Nach einer Herzklappen-OP

Sie haben eine neue Herzklappe bekommen. Dies ist notwendig gewesen, weil Sie Ihr „alte“ Herzklappe defekt war, nicht mehr richtig gearbeitet hat, Ihr Herz geschwächt oder die kräftige Arbeitsweise Ihres Herzens bedroht hat.

In diesem Merkblatt möchte ich Sie kurz über das „Leben nach einer solchen Operation“ informieren.

WAS IST BEI DER OPERATION GESCHEHEN?

Bei der Herzklappen-Operation hat der Chirurg Ihre alte defekte Herzklappe entfernt und gegen eine „neue“ Klappe ausgetauscht. Dabei hat er entweder eine „Bioprothese“ oder eine künstliche Herzklappe benutzt.

„Bioprothesen“ sind Herzklappen, die eigentlich vom Schwein stammen. Diese Schweineklappe ist derartig umgebaut worden, daß sie der Funktion der menschlichen Klappe sehr stark ähnelt und eigentlich wie eine natürliche Herzklappe des Menschen funktioniert.

Die „künstliche Herzklappe“ hingegen stammt aus der Fabrik. Sie besteht aus Stahl, Stoff und Kunststoff. Die meisten heute verwendeten Kunstklappen arbeiten wie eine Tür mit 2 Flügeln (siehe Abbildung, die Sie im Internet auf der Website sehen können).

WELCHE UNTERSCHIEDE GIBT ES ZWISCHEN DIESEN KLAPPEN?

Beide Klappentypen unterscheiden sich nicht in ihrer Funktion: Sie ersetzen die Arbeit Ihrer natürlichen Herzklappe mehr oder weniger perfekt, dennoch gibt es Unterschiede:

Die künstliche Herzklappe besteht aus Materialien, die der Körper eines Menschen als Fremdkörper empfindet. Daher kann es an diesen Klappen Blutgerinnsel bilden, die den Mechanismus der Klappe zerstören können. Um solche Gerinnselbildungen zu verhindern muß man als Träger einer künstlichen Herzklappe lebenslang ein Medikament zur Blutverdünnung (Marcumar®) einnehmen, Aspirin, ASS oder die „neuen Blutverdünner“ (z.B. Xarelto®, Pradaxa® o.ä.)  sind hier nicht ausreichend und sogar gefährlich.

Diesem Nachteil steht als Vorteil gegenüber, daß eine künstliche Herzklappe ewig hält, d.h. sie verschleißt nicht.

Die Bioprothese hingegen wird vom Körper nicht als fremdes Gewebe erkannt (weil das Schwein in vieler Hinsicht große Ähnlichkeit mit dem Menschen hat – pardon!). Aus diesem Grund entstehen an diesen Klappentypen keine Blutgerinnsel und es ist nicht erforderlich, Marcumar® einzunehmen; jedenfalls solange nicht, wie keine Herzrhythmusstörung namens „Vorhofflimmern“ vorliegt.

Dem Vorteil, kein Marcumar einnehmen zu müssen steht aber der Nachteil gegenüber, daß Bioprothesen nach etwa (10 -) 15 Jahren verschlissen sind und dann durch eine erneute Operation ausgetauscht werden müssen.

WAS MUSS ICH NACH DER OPERATION BEACHTEN?

Zunächst einmal:

Sie sind operiert worden, damit Sie wieder ein weitest gehend normales Leben führen können. Es wird nicht notwendig sein, daß Sie die Klappe schonen müssen (z.B. damit sie länger hält). Alle Klappenprothesen sind sehr solide und stabil gebaut, körperliche Anstrengung vertragen sie ohne Schaden zu nehmen.

Es ist gut möglich, daß Ihr Herzmuskel vor der Operation durch den Herzklappenfehler, den Sie ja immerhin viele Jahre lang hatten geschwächt worden ist (= Herzschwäche = Herzinsuffizienz (siehe auch, wenn Sie hier klicken)).

Diese Herzschwäche wird sich in den Monaten und Jahren nach der Operation wahrscheinlich wieder langsam verbessern. Manchmal verbessert sie sich aber auch nicht, das hängt davon ab, welchen Schaden der Herzmuskel vor der Operation genommen hatte. Ihr Kardiologe wird diese Veränderungen Ihrer Herzkraft in den regelmäßig stattfindenden Untersuchungen Ihres Herzens verfolgen. Dabei wird er Ihnen nach den regelmäßigen Untersuchungen auch sagen, in welchem Umfang und mit welcher Intensität Sie sich körperlich belasten können oder ob Sie sich noch schonen müssen.

In einigen Fällen werden Sie auch nach der Operation eine Herzrhythmusstörung namens „Vorhofflimmern“ haben.

Diese Rhythmusstörung hat in der Regel nichts mit der Operation und auch nicht unbedingt etwas mit dem Herzklappenfehler zu tun, dessentwegen Sie ja operiert worden sind. Vorhofflimmern ist eine sehr häufig auftretende Herzrhythmusstörung, die auch Menschen betreffen kann, die keinen Herzklappenfehler, keine Herzoperation und keine Herzschwäche haben. Sie werden mit dieser Herzrhythmusstörung gut leben können und Sie werden sie wahrscheinlich garnicht bemerken. Dennoch muß der Arzt nach dieser Herzrhythmusstörung suchen, denn unabhängig von der Art der bei Ihnen implantierten Herzklappenprothese bedeutet Vorhofflimmern die erhöhte Gefahr für die Bildung von Blutgerinnseln im Herzen und an der künstlichen Herzklappe. Daher müssen auch Menschen mit Bioprothesen immer dann Marcumar® einnehmen, wenn Vorhofflimmern auch schon vor der Operation vorlag, es aber durch die Operation nicht beseitigt werden konnte oder wenn diese Herzrhythmusstörung nach der Operation auftritt.

Vielleicht ist Ihnen bei der Herzoperation nicht nur eine neue Herzklappe eingepflanzt worden, sondern möglicherweise haben Sie auch Bypass-Gefäße bekommen müssen, um verengte Herzkranzarterien zu behandeln. Lesen Sie hierzu die speziellen Informationen über eine Bypass-OP, wenn Sie hier klicken.

Bitte beachten Sie nach Ihrer Klappenoperation die folgenden Dinge:

  • Ernähren Sie sich gesund, d.h. essen Sie viel Gemüse und Obst und meiden Sie Fett und zuckerhaltige Speisen oder Getränke. Auch ein Gläschen Wein kann nicht schaden. Denken Sie aber daran, daß Ihre Ernährung Einfluß nehmen kann, wie das Marcumar®, das Sie vielleicht einnehmen müssen wirkt. Lesen Sie hierzu die Marcumar®-Informationen.
  • Bewegen Sie sich regelmäßig. Es muß kein spezieller Sport sein. Es reicht, wenn Sie jeden Tag vielleicht 15 Minuten spazieren gehen (zügig, aber nicht rennen!), wenn Sie zum Einkaufen nicht mehr mit dem Auto fahren, sondern zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad fahren; benutzen Sie die Treppe und nicht den Lift!
  • Nehmen Sie die Medikamente, die Ihnen Ihr Hausarzt oder Kardiologe verschreiben gewissenhaft und nach Vorschrift ein. Sie bekommen diese Medikamente nämlich nicht, damit es Ihnen besser geht (meistens geht es Ihnen nach der Operation nämlich auch ohne Medikamente sehr gut). Sie sollen vielmehr dafür sorgen, daß der Zustand Ihres Herzens auch auf Dauer so gut bleiben, wie er unmittelbar nach der Operation ist. Mit anderen Worten: Die Medikamente, die Sie auch nach der Operation einnehmen müssen sollen Ihnen helfen, lange und gut zu leben!
  • Nehmen Sie das Angebot Ihrer Krankenkasse und Ihrer Ärzte wahr und lassen Sie sich regelmäßig untersuchen:

NACHUNTERSUCHUNGEN

Nachuntersuchungen sind wichtig. Sie sollen klären, ob die neue Herzklappe gut funktioniert, ob die Bioprothese, die Sie evtl. bekommen haben noch nicht verschlissen ist und wie sich Ihr Herzmuskel entwickelt.

Bei diesen Untersuchungen werden einmal jährlich EKG, Belastungs-EKG und auch eine Ultraschalluntersuchung des Herzens durchgeführt werden. Am wichtigsten sind aber (wie bei allen Arztbesuchen!) das Gespräch, das der Arzt mit Ihnen führt und in dem er z.B. nach Ihren Beschwerden fragt und eine körperliche Untersuchung (!).

WANN MUß ICH WIEDER ZUM ARZT?

Ihr Kardiologe oder Hausarzt wird Ihnen am Ende der aktuellen Untersuchungen sagen, wann Sie zur nächsten Kontrolle kommen sollten. Bringen Sie zu diesen Terminen immer Ihre letzten Blutwerte und Ihre Medikamente mit!

Besprechen Sie sich auch mit Ihrem Hausarzt, wie oft er Sie nach der Operation sehen möchte, beispielsweise um den Quickwert (bei Marcumar®-Patienten) zu messen, bestimmte spezielle Blutwerte und Ihre Risikofaktoren zu überprüfen und nach evtl. Nebenwirkungen der Medikamente zu suchen.

WELCHE MEDIKAMENTE MUß ICH EINNEHMEN?

Es gibt hier keine pauschale Empfehlung, denn jeder „Herzklappen-Patient“ ist anders. Damit Sie nichts vergessen benutzen Sie einen Medikamentenzettel und lassen Sie den Arzt hier Ihre Medikamente eintragen.

 

Wenn Sie sich genauer über Ihre Herzkrankheit informieren möchten: Besuchen Sie uns im Internet unter www.meinherzdeinherz.info und sehen Sie in dem Kapitel „Wissen“ nach weiteren Informationen, die Sie hier kostenlos bekommen.

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Vor einer Herzklappen-OP

Sie leiden unter einem Herzklappenfehler, der mit einer Operation behandelt werden muß.

Warum wird operiert?

Ihr Herzklappenfehler hat ein Ausmaß, das zu einer schweren Überanstrengung des Herzens führt. Bei einigen Menschen ist die Klappe verengt ist und der Herzmuskel muß viel Kraft aufwenden, um das Blut „hindurch zupressen“; bei anderen Menschen ist die Klappe undicht: Ein Teil des Blutes, daß das Herz gerade ausgepumpt hat fließt durch diese undichte Klappe wieder zurück ins Herz und das Herz muß dieses Blut dann ein 2. Mal auspumpen.

In beiden Fällen kommt es zu einer enormen Mehrarbeit des Herzmuskels, der dadurch überlastet wird und Schaden nimmt. Die Operation soll

  • Ihre Beschwerden lindern oder sogar beseitigen,
  • die Gefahr eines dauerhaften und dann später nicht mehr zu reparierenden Herzschadens beseitigen und dadurch
  • Ihr Leben verlängern.

Prinzip der Operation

Bei einer Herzklappenoperation wird der Chirurg in einigen Fällen versuchen können, die Klappe zu reparieren. Wenn dies allerdings nicht möglich ist muß die erkrankte Klappe gegen eine künstliche Klappe ausgetauscht werden. Ob ein Reparaturversuch der Klappe erfolgen wird oder ob eine künstliche Klappe erforderlich ist wird der Chirurg vor der Operation mit Ihnen besprechen.

Er wird ebenfalls mit Ihnen bereden, welche Art der künstlichen Herzklappe er Ihnen einpflanzen soll. Es gibt „biologische“ Klappen, die meistens vom Schwein sind und „künstliche“ Klappen aus Kunststoff und Metall.

Die Kunststoffklappe hat den Nachteil, daß man für den Rest seines Lebens Marcumar zur Blutverdünnung einnehmen muß, um zu verhindern, daß sich an der künstlichen Klappe Blutgerinnsel bilden, die die Klappe zerstören. Der Vorteil einer solchen Kunstklappe ist aber, daß sie ein Leben lang hält.

Die biologische Klappe hingegen erfordert meistens kein Marcumar (es sei denn, daß Sie Marcumar aus anderen Gründen (z.B. wegen einer Herzrhythmusstörung benötigen), ihr Nachteil ist aber, daß sie etwa 12 – 15 Jahr lang hält, danach „verschlissen“ ist und in einer erneuten Operation wieder ausgetauscht werden muß.

Überlegen Sie schon der Aufnahme ins Krankenhaus, welche dieser beiden Klappentypen Sie lieber hätten und lassen Sie sich auf jeden Fall vor der Operation von Ihrem Herzchirurgen beraten.

In einigen Fällen wird man auch Bypass-Gefäße anlegen müssen, um eine Erkrankung der Herzkranzgefäße zu behandeln. Diese Bypass-Operation wird natürlich im Rahmen der Herzklappen-Operation „im gleichen Aufwasch“ mit erledigt werden.

Man kann heute Herzklappen auch ohne Operation, sondern mit speziellen Katheterverfahren „reparieren“. An der Aortenklappe heißt das Verfahren „TAVI“, an der Mitralklappe „MitraClip®“.

Beim TAVI-Verfahren (TAVI = transarterielle Klappen- (=valve) Implantation) wird von der Leiste aus (oder wenn dies wegen des Zustandes der Bein- und Beckenarterien nicht möglich ist: Direkt über die Brustwand in Höhe der Herzspitze)) ein sehr dicker Katheter in die Aortenklappe eingeführt, die stark verengte Klappe mit einem Ballon „gesprengt“ und in gleichem Atemzug eine biologische Klappe implantiert. Das Verfahren ist relativ neu und wurde eigentlich dafür entwickelt, daß auch solchen (meistens älteren) Menschen geholfen werden konnte, bei denen eine Operation am offenen Herzen zu gefährlich war. Man hat in letzter Zeit mit der fortschreitenden Entwicklung modernerer Materialien aber auch Menschen behandelt, bei denen eine Operation durchaus möglich gewesen wäre. Nachdem man auch bei solchen Menschen gute Behandlungsergebnisse gefunden hat wird die TAVI-Prozedur heute nicht nur bei inoperablen Patienten durchgeführt, sondern auch bei jüngeren und nicht so schwer kranken Menschen erwogen. Es klingt auf den 1. Blick sehr erfreulich, sich nicht mehr einer Herzoperation mit Eröffnung des Brustkorbes und Einsatz der Herz-Lungen-Maschine, sondern „nur“ mit einem Katheter behandeln zu lassen. Aber: Auch das TAVI-Verfahren hat Hasenfüsse (z.B. erhebliche Probleme in der Leiste an der Stelle der Kathetereinführung oder die Notwendigkeit zur Schrittmacher-Implantation) und auch bei TAVI-Behandlungen gibt es Todesfälle. Daher rate ich Ihnen, sich vor Ihrer Zustimmung zum TAVI-Verfahren immer die 2. Meinung eines anderen erfahren Kardiologen zu holen (z.B. Ihr niedergelassener Kardiologe) und Ihre Zustimmung erst nachher zu geben. TAVIs werden heute von einigen technisch orientierten Kardiologen nahezu inflationär angewendet.

Beim MitraClip®-Verfahren wird versucht, eine undichte Mitralklappe mit Hilfe von feinen Klammern abzudichten. Diese Klammern werden ebenfalls mit speziellen Herzkathetern eingesetzt. In der Regel ist eine mit diesem Verfahren behandelte Mitralklappe nachher nie vollständig dicht, sondern man vermindert das ausmaß der Klappenundichtigkeit lediglich. Auch das MitraClip®-Verfahren ist heute keinesfalls eine routinemäßige Alternative zum konventionellen Ersatz der Klappe durch eine „künstliche“ oder biologische) Prothese, sondern allenfalls eine Möglichkeit zur Behandlung in sehr speziellen Fällen. Tun Sie sich auch hier den Gefallen und stimmen Sie einer solchen Behandlung nicht sofort und auf der Stelle zu (so „schön“, problemlos und routinemäßig Ihnen dieses Verfahren auch beschrieben werden wird), sondern besprechen Sie die Behandlung mit einem 2. Kardiologen und machen sich dann Ihre eigene Meinung.

Wann werden Sie operiert?

Nachdem Sie zur Operation angemeldet wurden  werden Sie aus der Operationsklinik rechtzeitig einen Brief bekommen, in dem Sie über den Aufnahmezeitpunkt in der Klinik informiert werden. Bringen Sie neben einigen persönlichen Dingen (Schlaf-, Trainingsanzug, Waschzeug, Zahnbürste, Unterwäsche, Pantoffeln) eine Krankenhauseinweisung Ihres Hausarztes oder Kardiologen mit. Diese Krankenhauseinweisung sollten Sie zuvor von Ihrer Krankenkasse „abgestempelt“ haben. Notieren Sie sich auch zur Aufnahme im Krankenhaus, welche Ihre Rentenversicherungsanstalt (BfA, LVA, private Kasse) ist und wie Ihre Versicherungsnummer lautet; Sie benötigen diese Informationen für die Organisation der Anschlußheilbehandlung (siehe unten).

Vor der Operation

Vor der Operation werden einige einfache Untersuchungen (Blutuntersuchungen, Röntgen des Herzens und der Lungen), EKG und vielleicht auch eine Ultraschalluntersuchung des Herzens durchgeführt; eine Herzkatheteruntersuchung wird auf keinen Fall noch einmal durchgeführt.

Nach der Operation

Sie werden in der Nacht nach der Operation auf der Intensivstation liegen. In dieser Nacht werden Sie keine Schmerzen haben. In der Regel kommen Sie schon am folgenden Tag auf eine normale Station, wo Sie sich etwa 8 Tage lang erholen können, bevor Sie wieder entlassen, auf Wunsch in Ihr Heimatkrankenhaus oder in die Reha-Klinik verlegt werden.

Nach der Entlassung

Aus dem Krankenhaus werden Sie entweder nach Hause oder in eine Reha-Klinik entlassen.

In solchen Reha-Kliniken wird die sogenannte Anschlußheilbehandlung durchgeführt.

Die Kliniken, in denen Anschlußheilbehandlungen (AHB) durchgeführt werden sind darauf eingestellt, Sie möglichst schnell wieder „fit zu bekommen“. Kurz vor der Operation werden Sie im Krankenhaus Besuch von einem Sozialarbeiter bekommen, der sich um diese Nachbehandlung kümmern wird.

Die AHB ist keinesfalls Pflicht; ich rate Ihnen aber, sich noch vor der Operation zu einer solchen Behandlung anmelden zu lassen. Sollten Sie 1 Woche nach der Operation schon selber genügend Kräfte gesammelt haben oder einen weiteren Aufenthalt in einer Klinik nicht wünschen melden Sie sich einfach wieder ab! In einer ausführlichen Broschüre über die Operation (siehe unten) wird auf das Thema „ambulante oder stationäre Anschlußheilbehandlung“ genauer eingegangen.

Nach der Krankenhausbehandlung

Wenn Sie die Operation und evtl. auch die Anschlußheilbehandlung glücklich überstanden haben werden etwa 8 Wochen vergangen sein. Sie werden sich nach dieser Zeit eigentlich schon wieder sehr gut und körperlich gut leistungsfähig fühlen. In aller Regel können Sie nach diesen 8 Wochen und nach Ihrer Rückkehr nach Hause auch wieder normal leben und arbeiten. Sie werden in aller Regel keine Herzschmerzen, keine Luftnot und auch keine Schmerzen an den Operationswunden haben, wobei es  trotzdem 1 Jahr dauern kann, bis Sie die Operation wieder vollkommen „aus den Knochen haben“. Auch auf Ihre Gefühle und Empfindungen nach der Operation geht die ausführliche Broschüre sehr viel detaillierter ein. Ansonsten schlage ich vor:

  • Lassen Sie sich regelmäßig von Ihrem Hausarzt und Kardiologen untersuchen und betreuen. Beide kontrollieren in regelmäßigen Abständen den Zustand Ihrer neuen Herzklappe mit EKG und Ultraschalluntersuchung.
  • Nehmen Sie die Medikamente, die Ihr Hausarzt und Kardiologe Ihnen verschreiben gewissenhaft ein, auch wenn es Ihnen gut geht. Die meisten Medikamente, die Sie einnehmen sollten dienen nicht dazu, damit es Ihnen noch besser geht, sondern dazu, daß es Ihnen möglichst lange so gut geht wie direkt nach der Operation.

Wenn Sie sich noch genauer über eine Herzklappen-Operation informieren möchten:

Lesen Sie die ausführliche Broschüre, die Sie sich aus dem Internet herunter laden können. In dieser Broschüre wird auf die oben nur angedeuteten Themen sehr viel ausführlicher eingegangen und es werden zahlreiche Fragen beantwortet.

Die Internet-Broschüre erhalten Sie kostenlos, wenn Sie die folgende Internet-Adresse wählen:

www.meinherzdeinherz.info.

Hier erhalten Sie auch weitere Broschüren über andere Krankheiten, Untersuchungen und Behandlungen des Herzens.

Marcumar

Marcumar® ist ein Medikament zur Hemmung der Blutgerinnung. Man bezeichnet solche Medikamente auch oft als „Blutverdünner“, was aber streng genommen nicht zutrifft, denn das Blut wird nicht verdünnt, sondern nur in seiner Fähigkeit zur Gerinnung beeinflußt.

Welche Medikamente benutzt man zur Blutverdünnung?

Das Medikament, das am häufigsten angewendet wird heißt Marcumar®. Es wird als Tablette eingenommen. Es gibt andere Medikamente, mit denen man die Blutgerinnung ebenfalls hemmen kann, wie etwa Heparin. Dieses Medikament kann aber nur als Injektion oder Infusion gegeben werden und ist daher für den täglichen Gebrauch im Rahmen einer lebenslangen Behandlung nicht geeignet.Auch sind in den vergangenen Jahren andere Medikamente wie Xarelto®, Pradaxa® oder Eliquis® erfunden worden, mit denen man die Blutgerinnung ebenfalls sehr wirkungsvoll beeinflussen kann. Diese „neuen“ Medikamente nennt man NOAKs (Abkürzung für „Neue orale Antikoagulantien“).

Aspirin® bzw. ASS ist keine Alternative, denn es wirkt nur auf eine ganz spezielle Komponente der Blutgerinnung, nämlich auf die Blutplättchen. Für viele Krankheiten ist eine solche Beeinflussung der Blutplättchen ausreichend, für viele aber auch nicht. Der Arzt wird immer genau zu unterscheiden haben, ob Medikamente wie Aspirin® ausreichend oder ob doch mit Marcumar® behandelt werden muss.

Warum nimmt man Marcumar® ein?

Die häufigsten Gründe, Marcumar® einzunehmen sind:

  • bestimmte Herzrhythmusstörungen (Vorkammerflimmern oder -flattern
  • tiefe Beinvenenthrombose
  • Lungenarterienembolie
  • künstliche Herzklappenprothesen
  • Menschen nach einem Herzinfarkt, bei denen sich eine Aussackung der Herzkammer (sog. „Aneurysma“) gebildet hat
  • Schlaganfall, wenn er durch ein verschlepptes Blutgerinnsel entstanden ist
  • Nach bestimmten Operationen mit hohem Risiko für die Entstehung von Blutgerinnseln, z.B. große orthopädische Operationen.

Wie wirkt Marcumar®?

Die Blutgerinnung funktioniert durch das Zusammenwirken zahlreicher chemischer Substanzen, von denen viele in der Leber unter Zuhilfenahme von Vitamin K gebildet werden. Marcumar® ist nun ein Medikament, das den Einbau von Vitamin K in einige Blutgerinnungsfaktoren verhindert. Die Folge ist, dass diese Gerinnungsfaktoren nicht mehr hergestellt werden können und daß das Blut nicht mehr gerinnbar ist.

Wie wird die Wirkung des Marcumar® überwacht und welche Dosis muss man einnehmen?

Um zu überprüfen, ob man zuviel oder zuwenig Marcumar® eingenommen hat muss man bestimmte Blutuntersuchung durchführen. Die Werte, die das Ausmaß der Blutgerinnung ausdrücken nennt man INR-Wert (alte Bezeichnung: „Quickwert“).

Der INR-Wert ist für die Steuerung einer Marcumar®-Therapie von größter Bedeutung. Ist der INR-Wert zu hoch, d.h. ist die Blutgerinnung zu stark gehemmt kann dies zu schweren inneren Blutungen führen, ist die Blutgerinnung zu gering gehemmt kann das Marcumar® die Entstehung von Gerinnseln nicht verhindern.

Viele Faktoren beeinflussen die Höhe des INR-Wertes: Ihre Eßgewohnheiten, eine Diät, andere Medikamente, die Sie einnehmen müssen oder eine neu aufgetretene Krankheit (z.B. Erkältungskrankheit). Manchmal müssen Sie auch unter bestimmten Bedingungen die Marcumar®-Behandlung unterbrechen, beispielsweise, wenn Sie operiert werden müssen. Daher ist es großer Bedeutung, dass Sie Ihren INR-Wert regelmäßig bestimmen lassen.

Wenn jemand mit der Marcumar®-Therapie beginnt ist die Blutgerinnung zunächst noch normal aktiv. Daher beginnt man zunächst mit einer relativ hohen Marcumar®-Dosis und vermindert diese im Verlaufe der nächsten Tage, bis der therapeutische INR-Bereich erreicht wird. Man nennt diese Phase der Behandlung „Einstellungsphase“; sie dauert meistens etwa 1 Woche.

Wenn der therapeutische Bereich erreicht ist und Sie zum ersten Mal einen ausreichend erhöhten INR-Spiegel beginnt die Phase der sog. „Erhaltungstherapie“. In dieser Phase bekommen Sie nur soviel Marcumar® wie Sie benötigen, um Ihren einmal eingestellten Wert beizubehalten. Diese Erhaltungsphase dauert so lange, wie Sie Marcumar® einnehmen müssen, also evtl. lebenslang.

Ganz allgemein kann man sagen, dass der INR-Wert während der Einstellungsphase alle 2 – 3 Tage kontrolliert werden muß. Wie oft der Wert in der Erhaltungsphase, also während der Dauertherapie gemessen werden muss hängt davon ab, wie gleichmäßig die Werte bei Ihnen sind oder ob Ihr persönlicher INR-Wert zu starken Schwankungen neigt. Längere Messintervalle als 1mal alle 2 Wochen würde ich aber auch den stabilsten Patienten nicht raten: Wenn der INR-Wert zu stark ansteigt verursacht dies keine Schmerzen oder andere Symptome, die Sie darauf aufmerksam machen und Sie befinden sich dennoch in Lebensgefahr, weil Ihr Blut „zu dünn“ ist und die Gefahr innerer Blutungen droht; auch ein zu niedriger INR-Wert verursacht keine Symptome und dennoch kann ein Zustand vorliegen, in dem Sie vor dem Auftreten von Gerinnseln nicht geschützt sind.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Marcumar® kann mit vielen anderen Medikamenten oder Naturheilmitteln reagieren, wobei die Wirkung des Marcumar® manchmal gefährlich abgeschwächt oder verstärkt wird. Man muß dies wissen und bei einem Wechsel der gewohnten Medikamente oder bei neu eingenommenen Medikamenten (vor allem Antibiotika) seinen INR-Wert häufiger kontrollieren lassen.

Ernährung, Diät und Marcumar®

Weil Marcumar die Wirkung des Vitamin K blockiert, dieses Vitamin aber in vielen Nahrungsmitteln enthalten ist können viele Lebensmittel (die ja z.T. Vitamin K enthalten) den INR-Wert und damit die Wirkung des Marcumar® verändern.

Nebenwirkungen des Marcumar®

Achten Sie auf

  • Nasenbluten
  • Zahnfleischbluten beim Zähneputzen
  • Erbrechen von Blut
  • Blut im Urin oder im Stuhl
  • Unerwartete Blutergüsse unter der Haut
  • Kleine Hautverletzungen, die länger bluten
  • Bei Frauen eine ungewöhnlich lange oder heftige Regelblutung oder Blutungen aus der Scheide außerhalb Ihrer Periode
  • Kopfschmerzen, besonders in Verbindung mit Schwäche, Müdigkeit oder Schwindel
  • Ohne Erklärung auftretende Schmerzen oder Schwellungen an irgendwelchen Körperstellen

Wenn Sie mehr über Marcumar®, seine Geschichte, Wirkung, Nebenwirkungen und Gefahren, über Lebensmittel und deren Vitamin K-Gehalt, über die Gründe schwankender Quick- bzw. INR-Werte, über Quick- und INR-Werte und deren Kontrolle und über die INR-Selbstkontrolle wissen möchten:

Besorgen Sie sich eine ausführliche Broschüre, die Sie aus dem Internet herunter laden können. In dieser Broschüre wird auf die oben nur angedeuteten Themen sehr viel ausführlicher eingegangen und es werden zahlreiche Fragen beantwortet. Sie erhalten Sie im Internet unter der Adresse:

www.meinherzdeinherz.info

unter der Rubrik „Wissen“ und „Behandlungen“.