, Untersuchungen und Behandlungen.

Über Herzschrittmacher

Heute leben etwa 3.000.000 Menschen weltweit mit Herzschrittmachern und jährlich werden 600.000 neue Geräte implantiert. Mit ganz wenigen Ausnahmen leben Menschen mit Herzschrittmachern völlig normal. Obwohl die meisten Schrittmacher Menschen im Alter von mehr als 60 Jahren eingepflanzt werden werden solche Geräte aber grundsätzlich Menschen jeden Alters, manchmal sogar Kindern implantiert.

Warum muß ein Schrittmacher eingepflanzt werden?

Der normale Herzschlag eines Menschen wird durch einen natürlichen Herzschrittmacher gesteuert. Dieser natürliche Schrittmacher wird „Sinusknoten“ genannt und befindet sich in der rechten Herzvorkammer (= rechter Vorhof). Vom Sinusknoten aus werden elektrische Impulse über spezielle Leitungsbahnen über das ganze Herz verteilt, wodurch sie es zum Schlagen anregen. In den meisten Fällen müssen Schrittmacher implantiert werden, weil der Sinusknoten zu langsam arbeitet. Dies kann infolge fortgeschrittenen Lebensalters, bestimmter Herzerkrankungen geschehen, aber auch Folge verschiedener Medikamenten sein.

Ein anderer Grund, einen Schrittmacher einpflanzen zu müssen ist die Unterbrechung der normalen elektrischen Leitungsbahnen innerhalb des Herzens („Herzblock“). Hierbei gelangen die elektrischen Impulse nicht mehr vom Sinusknoten zu den Herzkammern, sodaß die Kammern entweder garnicht mehr oder zu langsam schlagen. In beiden Fällen sorgt der künstliche Schrittmacher, den die Ärzte implantieren dafür, daß das Herz wieder mit der richtigen Geschwindigkeit arbeitet.

Normalerweise schlägt ein Herz in Ruhe 50 – 70mal pro Minute und unter Belastung 2- bis 3mal so schnell. Ist die Herzfrequenz (= Geschwindigkeit des Herzschlages) zu langsam werden Gehirn und alle anderen Organe des Körpers zu wenig mit Blut versorgt. Eine solche Verlangsamung des Herzschlages nennt man „Bradykardie“. Eine solche Bradykardie verursacht verschiedene Beschwerden, die die Einpflanzung eines Herzschrittmachers nötig machen können:

  • Ohnmacht oder Beinahe-Ohnmacht
  • Schwindel
  • Müdigkeit
  • Luftnot
  • körperliche Leistungsschwäche
  • Kraftlosigkeit

Eine extreme Verlangsamung des Herzschlages kann tödlich sein, der Herzschrittmacher beseitigt diese Gefahr. Auf der anderen Seite gibt es Menschen, die keinerlei Beschwerden haben, bei denen aber wegen einer Störung des elektrischen Systems des Herzens die Gefahr einer solchen extremen Herzverlangsamung besteht. Bei diesen Menschen müssen Schrittmacher schon vorsorglich eingepflanzt werden, bevor Beschwerden aufgetreten sind.

Die Implantation

Ein Schrittmachersystem besteht aus dem eigentlichen Schrittmachergerät und Kabeln (= Elektroden), die das Gerät mit dem Herzen verbinden. Das Schrittmachergerät selber hat etwa die Größe einer Armbanduhr und beinhaltet eine Batterie und elektronische Bauteile. Die Elektronik überwacht die eigene elektrische Aktivität des Herzens, mißt die Geschwindigkeit der Herzschläge und sendet nur dann elektrische Impulse an das Herz, wenn die eigene Herzfrequenz zu langsam ist. Einen solchen Schrittmacher nennt man „Bedarfs-Schrittmacher“. Durch diese Arbeitsweise sorgt das Gerät dafür, daß das Herz immer mit der notwendigen Geschwindigkeit schlägt. Viele Schrittmacher sind heute mit der Fähigkeit ausgestattet, die körperliche Aktivität eines Menschen zu erkennen und dadurch bei körperlichen Anstrengungen (z.B. Spazierengehen, Laufen, Treppe steigen) eine höhere Herzfrequenz zu erzeugen als in Ruhe. Hierdurch wird der Normalzustand des Herzens nachgeahmt.

1-Kammer-Schrittmacher sind mit 1 Elektrode mit dem Herzen verbunden, 2-Kammer-Geräte benutzen 2 Elektroden, die mit der rechten Vor- und der rechten Hauptkammer verbunden sind. Wir werden Ihnen vorschlagen, welches dieser beiden Geräte das für Sie Beste ist.

Die Implantation eines Schrittmachers erfolgt im Rahmen eines kleinen Eingriffes in lokaler Betäubung. Unterhalb des rechten oder linken Schlüsselbeins legt der Chirurg eine Vene frei, durch die er die Elektroden in das Herz vorführt. Man liegt dabei unter einem Röntgengerät, mit dessen Hilfe der Arzt die richtige Stelle innerhalb des Herzens erkennen kann, an der er die Elektrodenspitze verankert. Die Elektroden werden dann mit dem Schrittmacher-“Kästchen“ verbunden und das Gerät wird unter die Haut geschoben. Bis auf das leichte Brennen der Spritze mit dem lokalen Betäubungsmittel verläuft der Eingriff ohne Schmerzen.

Ein solcher Eingriff dauert ca. 1-2 Stunden, das Risiko einer solchen Operation ist äußerst gering.

Nach der Implantation sieht man meistens nur eine kleine Vorwölbung unter der Stelle, an der sich das Gerät befindet. In den ersten Wochen nach der Implantation sollte man nichts Schweres heben und keine extremen Bewegungen mit dem Arm machen, damit die kleine Operationswunde gut verheilen kann. Ansonsten kann man ein normales Leben ohne wichtige Einschränkungen führen. Es ist ratsam, daß Menschen mit Herzschrittmachern einen Schrittmacherausweis mit sich führen. In diesem Ausweis sind die technischen Einzelheiten des implantierten Gerätes, der Grund für die Einpflanzung, aber auch die Ergebnisse regelmäßiger technischer Kontrollen des Gerätes vermerkt. Mit der Hilfe dieses Ausweises können sich Ärzte, aber beispielsweise auch das Sicherheitspersonal am Flugplatz über den Schrittmacher informieren.

Nach der Schrittmacherimplantation

Man kann mit einem Schrittmacher ein normales Leben führen. Flugreisen, Sauna- oder Schwimmbadbesuche usw. sind ohne weiteres möglich. Es gibt nur wenige Einschränkungen: Vermieden werden sollten Sportarten, die mit Remplern verbunden sind, weil diese das Schrittmachergerät mechanisch beschädigen können. Vermieden werden sollte auch Elektroschweißen oder die Benutzung von Laubbläsern mit Benzinmotoren und die Annäherung an starke Funksender (z.B. Radiosender Langenberg oder Funkleitfeuer der Bundesmarine) oder Transformatorenhäuschen. Streng verboten sind Untersuchungen mit einem Kernspintomographen, weil dessen starker Magnet den Schrittmacher vorübergehend oder dauerhaft beschädigen kann. Untersuchungen mit normalen Röntgen-, Röntgen-CT-Geräten oder Mammographien sind aber problemlos möglich.

Wenn Sie mehr über Herzschrittmacher, seine Geschichte, Arbeitsweise, über eine Implantation, den Wechsel eines Schrittmachers und über das Leben mit einem Schrittmacher erfahren möchten:

Wenn Sie mehr über Herzschrittmacher, das Leben mit einem solchen Gerät oder über andere Herzkrankheiten wissen möchten besuchen Sie uns im Internet unter der Adresse www.meinherzdeinherz.info und klicken Sie auf „Wissen“. Hier können Sie auch eine ausführliche Schrittmacher-Broschüre bekommen, in der auch Filme zu sehen sind, damit Sie sich die verschiedenen Herzrhythmusstörungen, deretwegen Schrittmacher implantiert werden müssen besser vorstellen können.

Herzkatheter: Ja oder nein?

Hier möchte ich Sie kurz über eine Herzkatheteruntersuchung informieren, um Ihnen bei der Entscheidung zu helfen, ob Sie die Untersuchung durchführen lassen sollten.

Was ist eine Herzkatheteruntersuchung?

Sie wird durchgeführt, um Herzkranzgefäße, die linke Herzkammer und die Herzklappen genau zu untersuchen.

Die Herzkranzarterien sind dafür zuständig, daß der Herzmuskel mit Blut, Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird. Es gibt eine Arterie, die die Vorderwand des Herzens, eine weitere Arterie, die die Hinterwand und eine weitere Arterie, die die Seitenwand des Herzens versorgt. Diese 3 Gefäße sind sehr dünn (am Ursprung ca. 4 mm dick) und liegen auf der Außenseite des Herzens. Man kann sie weder auf einem normalen Röntgenbild des Herzens noch im Ultraschall erkennen.

Um diese Gefäße sehen zu können muß man sie mit Kontrastmittel anfüllen und sie dann röntgen. Genau hierzu ist die Herzkatheteruntersuchung da:

Der Arzt führt einen dünnen Plastikschlauch (= „Herzkatheter“) von einer kräftigen Schlagader in der rechten Leiste oder vom Handgelenk aus bis zum Herzen vor. Um den Katheter in die Schlagader einführen zu können wird die Haut über der Arterie betäubt, damit der Einstich in das Gefäß mit einer Nadel nicht weh tut. Den Weg des Katheters von der Leiste bzw. vom Handgelenk zum Herzen spürt man nicht, denn die Adern, durch die der Katheter „läuft“ sind an den Innenseiten taub und gefühllos. Der Arzt beobachtet den Lauf des Katheters im Röntgenbild und kann den Katheter dadurch stets in die richtige Richtung lenken. Am Herzen angekommen wird die Spitze des Katheters in die Herzkranzgefäße eingeführt. Danach spritzt der Arzt das Kontrastmittel in das Gefäß und filmt, wie sich die Adern anfärben. Indem er diese Kontrastmittelanfüllung aus verschiedenen Richtungen filmt kann er Verengungen oder Verschlüsse der Gefäße genau erkennen. Ebenfalls wird er die linke Herzkammer mit Kontrastmittel anfüllen, damit er genau sehen kann, ob der Herzmuskel überall kräftig arbeitet, ob er durch verengte Gefäße bereits geschädigt ist und wie die Herzklappen arbeiten.

Man spürt von einer Herzkatheteruntersuchung nur 3 Dinge:

  • Den Einstich zur lokalen Betäubung der Haut über Leisten- bzw. Handgelenksschlagader,
  • die Kontrastmittelfüllung der Herzkammer in Gestalt eines „sonderbaren“ (keinesfalls unangenehmen) Wärmegefühls im ganzen Körper einschließlich in Blase und Darm, sowie
  • in manchen Fällen Herzstolpern oder Herzklopfen, das auftritt, wenn der Katheter die Herzkammer von innen berührt.

Alle anderen Dinge, d.h. den Weg des Katheters von der Leiste zum Herzen oder die Einspritzung nur kleiner Kontrastmittelmengen in die Herzkranzgefäße werden Sie nicht bemerken!

Während der gesamten Untersuchung werden laufend Ihr Blutdruck und Ihr EKG überwacht. Dennoch sind Komplikationen wie Entzündungen des Herzens, Blutergüsse in der Leistengegend, Herzinfarkt, Schlaganfall oder schwerwiegende Herzrhythmusstörungen möglich. Bedrohliche Untersuchungskomplikationen treten aber nur sehr selten (weniger als 1mal bei 1.000 Untersuchungen) auf.

Ambulant oder stationär?

Herzkatheteruntersuchungen können stationär oder ambulant durchgeführt werden. Ob ambulant oder stationär untersucht wird hängt z.B. davon ab, ob die Nieren ausreichend arbeiten und das Kontrastmittel schnell wieder ausscheiden können, wie kräftig die linke Herzkammer arbeitet oder ob Sie zu Hause allein stehend sind. Ihr Kardiologe wird dies mit Ihnen besprechen und Ihnen dazu raten, ob die ambulante oder stationäre Untersuchung die für Sie sicherste Methode ist.

Wenn die Untersuchung ambulant durchgeführt wird liegen Sie etwa 4 Stunden im Liegeraum der Herzkatheteruntersuchung im Bett, damit sich die Einstichstelle an der Leistenschlagader wieder sicher verschließen kann. Wenn die Untersuchung stationär durchgeführt wird werden Sie in aller Regel am Morgen des folgenden Tages wieder nach Hause entlassen.

Soll ich den Katheter durchführen lassen?

Es gibt Situationen, in denen die Durchführung einer Herzkatheteruntersuchung lebenswichtig ist, z.B. wenn Sie mit einem frischen Herzinfarkt ins Krankenhaus gekommen sind. In diesen Fällen ist die Katheteruntersuchung unumgänglich.

In allen Fällen, in denen die Untersuchung aber nicht so dringend ist sollten Sie sich Gedanken machen. Berücksichtigen Sie bei diesen Überlegungen die folgenden Dinge:

  • Katheteruntersuchungen sind Routineuntersuchungen; Sie haben zwar Komplikationsmöglichkeiten, dies aber nur in sehr wenigen Fällen. Angst vor der Untersuchung müssen Sie wirklich nicht haben.
  • Ohne die Herzkatheteruntersuchung wissen Ihre Ärzte nicht, in welchem Zustand sich Ihr Herz befindet, welche Gefahren (z.B. durch einen Herzinfarkt) drohen und wie Sie am besten behandelt werden können, um Ihre Beschwerden zu lindern und eine vielleicht drohende Herzinfarkt-Gefahr abzuwenden. Oder anders herum: Ohne eine Herzkatheteruntersuchung wird man Ihre evtl. bestehende Herzkrankheit nicht optimal behandeln können.
  • Die Herzkatheteruntersuchung selber wird Ihnen nicht helfen, denn sie dient nur dazu, das Problem festzustellen, nicht aber, um es zu beseitigen. Als Konsequenzen der Untersuchung werden vielleicht eine Bypass-Operation oder Ballonerweiterung notwendig sein. Wenn Sie schon von vornherein wissen, daß Sie sich (aus welchen Gründen auch immer) nicht operieren oder mit einer Ballonerweiterung behandeln lassen werden sollten Sie auch keine Herzkatheteruntersuchung durchführen lassen. Denn dann wäre das kleine Risiko der Untersuchung für Sie ohne Konsequenzen. Sie sollten sich daher vor einer Katheteruntersuchung grob über die Ballonerweiterung und Bypass-Operation informieren. Sie können beispielsweise Informationen aus dem Internet bekommen, wenn Sie hier klicken.
  • Wenn Sie wissen möchten, ob man nicht bei einer Herzkatheteruntersuchung „im gleichen Aufwasch“ auch eine Ballonerweiterung durchführen kann: Grundsätzlich geht das natürlich und wenn Sie dies wünschen wird es auch getan. Aber:

Außer in Notsituationen gibt es zur Ballonerweiterung oft eine Alternative (z.B. eine Medikamentenbehandlung oder Bypass-Operation). Alle möglichen Behandlungen haben ihre Vor- und Nachteile. In der Situation einer Katheteruntersuchung, wenn Sie auf dem Untersuchungstisch liegen und vielleicht nervös oder ängstlich sind werden Sie nicht die Ruhe haben, die Sie für eine solche grundsätzliche Entscheidung haben sollten. Daher sollte der Arzt der Katheterabteilung nach Möglichkeit immer versuchen, den Patienten die Situation mit den Vor- und Nachteile der möglichen Behandlungen zuerst genau zu erklären. Einige Tage später treffen Sie sich dann mit dem Herzkatheterarzt, Ihrem Kardiologen oder Hausarzt noch einmal und können das Problem in Ruhe mit ihm besprechen, nachdem Sie zuvor alles gründlich überlegen und abwägen können. Wir finden, daß dies das beste Vorgehen ist, weil es dabei helfen kann, unnötige Behandlungen auch mit dem Ballonkatheter zu vermeiden.

Was soll ich denn nun machen?

Überlegen Sie in aller Ruhe, ob Sie die Untersuchung durchführen lassen möchten. Sprechen Sie mit Verwandten, Bekannten, Ihrem Hausarzt oder mit anderen Menschen Ihres Vertrauens. Scheuen Sie sich auch nicht, mit Ihrem Hausarzt oder Kardiologen darüber zu sprechen.

Es gibt Ärzte in niedergelassenen Praxen und im Krankenhaus, die (aus welchen Gründen auch immer) dazu neigen, alle möglichen Beschwerden sofort mit einem Herzkatheter zu untersuchen. Motto (sarkastisch formuliert, Entschuldigung): Luftnot, Kopfschmerzen oder Fußschweiß könnten ja durch eine Herzkrankheit verursacht werden, daher ist der Katheter unbedingt notwendig.

Was Sie benötigen ist ein Arzt, der solche Neigungen nicht hat und der Sie ehrlich und ohne unnötige Angst zu erzeugen berät. Wer sind solche wirklich guten Ärzte und woran erkenne ich sie?

Wer ein guter Arzt ist weiß eigentlich nur die Zeitschrift Fokus®, die Listen solcher Ärzte veröffentlicht. Woher der Fokus® das weiß kann Ihnen niemand sagen. Ich bin auch Arzt, aber ich weiß selber nicht, welcher „der beste“ Arzt ist, dem ich mich anvertrauen kann. Ich gehe wie folgt vor:

Wenn ich ein Problem habe (z.B. wenn ich mich frage, ob mein Ellenbogen mit dem überempfindlichen Musikantenknochen operiert werden sollte) gehe ich zu einem Chirurgen, schildere ihm mein Problem und höre mir dann an, was er mir rät, ob er mir die Erfolgsaussichten der Operation, ihren Nutzen und ihre Risiken gut erklären kann. Ich bin kein Chirurg und kann daher das, was er mir erklärt nur sehr bedingt verstehen. Aber ich bekomme ein Gefühl dafür, ob ich diesem Arzt vertrauen kann oder nicht. Vertraue ich ihm  folge ich seinen Empfehlungen (egal wie sie lauten), vertraue ich ihm aber nicht so richtig dann suche ich einen anderen Arzt auf und bespreche mein Problem auch mit ihm.

Dieses Verfahren nennt man „Einholung einer Zweitmeinung“ und es ist ein legitimes Verfahren. Es ist in diesem Zusammenhang sinnvoll, wenn Sie dem 1. Arzt sagen, daß Sie sich gerne noch die Meinung eines anderen Arztes anhören wollen, bevor Sie sich entscheiden. Die Reaktion des Arztes auf diese Mitteilung sagt viel aus: Jeder gute Arzt wird gerade bei einem Eingriff wie einer Herzkatheteruntersuchung Verständnis für ihre Unsicherheit haben und natürlich nichts gegen die Einholung einer Zweitmeinung einzuwenden haben. Ist er pikiert, beleidigt oder wird er pampig (habe ich schon erlebt) wissen sie eigentlich schon Bescheid.

Also: Wenn Sie unsicher sind, ob Sie die Untersuchung durchführen lassen sollen oder nicht: Beraten Sie sich mit dem Arzt Ihres Vertrauens, egal, ob dies Ihr Hausarzt oder ein Kardiologe ist.

Wenn Sie sich dann zum Katheter entschließen: Rufen Sie denjenigen Arzt an, der die Notwendigkeit zur Katheteruntersuchung festgestellt hat und verabreden Sie mit ihm, wie und wo Sie angemeldet werden (z.B. per Telephon oder Fax) und wie es dann weiter geht (z.B. ob vor der Untersuchung noch Blut abgenommen werden muß).

Wenn Sie sich gegen einen Katheter entscheiden: Rufen Sie Ihren Arzt an und sagen, daß Sie keine Katheteruntersuchung wünschen. Besprechen Sie dann mit ihm, wie es nun weiter gehen soll.

Wenn Sie mehr über eine Herzkatheteruntersuchung, über eine Ballonerweiterung (PTCA, Stents) oder eine Bypass-Operation wissen möchten besuchen Sie uns im Internet unter der Adresse www.meinherzdeinherz.info und klicken Sie auf „Wissen“.

Nach einem Herzinfarkt

Sie haben einen Herzinfarkt gehabt, der mit Hilfe eines Herzkatheters behandelt wurde. Was sollten Sie dazu wissen?

Was war passiert?

Ihr Herzinfarkt ist dadurch entstanden, daß sich 1 der 3 dünnen Schlagadern, die den Herzmuskel mit Blut versorgen verschlossen hat. Dadurch hatte der Herzmuskel nicht mehr genügend Blut bekommen und war vom Absterben bedroht. Die verschlossene Schlagader (Herzkranzarterie) ist mit einem Ballon erweitert und mit einem Stent geschient worden.

Wie geht es jetzt weiter?

Nach der akuten Behandlung des Infarktes sind sie noch einige Tage im Krankenhaus geblieben und haben nachfolgend wahrscheinlich eine Anschlußheilbehandlung durchgemacht. Am Ende der ganzen Behandlungen hat man Ihnen sicherlich sagen können, warum Sie den Herzinfarkt bekommen hatten, d.h. welche Risikofaktoren Sie haben.

Wahrscheinlich werden Sie nun wissen, ob Sie erhöhten Blutdruck oder Blutfettwerte haben, ob Sie zuckerkrank sind (Diabetes mellitus) oder andere Risikofaktoren haben; über die Schäden fortgesetzten Zigarettenrauchens sind Sie sicherlich informiert worden.

Die Aufgaben Ihres Hausarztes und Kardiologen bestehen nun darin, die folgenden Fragen zu beantworten:

  • Welche Folgen hat der Herzinfarkt hinterlassen?
  • Wie geht es mit Ihrem Leben weiter?
  • Sind Ihre Risikofaktoren gut eingestellt?

Wie werden diese Fragen beantwortet?

Sie sollten sich in bestimmten Abständen von einem Kardiologen und von Ihrem Hausarzt untersuchen lassen.

Ihr Hausarzt sollte etwa alle 3 Monate nach Blutdruck, Blutfettwerten und (wenn Sie zuckerkrank sind) auch nach der Einstellung des Blutdrucks sehen.

Lassen Sie sich die Laboruntersuchungen Ihrer Bluttests kopieren, nehmen Sie sie mit nach Hause, heften Sie sie in Ihrer Krankenakte ab und tragen Sie sie in den Infarktpaß ein, den Sie möglicherweise bekommen haben; tragen Sie diesen Infarktausweis immer bei sich.

Kontrollieren Sie selber zusammen mit Ihrem Hausarzt, ob Sie die Zielwerte für die einzelnen Werte erreicht haben. Welche Werte dies sind hat man Ihnen bei der Entlassung aus dem Krankenhaus oder der Anschlußheilbehandlung gesagt. Lesen Sie anderenfalls die Informationen über die „Sekundärprävention“, die Sie hier bekommen können.

In bestimmten Abständen sollten Sie sich auch vom Kardiologen untersuchen lassen. Er prüft z.B. mit EKG, Belastungs-EKG und vor allem Ultraschall, ob Ihr Herz nach dem Infarkt eine Narbe zurück behalten hat, wie groß diese Narbe ist, welche Auswirkungen die Infarktfolgen für ihr weiteres Leben haben werden und wie sie sich weiter verhalten sollten.

Die Zeitabstände, in denen Sie vom Kardiologen untersucht werden sind unterschiedlich: Während der ersten 6 Monate nach dem Infarkt werden wir Sie beispielsweise 3mal untersuchen, danach 1- bis 2mal im Jahr.

Damit Ihr Kardiologe Sie gut beraten kann ist es wichtig, daß Sie ihm die Ergebnisse der Blutuntersuchungen, die Ihr Hausarzt durchgeführt hat mitbringen. Daher ist es so einfach und praktisch, eine eigene Krankenakte anzulegen und den Infarktausweis mit sich zu führen.

Was ist mit Medikamenten?

Nach einem solch schweren Ereignis wie einem Herzinfarkt ist es wichtig, daß Sie auf die richtigen Medikamente eingestellt werden. Einen großen Teil dieser Medikamente werden Sie nicht deshalb bekommen, damit es Ihnen besser geht oder damit Sie weniger Beschwerden haben (Sie werden nämlich keine oder nur wenige Beschwerden haben!). Die Medikamente sind vielmehr notwendig, um die oben erwähnten Risikofaktoren zu beseitigen und um damit einem neuen Herzinfarkt vorzubeugen.

Andere Medikamente sind dazu da, um das durch die Infarktnarbe vielleicht etwas geschwächte Herz zu kräftigen bzw. um seine Pumpkraft gut zu erhalten.

Wiederum andere Medikamente sollen die Entstehung neuer Blutgerinnsel in den Schlagadern des Herzens oder anderen Organen zu verhindern. Dazu gehört beispielsweise Aspirin oder ASS. Diese Medikamente sollten Sie z.T. lebenslang einnehmen.

Andere äußerst wichtige Medikamente haben den Namen Iscover®, Plavix®, Clopidogrel, Brilique® oder Efient®. Diese Medikamente werden zusammen mit dem ASS oder Aspirin eingenommen und sollen verhindern, daß der bei Ihrem Herzinfarkt implantierte Stent von Ihrem Körper abgestoßen wird, daß im Stent ein neues Blutgerinnsel entsteht, daß sich der Stent dadurch verschließt und daß es dadurch zu einem neuen schlimmeren Herzinfarkt kommt. Nehmen Sie dieses Medikament über 1 Jahr regelmäßig jeden Tag ein und vergessen Sie es niemals und an keinem einzigen Tag!

Wer gibt Ihnen die Rezepte für die Medikamente?

Das macht in aller Regel Ihr Hausarzt oder (wenn dieser verhindert sein sollte) der Vertreter des Hausarztes oder Ihr Kardiologe, sprechen Sie dies mit Ihrem Hausarzt ab.

Wenn Sie sich genauer über Ihre Herzkrankheit, Ballonerweiterungen und Stents informieren möchten: Besuchen Sie uns im Internet unter www.meinherzdeinherz.info und sehen Sie in dem Kapitel „Wissen“ nach weiteren Informationen, die Sie hier kostenlos bekommen.

Kardiologische Untersuchungen

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Und das Ganze wird mit vielen Bildern, Filmen und Animation so erklärt, daß es eigentlich für jedermann verständlich sein sollte.

Endokarditis-Prophylaxe

Was ist die Endokarditis? 

Die Endokarditis ist eine entzündliche Erkrankung der Innenwand des Herzens (Endokard), die sich vorwiegend an den Herzklappen abspielt und durch die Besiedlung mit Bakterien oder Pilzen zustande kommt. Diese Besiedlung kann dann eintreten, wenn Bakterien ins Blut gelangen und sich z.B. an künstlichen oder geschädigten Herzklappen festsetzen.

Was ist eine Endokarditis-Prophylaxe?

Durch die vorbeugende Gabe von Antibiotika soll die Ansiedlung von Bakterien immer dann verhindert werden, wenn damit zu rechnen ist, daß Bakterien ins Blut eingeschwemmt werden.

Risiko für eine Endokarditis 

Das Lebenszeitrisiko für eine Endokarditis variiert stark und ist abhängig von der zugrunde liegenden Herzerkrankung:

Das Risiko in der Normalbevölkerung ist sehr gering. Patienten mit Herzklappenfehlern und Patienten mit bestimmten angeborenen Herzfehlern haben schon ein etwas höheres, aber immer noch relativ niedriges Risiko.

Hingegen haben Träger von Herzklappenprothesen und Patienten, die wegen einer Endokarditis eine künstliche Herzklappe erhalten haben ein deutlich höheres Risiko auf eine Endokarditis.

Die größte Gefahr für eine erneut auftretende Endokarditis mit den entsprechend schwerwiegenden Folgeerscheinungen haben allerdings Patienten, die schon einmal eine Endokarditis durchgemacht hatten oder deren Kunstklappe wegen einer Entzündung gewechselt werden mußte.

Wer benötigt eine Endokarditis-Prophylaxe?

Alle Patienten mit dem höchsten Risiko für eine Endokarditis und solche, bei denen das Komplikationsrisiko am höchsten ist. Das sind:

  • Patienten mit Klappenersatz (mechanische und biologische Prothesen)
    Patienten mit „reparierten“ Herzklappen unter Verwendung von Fremdmaterial
  • Patienten, die schon eine Endokarditis durchgemacht haben
  • Patienten mit angeborenen Herzfehlern wie:
    • Herzfehler mit Blauverfärbung der Haut
    • Menschen, die mit einer Kurzschlußverbindung zwischen Lungenkreislauf und großem Kreislauf operiert wurden
    • Menschen, bei denen Conduits (künstliche Röhrchen) mit oder ohne Klappe eingesetzt wurden.

Wer benötigt keine Endokarditis-Prophylaxe?

Alle Patienten, die keinen der oben genannten Herzfehler haben brauchen keine Endokarditis-Prophylaxe. Das heißt zum Beispiel, daß Patienten mit unkomplizierten Fehlern der Mitral- oder Aortenklappe müssen keine Prophylaxe betreiben.

Menschen, bei denen nach einer Herzoperation keine Defekte verblieben sind benötigen eine Endokarditisprophylaxe nur für 6 Monate nach der Operation.

Bei welchen Eingriffen ist eine Endokarditis-Prophylaxe erforderlich?

Sie ist nötig bei Eingriffen, die zu einer Einschleppung von Bakterien ins Blut führen.

Das sind:

  • im Mund und Rachen: zahnärztliche Eingriffe, bei denen das Zahnfleisch verletzt wird, z.B. Zahnsteinentfernung, Zahnziehen und Zahnimplantation
  • Operationen an den oberen Luftwegen, bei denen die Schleimhaut verletzt wird, z.B. Entfernung von Gaumenmandeln oder Polypen 
  • bei Eingriffen im Magen-Darmtrakt, der Harnwege oder der Haut, aber nur dann, wenn es sich um Infektionen dieser Organe handelt.

Nicht notwendig ist eine Endokarditis-Prophylaxe bei:

  • einer Magen-, Dickdarm- oder Blasenspiegelung, auch mit Gewebeentnahme
  • einer Herzkatheteruntersuchung.

Wie wird die Prophylaxe durchgeführt?

Die Prophylaxe wird mit Medikamenten durchgeführt, die in aller Regel als Tablette eingenommen werden. Dieses Medikament, bei dem es sich um ein Antibiotikum handelt sollte innerhalb von 30 bis 60 Minuten vor einem Eingriff eingenommen werden. Nur für den Fall, dass jemand keine Prophylaxe vor einem Eingriff erhalten hat, kann diese noch bis zu zwei Stunden nach dem Eingriff sinnvoll sein.

Als Antibiotikum wird Amoxicillin empfohlen. Wenn jemand das Medikament nicht schlucken kann wird es auch in die Vene gespritzt.

Bei Penicillin- oder Ampicillin-Allergie kann auch ein anderes Medikament eingenommen oder in die Vene gespritzt werden.

Wenn Sie sich noch genauer über die Endokarditis und ihre Vorbeugung informieren möchten:

Besuchen Sie die Deutsche Herzstiftung im Internet unter der Adresse

www.herzstiftung.de.

Hier können Sie auch einen Endokarditispaß anfordern, den Menschen, die eine Endokarditisprophylaxe durchführen müssen immer bei sich tragen sollten.

Lesen Sie auch die ausführlicher Broschüre über Herzentzündungen, die Sie im Internet unter der Adresse:

www.meinherzdeinherz.info/Wissen

finden.

Hier erhalten Sie auch weitere kostenlose Broschüren über andere Krankheiten, Untersuchungen und Behandlungen.