Nach einer Herzklappen-OP

Sie haben eine neue Herzklappe bekommen. Dies ist notwendig gewesen, weil Sie Ihr „alte“ Herzklappe defekt war, nicht mehr richtig gearbeitet hat, Ihr Herz geschwächt oder die kräftige Arbeitsweise Ihres Herzens bedroht hat.

In diesem Merkblatt möchte ich Sie kurz über das „Leben nach einer solchen Operation“ informieren.

WAS IST BEI DER OPERATION GESCHEHEN?

Bei der Herzklappen-Operation hat der Chirurg Ihre alte defekte Herzklappe entfernt und gegen eine „neue“ Klappe ausgetauscht. Dabei hat er entweder eine „Bioprothese“ oder eine künstliche Herzklappe benutzt.

„Bioprothesen“ sind Herzklappen, die eigentlich vom Schwein stammen. Diese Schweineklappe ist derartig umgebaut worden, daß sie der Funktion der menschlichen Klappe sehr stark ähnelt und eigentlich wie eine natürliche Herzklappe des Menschen funktioniert.

Die „künstliche Herzklappe“ hingegen stammt aus der Fabrik. Sie besteht aus Stahl, Stoff und Kunststoff. Die meisten heute verwendeten Kunstklappen arbeiten wie eine Tür mit 2 Flügeln (siehe Abbildung, die Sie im Internet auf der Website sehen können).

WELCHE UNTERSCHIEDE GIBT ES ZWISCHEN DIESEN KLAPPEN?

Beide Klappentypen unterscheiden sich nicht in ihrer Funktion: Sie ersetzen die Arbeit Ihrer natürlichen Herzklappe mehr oder weniger perfekt, dennoch gibt es Unterschiede:

Die künstliche Herzklappe besteht aus Materialien, die der Körper eines Menschen als Fremdkörper empfindet. Daher kann es an diesen Klappen Blutgerinnsel bilden, die den Mechanismus der Klappe zerstören können. Um solche Gerinnselbildungen zu verhindern muß man als Träger einer künstlichen Herzklappe lebenslang ein Medikament zur Blutverdünnung (Marcumar®) einnehmen, Aspirin, ASS oder die „neuen Blutverdünner“ (z.B. Xarelto®, Pradaxa® o.ä.)  sind hier nicht ausreichend und sogar gefährlich.

Diesem Nachteil steht als Vorteil gegenüber, daß eine künstliche Herzklappe ewig hält, d.h. sie verschleißt nicht.

Die Bioprothese hingegen wird vom Körper nicht als fremdes Gewebe erkannt (weil das Schwein in vieler Hinsicht große Ähnlichkeit mit dem Menschen hat – pardon!). Aus diesem Grund entstehen an diesen Klappentypen keine Blutgerinnsel und es ist nicht erforderlich, Marcumar® einzunehmen; jedenfalls solange nicht, wie keine Herzrhythmusstörung namens „Vorhofflimmern“ vorliegt.

Dem Vorteil, kein Marcumar einnehmen zu müssen steht aber der Nachteil gegenüber, daß Bioprothesen nach etwa (10 -) 15 Jahren verschlissen sind und dann durch eine erneute Operation ausgetauscht werden müssen.

WAS MUSS ICH NACH DER OPERATION BEACHTEN?

Zunächst einmal:

Sie sind operiert worden, damit Sie wieder ein weitest gehend normales Leben führen können. Es wird nicht notwendig sein, daß Sie die Klappe schonen müssen (z.B. damit sie länger hält). Alle Klappenprothesen sind sehr solide und stabil gebaut, körperliche Anstrengung vertragen sie ohne Schaden zu nehmen.

Es ist gut möglich, daß Ihr Herzmuskel vor der Operation durch den Herzklappenfehler, den Sie ja immerhin viele Jahre lang hatten geschwächt worden ist (= Herzschwäche = Herzinsuffizienz (siehe auch, wenn Sie hier klicken)).

Diese Herzschwäche wird sich in den Monaten und Jahren nach der Operation wahrscheinlich wieder langsam verbessern. Manchmal verbessert sie sich aber auch nicht, das hängt davon ab, welchen Schaden der Herzmuskel vor der Operation genommen hatte. Ihr Kardiologe wird diese Veränderungen Ihrer Herzkraft in den regelmäßig stattfindenden Untersuchungen Ihres Herzens verfolgen. Dabei wird er Ihnen nach den regelmäßigen Untersuchungen auch sagen, in welchem Umfang und mit welcher Intensität Sie sich körperlich belasten können oder ob Sie sich noch schonen müssen.

In einigen Fällen werden Sie auch nach der Operation eine Herzrhythmusstörung namens „Vorhofflimmern“ haben.

Diese Rhythmusstörung hat in der Regel nichts mit der Operation und auch nicht unbedingt etwas mit dem Herzklappenfehler zu tun, dessentwegen Sie ja operiert worden sind. Vorhofflimmern ist eine sehr häufig auftretende Herzrhythmusstörung, die auch Menschen betreffen kann, die keinen Herzklappenfehler, keine Herzoperation und keine Herzschwäche haben. Sie werden mit dieser Herzrhythmusstörung gut leben können und Sie werden sie wahrscheinlich garnicht bemerken. Dennoch muß der Arzt nach dieser Herzrhythmusstörung suchen, denn unabhängig von der Art der bei Ihnen implantierten Herzklappenprothese bedeutet Vorhofflimmern die erhöhte Gefahr für die Bildung von Blutgerinnseln im Herzen und an der künstlichen Herzklappe. Daher müssen auch Menschen mit Bioprothesen immer dann Marcumar® einnehmen, wenn Vorhofflimmern auch schon vor der Operation vorlag, es aber durch die Operation nicht beseitigt werden konnte oder wenn diese Herzrhythmusstörung nach der Operation auftritt.

Vielleicht ist Ihnen bei der Herzoperation nicht nur eine neue Herzklappe eingepflanzt worden, sondern möglicherweise haben Sie auch Bypass-Gefäße bekommen müssen, um verengte Herzkranzarterien zu behandeln. Lesen Sie hierzu die speziellen Informationen über eine Bypass-OP, wenn Sie hier klicken.

Bitte beachten Sie nach Ihrer Klappenoperation die folgenden Dinge:

  • Ernähren Sie sich gesund, d.h. essen Sie viel Gemüse und Obst und meiden Sie Fett und zuckerhaltige Speisen oder Getränke. Auch ein Gläschen Wein kann nicht schaden. Denken Sie aber daran, daß Ihre Ernährung Einfluß nehmen kann, wie das Marcumar®, das Sie vielleicht einnehmen müssen wirkt. Lesen Sie hierzu die Marcumar®-Informationen.
  • Bewegen Sie sich regelmäßig. Es muß kein spezieller Sport sein. Es reicht, wenn Sie jeden Tag vielleicht 15 Minuten spazieren gehen (zügig, aber nicht rennen!), wenn Sie zum Einkaufen nicht mehr mit dem Auto fahren, sondern zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad fahren; benutzen Sie die Treppe und nicht den Lift!
  • Nehmen Sie die Medikamente, die Ihnen Ihr Hausarzt oder Kardiologe verschreiben gewissenhaft und nach Vorschrift ein. Sie bekommen diese Medikamente nämlich nicht, damit es Ihnen besser geht (meistens geht es Ihnen nach der Operation nämlich auch ohne Medikamente sehr gut). Sie sollen vielmehr dafür sorgen, daß der Zustand Ihres Herzens auch auf Dauer so gut bleiben, wie er unmittelbar nach der Operation ist. Mit anderen Worten: Die Medikamente, die Sie auch nach der Operation einnehmen müssen sollen Ihnen helfen, lange und gut zu leben!
  • Nehmen Sie das Angebot Ihrer Krankenkasse und Ihrer Ärzte wahr und lassen Sie sich regelmäßig untersuchen:

NACHUNTERSUCHUNGEN

Nachuntersuchungen sind wichtig. Sie sollen klären, ob die neue Herzklappe gut funktioniert, ob die Bioprothese, die Sie evtl. bekommen haben noch nicht verschlissen ist und wie sich Ihr Herzmuskel entwickelt.

Bei diesen Untersuchungen werden einmal jährlich EKG, Belastungs-EKG und auch eine Ultraschalluntersuchung des Herzens durchgeführt werden. Am wichtigsten sind aber (wie bei allen Arztbesuchen!) das Gespräch, das der Arzt mit Ihnen führt und in dem er z.B. nach Ihren Beschwerden fragt und eine körperliche Untersuchung (!).

WANN MUß ICH WIEDER ZUM ARZT?

Ihr Kardiologe oder Hausarzt wird Ihnen am Ende der aktuellen Untersuchungen sagen, wann Sie zur nächsten Kontrolle kommen sollten. Bringen Sie zu diesen Terminen immer Ihre letzten Blutwerte und Ihre Medikamente mit!

Besprechen Sie sich auch mit Ihrem Hausarzt, wie oft er Sie nach der Operation sehen möchte, beispielsweise um den Quickwert (bei Marcumar®-Patienten) zu messen, bestimmte spezielle Blutwerte und Ihre Risikofaktoren zu überprüfen und nach evtl. Nebenwirkungen der Medikamente zu suchen.

WELCHE MEDIKAMENTE MUß ICH EINNEHMEN?

Es gibt hier keine pauschale Empfehlung, denn jeder „Herzklappen-Patient“ ist anders. Damit Sie nichts vergessen benutzen Sie einen Medikamentenzettel und lassen Sie den Arzt hier Ihre Medikamente eintragen.

 

Wenn Sie sich genauer über Ihre Herzkrankheit informieren möchten: Besuchen Sie uns im Internet unter www.meinherzdeinherz.info und sehen Sie in dem Kapitel „Wissen“ nach weiteren Informationen, die Sie hier kostenlos bekommen.

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Herzrhythmusstörungen

WAS SIND HERZRHYTHMUSSTÖRUNGEN UND WAS MERKT MAN DAVON?

Herzrhythmusstörungen sind Unregelmäßigkeiten des Herzschlages:

Normalerweise schlägt ein Herz regelmäßig und im Takt. Jedes Herz macht hier aber manchmal einen kleinen Fehler, indem es ein wenig unregelmäßig schlägt, so ähnlich wie der Motor eines Autos, das ja auch schon einmal eine Fehlzündung macht.

Solche Unregelmäßigkeiten des Herzschlages nennt man „Herzrhythmusstörungen“. Jeder Mensch, ob er nun gesund oder krank ist hat solche Herzrhythmusstörungen und wenn man beispielsweise mit einem Langzeit-EKG die Herzen gesunder Menschen untersucht dann wird man bei jedermann (!) solche Stolperschläge finden, Perfektion gibt es eben in der Natur nicht.

Einige Menschen bemerken diese Stolperschläge in Form von „Herzklopfen“, die meisten Menschen bemerken aber garnichts. Erst wenn man die Aufmerksamkeit dieser Menschen weckt oder wenn sie darauf achten wird man die Herzrhythmusstörungen spüren. Die meisten Menschen spüren ihre Stolperschläge abends, wenn sie im Bett liegen. Dann ist es nämlich ruhig und man kann das Herz klopfen hören; dabei fallen dann Unregelmäßigkeiten schnell auf und machen den Betroffenen nervös und ängstlich.

Wenn man bei solchen Menschen ein Langzeit-EKG schreiben würde wird man auch tagsüber Stolperschläge finden, die man aber in der Hektik des Tages nicht verspürt! Denn: Stolpern tut jedes Herz!

SIND HERZRHYTHMUSSTÖRUNGEN GEFÄHRLICH?

Ja und nein.

Leider hat der Betroffene keine Möglichkeit, um festzustellen, ob das Herzstolpern harmlos oder gefährlich ist. Diese Frage hängt nämlich von einigen Dingen ab:

  • Ist das Herz organisch gesund oder nicht? Faustregel: Herzrhythmusstörungen, die ein gesundes Herz betref- fen (also ein Herz, dessen Muskel, dessen Herzklappen und dessen Durchblutung gesund ist) sind in der Regel harmlos, ist das Herz aber organisch krank können dieselben Herz- rhythmusstörungen gefährlich sein.
  • Welche Herzrhythmusstörung liegt vor? Stammen die Stolperschläge aus den Vor- oder den Hauptkammern? Faustregel: Stolperschläge aus den Vorkammern sind meistens harmlos, Schläge aus den Kammer möglicherweise gefährlich.
  • Handelt es sich um einzelne Stolperschläge oder um viele, die unter anderem auch direkt aufeinander folgen? Faustregel: Einzelne Stolperschläge sind harmlos, unmittelbar aufeinander Folgende möglicherweise gefährlich.

Einfache Faustregel: Die harmlosen Rhythmusstörungen sind oft völlig harmlos und von den Gefährlichen bemerkt man vorher nichts.

WIE WERDEN HERZRHYTHMUSSTÖRUNGEN UNTERSUCHT ?

Die Unterscheidung in „harmlos“ und „gefährlich“ muß der Arzt vornehmen. Er sucht dazu danach, ob das Herz an sich krank oder gesund ist. Hierzu werden meistens Untersuchungen wie ein einfaches EKG, ein Belastungs-EKG, eine Ultraschalluntersuchung des Herzens und machmal Blutuntersuchungen notwendig sein. Manchmal wird es auch notwendig sein, ausführlichere Untersuchungen wie Langzeit-EKG, Myokardszintigraphie, Streß-Echokardiographie oder eine Herzkatheteruntersuchung durchzuführen.

Welche Untersuchung nötig ist kann man im Voraus nicht sagen, denn dies hängt stark von den individuellen Gegebenheiten jedes einzelnen Menschen ab.

Am Ende solcher Untersuchungen steht dann die Feststellung, ob die Herzrhythmusstörungen gefährlich sind oder nicht. Als nächstes geht es dann um die Frage, ob man behan- deln soll oder muß:

WIE WERDEN HERZRHYTHMUSSTÖRUNGEN BEHANDELT?

Wenn nach Abschluß der Untersuchungen gefährliche Herzrhythmusstörungen festgestellt wurden dann muß man diese behandeln und zwar unabhängig davon, ob der Betroffene sie verspürt oder nicht. Eine solche Behandlung kann mit bestimmten Medikamenten (sog. Antiarrhythmika oder Rhythmusmedikamenten) erfolgen, sie kann aber auch die Implantation spezieller Herzschrittmacher, implantierbarer Elektroschockgeräte oder bestimmten Behandlungen mittels Herzkatheter erforderlich machen. Welche Behandlung am besten geeignet wird wird von der Art Ihrer speziellen Herzrhythmusstörung abhängig; der Arzt wird dies ausführlich mit Ihnen besprechen.

Sind die Herzrhythmusstörungen jedoch als harmlos eingestuft worden so wird die Frage, ob man behandelt oder nicht von Ihnen selber abhängen:

Die Behandlung solcher Herzrhythmusstörungen erfordert nämlich die dauerhafte Einnahme bestimmter Medikamente, der sog. ß-Blocker. Diese Medikamente beseitigen die Stolperschläge nicht, sondern unterdrücken sie nur. Das bedeutet mit anderen Worten: Solange Sie diese Medikamente einnehmen werden die Rhythmusstörungen unterdrückt, unterbrechen Sie die Medikamenteneinnahme werden sie wieder auftreten.

Die betroffenen Menschen stehen somit vor einer oft schwierigen Wahl: Sollen sie lebenslang Medikamente einnehmen, nur um harmlose Rhythmusstörungen zu unterdrücken oder sollen sie die Medikamente nicht einnehmen, dafür aber Herzstolpern verspüren, von dem sie allerdings wissen, daß es harmlos ist.

Diese Entscheidung kann Ihnen niemand abnehmen, auch Ihr Arzt nicht, denn sie hängt davon ab, wie stark sie unter dem Herzklopfen leiden. Nach meiner Erfahrung sagen die meisten Menschen mit solchen harmlosen Herzrhythmusstörungen, daß sie die Medikamente nicht jahrelang einnehmen möchten, nur um harmloses Herzstolpern zu unterdrücken. Ich selber (Dr. Lauber) beispielsweise bekomme meine Herzstolperschläge fast jeden Abend zwischen 21:00 und 23:00 Uhr und nehme keine Medikamente dagegen ein, weil ich mir sage, daß es sich nicht lohnt, für solche Harmlosigkeiten ß-Blocker einzunehmen und daß ich doch eigentlich schon längst tot wäre, wenn es sich um gefährliche Rhythmusstörungen handeln würde (und ich lebe noch immer!).

Also: Besprechen Sie mit Ihrem Hausarzt oder Ihrem Kardiologen, ob eine Medikamentenbehandlung sein muß oder nicht. Und wenn es nicht sein muß: Überlegen Sie es sich selber, ob Sie Medikamente haben möchten oder nicht.

Nur als kleine Ergänzung: Es macht in den allermeisten Fällen keinen Sinn, die Medikamente nur dann einzunehmen, wenn Sie Herzstolpern bemerken, denn die Stolperschläge sind längst wieder von selber verschwunden, bevor das Medikament aus dem Magen ins Blut gekommen ist.

WAS MÜSSEN SIE BEACHTEN?

  1. Herzrhythmusstörungen kann man nur dann im EKG sehen, wenn sie auftreten. Schon Sekunden, nachdem sie verschwunden sind ist das EKG wieder völlig normal. Wenn Sie oder Ihr Arzt also wissen müssen, welche Art von Herzrhythmusstörung Sie haben wird man entweder ein 24-Stunden-Langzeit-EKG schreiben müssen oder Sie müssen sofort zu einem Arzt oder (am Wochenende oder nachts) in ein Krankenhaus gehen, damit dort sofort (!) ein EKG geschrieben werden kann.
  2. Unabhängig davon, welche Ergebnisse die Untersuchungen Ihres Arztes oder Kardiologen gehabt haben: Wenn Sie plötzlich ohne erkennbaren Grund schwindelig werden: Suchen Sie Ihren Hausarzt oder Kardiologen bei der allernächsten Gelegenheit auf. Wenn Sie sogar ohnmächtig werden, wenn Herzstolpern im Zusammenhang mit Anfällen von Herzschmerzen oder Luftnot auftreten: Rufen Sie den Notarzt der Feuerwehr (Tel.: 112), denn in diesen Fällen können wirklich bedrohliche und gefährliche Herzrhythmusstörungen vorliegen, die unbedingt weiter abgeklärt und untersucht werden müssen!

Wenn Sie sich genauer über Herzrhythmusstörungen, andere Herzkrankheiten oder Untersuchungsmethoden informieren möchten besuchen Sie uns auch im Internet unter www.meinherzdeinherz.info und wählen Sie hier die Rubrik „Wissen“, wo viele Informationsmaterialien für Sie bereit stehen.

Herzklappenfehler

WAS SIND HERZKLAPPENFEHLER?

Herzklappen sind Ventile, die dafür sorgen, daß das Blut immer in der richtigen Richtung in das Herz hineinfließt und es wieder verläßt. Am Ein- und am Ausgang jeder Hauptkammer gibt es eine Herzklappe, die dafür zu sorgen haben, daß das Blut nur aus 1 Richtung in die Kammer einfließen und auch nur in 1 Richtung ausgepumpt werden kann. Weil das Herz aus einem rechten und einem linken Teil besteht und jede Herzseite 1 Hauptkammer hat gibt es insgesamt 4 Herzklappen. Man nennt sie Aorten-, Mitral-, Tri- cuspidal- und Pulmonalklappe.

WIE KÖNNEN HERZKLAPPEN ERKRANKEN?

Herzklappen können auf 2 Arten erkranken:

  • Sie können verengt und
  • undicht sein.

In einigen Fällen liegt auch eine Kombination beider Störungen vor, sodaß man hier von einem „kombinierten Herzklappenfehler“ spricht. Verengungen der Klappe nennt man „Stenose“, Undichtigkeiten heißen „Insuffizienz“. Es gibt also beispielsweise eine Aortenklappenstenose (= Verengung der Aortenklappe) und eine Mitralinsuffizienz (= Undichtigkeit der Mitralklappe).

WAS BEMERKT MAN VON HERZKLAPPENFEHLERN?

Klappenfehler bedeuten für den Herzmuskel viel Arbeit: Bei einer Verengung muß er Blut „mit Gewalt“ durch die verengte Herzklappe pressen. Bei starken Undichtigkeiten der Klappen, wenn nämlich Blut durch die undichte Klappe dorthin zurückfließt, woher es gerade gekommen ist, muß der Herzmuskel also einen großen Teil seiner Arbeit dazu aufwenden, das Blut unnötigerweise ein 2. Mal pumpen zu müssen.

Durch diese Arbeitsbelastung kann der Muskel und damit das gesamte Herz ermüden. Der betroffene Mensch verspürt diese Herzmuskelmüdigkeit als Luftnot, denn das Herz kann nun die Organe des Körpers nicht mehr ausreichend mit Blut und damit mit Sauerstoff versorgen. Wenn sich Blut vor einer verengten Herzklappe oder einer ermüdeten Herzkammer anstaut kann es zur Wasseransammlung (Ödem) in Lungen oder den Beinen kommen. Und schließlich können gefährliche Herzrhythmusstörungen auftreten und man kann an bestimm- ten Herzklappenfehlern sogar plötzlich sterben.

Die häufigsten Beschwerden bei Herzklappenfehlern sind Luftnot unter Belastung, Leistungsschwäche, Wasseransammlungen in den Bei- nen, Brustenge oder Schwindelerscheinungen. Nicht jeder Mensch hat alle diese Beschwerden; welche Beschwerden auftreten hängt vielmehr davon ab, welche der 4 Herzklappen undicht oder verengt ist und wie stark dieser Herzklappenfehler ist.

WIE WERDEN HERZKLAPPENFEHLER UNTERSUCHT ?

Herzklappenfehler verursachen in der Regel bestimmte Geräusche. Ein geübter Arzt kann aus deinem solchen Herzgeräusch erkennen, welche Herzklappe erkrankt ist, ob sie verengt oder undicht ist und wie schwerwiegend der Fehler ist. Er wird dann möglicherweise zusätzliche Untersuchungen durchführen, um sich ein genaueres Bild machen zu können und um entscheiden zu können, wie die weitere Behandlung sein sollte.

Zu diesen Untersuchungen gehören neben einem normalen EKG auch ein Röntgenbild. Die wichtigste Untersuchung ist eine Ultraschalluntersuchung (Echokardiographie).

Hierbei kann man nicht nur die Herzklappen sehen, sondern auch feststellen, ob der Herzmuskels kräftig oder schon geschädigt arbeitet. Mit bestimmten Ultraschalltechniken (Farb-DOPPLER und Fluß-DOPPLER) kann man auch die Flußrichtung des Blutes sehen und dadurch Undichtigkeiten der Klappe erkennen und man kann auch die Schwere eines Herzklappenfehlers genau feststellen. Aus der bildlichen Darstellung dieses Blutflusses durch die Herzklappe am Bildschirm kann der Arzt auch recht genaue Aussagen dazu machen, wie schwer der Klappenfehler ist.

Wenn der Klappenfehler nach diesen völlig harmlosen Untersuchungen als geringfügig erkannt wurde sind in der Regel keine weiteren Untersuchungen notwendig, sondern es wird eine medikamentöse Behandlung eingeleitet oder fortgeführt und der Klappenfehler wird in regelmäßigen Abständen kontrolliert.

Ist der Klappenfehler aber hochgradig wird man eine Herzkatheteruntersuchung durchführen müssen.

Bei dieser Untersuchung geht es weniger darum, den Schweregrad des Klappenfehlers festzustellen, sondern vielmehr darum, um nun die Entscheidung treffen zu können, welche die beste der möglichen Behandlungsformen ist:

WIE WERDEN HERZKLAPPENFEHLER BEHANDELT?

Es gibt 2 Behandlungsformen: Die medikamentöse und die chirurgische. Welche dieser beiden Behandlungsformen die beste ist hängt davon ab, wie schwerwiegend der Klappenfehler ist, welche Beschwerden er verursacht, ob er zu Herzrhythmusstörungen oder einer Blutstauung geführt hat, ob der Herzmuskel schon Schaden genommen hat oder ob ein solcher Schaden in absehbarer Zeit eintreten wird.

Die leichten Formen der Herzklappenfehler kann man mit Medikamenten behandeln, die den Herzmuskel entlasten und damit indirekt stärken sollen, die Herzrhythmusstörungen beseitigen oder dämpfen und die evtl. Wasseransammlungen im Körper ausschwemmen sollen.

In den schwerwiegenden Fällen wird man die erkrankte Herzklappe allerdings mit einer Herzklappenoperation austauschen müssen. Bei einer solchen Operation wird die erkrankte Herzklappe entfernt und gegen eine neue Herzklappe ersetzt.

Bei diesen Herzklappen-“Prothesen“ handelt es sich entweder um Klappen „aus der Fabrik“, die aus Kunststoff und Stahl gefertigt werden („Kunstklappe“) oder um sogenannte biologische Herzklappen, die aus einer Herzklappe des Schweins hergestellt werden.

In letzter Zeit werden zunehmend Techniken entwickelt, mit denen man erkrankte Herzklappen auch ohne die Im- plantation künstlicher oder biologischer Klappenprothesen behandeln kann. Dabei kann man Klappen manchmal „reparieren“, wobei dies im Rahmen einer „großen“ Herzoperation, manchmal aber auch mit Kathetertechniken möglich ist.

Und seit neuestem versucht man sogar, eine verengte Aortenklappe durch eine spezielle Herzkathetertechnik ohne eine „große“ Herzoperation auszutauschen. Solche Behandlungsmethoden befinden sich aber zum Teil noch in der Entwicklung und sind noch nicht für jeden Patienten einsetzbar.

Manchmal wird es notwendig sein, daß man wegen des Herzklappenfehlers, ist er nun operiert oder nicht ein Medi- kament mit Namen Marcumar zur Blutverdünnung ein- nehmen muß (Siehe hierzu auch die ausführlichen Informationen und die Broschüre unter www.meinherzdeinherz.info.

WAS MÜSSEN SIE BEACHTEN?

Alle Menschen mit erkrankten Herzklappen sollten sich in regelmäßigen Abständen vom Kardiologen untersuchen und kontrollieren lassen, denn Herzklappenfehler können sich im Laufe der Zeit verschlechtern.

Bei solchen Kontrollen wird der Arzt danach suchen, ob Anzeichen für die gefährlichste Auswirkung der Klappenerkrankung, die Herzmuskelschwäche zu erkennen sind. Es ist daher wichtig, daß Sie sich in bestimmten Abständen, die Ihr Kardiologe Ihnen rät zu solchen Kontrolluntersuchungen melden.

Unabhängig davon, welches Ausmaß der Klappenfehler bislang hatte :

  • Wenn Sie plötzlich ohne erkennbaren Grund schwindelig werden oder wenn sich Luftnot oder Wasseransammlungen in den Beinen einstellen oder sich ver- schlechtern: Suchen Sie Ihren Hausarzt oder Kardiologen bei der allernächsten Gelegenheit auf.
  • Wenn Sie sogar ohnmächtig werden: Rufen Sie den Notarzt der Feuerwehr (Tel.: 112), denn in diesen Fällen kann sich ein bedrohlicher und gefährlicher Klappenfehler entwickelt haben, der unbedingt weiter abgeklärt und untersucht werden muß!

Wenn Sie sich genauer über Herzklappenfehler, eine Marcumarbehandlung, eine Herzklappenoperation oder die ver-schiedenen Untersuchungsmethoden informieren möchten besuchen Sie uns auch im Internet unter www.meinherzdeinherz.info.

Marcumar

Marcumar® ist ein Medikament zur Hemmung der Blutgerinnung. Man bezeichnet solche Medikamente auch oft als „Blutverdünner“, was aber streng genommen nicht zutrifft, denn das Blut wird nicht verdünnt, sondern nur in seiner Fähigkeit zur Gerinnung beeinflußt.

Welche Medikamente benutzt man zur Blutverdünnung?

Das Medikament, das am häufigsten angewendet wird heißt Marcumar®. Es wird als Tablette eingenommen. Es gibt andere Medikamente, mit denen man die Blutgerinnung ebenfalls hemmen kann, wie etwa Heparin. Dieses Medikament kann aber nur als Injektion oder Infusion gegeben werden und ist daher für den täglichen Gebrauch im Rahmen einer lebenslangen Behandlung nicht geeignet.Auch sind in den vergangenen Jahren andere Medikamente wie Xarelto®, Pradaxa® oder Eliquis® erfunden worden, mit denen man die Blutgerinnung ebenfalls sehr wirkungsvoll beeinflussen kann. Diese „neuen“ Medikamente nennt man NOAKs (Abkürzung für „Neue orale Antikoagulantien“).

Aspirin® bzw. ASS ist keine Alternative, denn es wirkt nur auf eine ganz spezielle Komponente der Blutgerinnung, nämlich auf die Blutplättchen. Für viele Krankheiten ist eine solche Beeinflussung der Blutplättchen ausreichend, für viele aber auch nicht. Der Arzt wird immer genau zu unterscheiden haben, ob Medikamente wie Aspirin® ausreichend oder ob doch mit Marcumar® behandelt werden muss.

Warum nimmt man Marcumar® ein?

Die häufigsten Gründe, Marcumar® einzunehmen sind:

  • bestimmte Herzrhythmusstörungen (Vorkammerflimmern oder -flattern
  • tiefe Beinvenenthrombose
  • Lungenarterienembolie
  • künstliche Herzklappenprothesen
  • Menschen nach einem Herzinfarkt, bei denen sich eine Aussackung der Herzkammer (sog. „Aneurysma“) gebildet hat
  • Schlaganfall, wenn er durch ein verschlepptes Blutgerinnsel entstanden ist
  • Nach bestimmten Operationen mit hohem Risiko für die Entstehung von Blutgerinnseln, z.B. große orthopädische Operationen.

Wie wirkt Marcumar®?

Die Blutgerinnung funktioniert durch das Zusammenwirken zahlreicher chemischer Substanzen, von denen viele in der Leber unter Zuhilfenahme von Vitamin K gebildet werden. Marcumar® ist nun ein Medikament, das den Einbau von Vitamin K in einige Blutgerinnungsfaktoren verhindert. Die Folge ist, dass diese Gerinnungsfaktoren nicht mehr hergestellt werden können und daß das Blut nicht mehr gerinnbar ist.

Wie wird die Wirkung des Marcumar® überwacht und welche Dosis muss man einnehmen?

Um zu überprüfen, ob man zuviel oder zuwenig Marcumar® eingenommen hat muss man bestimmte Blutuntersuchung durchführen. Die Werte, die das Ausmaß der Blutgerinnung ausdrücken nennt man INR-Wert (alte Bezeichnung: „Quickwert“).

Der INR-Wert ist für die Steuerung einer Marcumar®-Therapie von größter Bedeutung. Ist der INR-Wert zu hoch, d.h. ist die Blutgerinnung zu stark gehemmt kann dies zu schweren inneren Blutungen führen, ist die Blutgerinnung zu gering gehemmt kann das Marcumar® die Entstehung von Gerinnseln nicht verhindern.

Viele Faktoren beeinflussen die Höhe des INR-Wertes: Ihre Eßgewohnheiten, eine Diät, andere Medikamente, die Sie einnehmen müssen oder eine neu aufgetretene Krankheit (z.B. Erkältungskrankheit). Manchmal müssen Sie auch unter bestimmten Bedingungen die Marcumar®-Behandlung unterbrechen, beispielsweise, wenn Sie operiert werden müssen. Daher ist es großer Bedeutung, dass Sie Ihren INR-Wert regelmäßig bestimmen lassen.

Wenn jemand mit der Marcumar®-Therapie beginnt ist die Blutgerinnung zunächst noch normal aktiv. Daher beginnt man zunächst mit einer relativ hohen Marcumar®-Dosis und vermindert diese im Verlaufe der nächsten Tage, bis der therapeutische INR-Bereich erreicht wird. Man nennt diese Phase der Behandlung „Einstellungsphase“; sie dauert meistens etwa 1 Woche.

Wenn der therapeutische Bereich erreicht ist und Sie zum ersten Mal einen ausreichend erhöhten INR-Spiegel beginnt die Phase der sog. „Erhaltungstherapie“. In dieser Phase bekommen Sie nur soviel Marcumar® wie Sie benötigen, um Ihren einmal eingestellten Wert beizubehalten. Diese Erhaltungsphase dauert so lange, wie Sie Marcumar® einnehmen müssen, also evtl. lebenslang.

Ganz allgemein kann man sagen, dass der INR-Wert während der Einstellungsphase alle 2 – 3 Tage kontrolliert werden muß. Wie oft der Wert in der Erhaltungsphase, also während der Dauertherapie gemessen werden muss hängt davon ab, wie gleichmäßig die Werte bei Ihnen sind oder ob Ihr persönlicher INR-Wert zu starken Schwankungen neigt. Längere Messintervalle als 1mal alle 2 Wochen würde ich aber auch den stabilsten Patienten nicht raten: Wenn der INR-Wert zu stark ansteigt verursacht dies keine Schmerzen oder andere Symptome, die Sie darauf aufmerksam machen und Sie befinden sich dennoch in Lebensgefahr, weil Ihr Blut „zu dünn“ ist und die Gefahr innerer Blutungen droht; auch ein zu niedriger INR-Wert verursacht keine Symptome und dennoch kann ein Zustand vorliegen, in dem Sie vor dem Auftreten von Gerinnseln nicht geschützt sind.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Marcumar® kann mit vielen anderen Medikamenten oder Naturheilmitteln reagieren, wobei die Wirkung des Marcumar® manchmal gefährlich abgeschwächt oder verstärkt wird. Man muß dies wissen und bei einem Wechsel der gewohnten Medikamente oder bei neu eingenommenen Medikamenten (vor allem Antibiotika) seinen INR-Wert häufiger kontrollieren lassen.

Ernährung, Diät und Marcumar®

Weil Marcumar die Wirkung des Vitamin K blockiert, dieses Vitamin aber in vielen Nahrungsmitteln enthalten ist können viele Lebensmittel (die ja z.T. Vitamin K enthalten) den INR-Wert und damit die Wirkung des Marcumar® verändern.

Nebenwirkungen des Marcumar®

Achten Sie auf

  • Nasenbluten
  • Zahnfleischbluten beim Zähneputzen
  • Erbrechen von Blut
  • Blut im Urin oder im Stuhl
  • Unerwartete Blutergüsse unter der Haut
  • Kleine Hautverletzungen, die länger bluten
  • Bei Frauen eine ungewöhnlich lange oder heftige Regelblutung oder Blutungen aus der Scheide außerhalb Ihrer Periode
  • Kopfschmerzen, besonders in Verbindung mit Schwäche, Müdigkeit oder Schwindel
  • Ohne Erklärung auftretende Schmerzen oder Schwellungen an irgendwelchen Körperstellen

Wenn Sie mehr über Marcumar®, seine Geschichte, Wirkung, Nebenwirkungen und Gefahren, über Lebensmittel und deren Vitamin K-Gehalt, über die Gründe schwankender Quick- bzw. INR-Werte, über Quick- und INR-Werte und deren Kontrolle und über die INR-Selbstkontrolle wissen möchten:

Besorgen Sie sich eine ausführliche Broschüre, die Sie aus dem Internet herunter laden können. In dieser Broschüre wird auf die oben nur angedeuteten Themen sehr viel ausführlicher eingegangen und es werden zahlreiche Fragen beantwortet. Sie erhalten Sie im Internet unter der Adresse:

www.meinherzdeinherz.info

unter der Rubrik „Wissen“ und „Behandlungen“.

Herzstolpern

Was ist Herzstolpern?

In aller Regel denken Sie daran, daß Ihr Herzstolpern der Ausdruck von Herzrhythmusstörungen, d.h. von Unregelmäßigkeiten des Herzschlages ist. Aus diesem Grund ist es wichtig, daß Sie Ihr Herz genau untersuchen lassen. Oft werden diese Untersuchungen abgeschlossen abgeschlossen, ohne daß eine Erklärung für Ihr Herzstolpern gefunden werden konnte.

Dieses Untersuchungsergebnis ist auf der einen Seite erfreulich, auf der anderen Seite aber auch beunruhigend und vielleicht frustrierend, denn Sie bilden sich Ihr Herzklopfen ja schließlich nicht ein, sondern Sie verspüren es tatsächlich und es verursacht Ihnen Angst. Daher wird Sie die Antwort auf die folgende Frage interessieren:

Ist Herzstolpern gefährlich?

In aller Regel ist Herzstolpern gefährlich, wenn man eine zugrunde liegende strukturelle Herzerkrankung findet, also z.B. eine Durchblutungsstörung des Herzens, Herzklappenfehler oder Herzmuskelkrankheiten. Solche strukturellen Herzkrankheiten können nämlich u.U. Herzrhythmusstörungen auslösen. Daher sind die Untersuchungen bei einem Kardiologen richtig und wichtig. Aber wenn bei diesen Untersuchungen keine solcher strukturellen Herzerkrankungen gefunden wurde dann kann man vereinfacht sagen:

Nein.

Denn gefährlich wäre es nur dann, wenn Herzstolpern Ausdruck schlimmer Herzrhythmusstörungen bei einem organisch kranken Herzen (z.B. bei Durchblutungsstörungen des Herzmuskels, bei Herzmuskel- oder Herzklappen-Erkrankungen). Diese schwerwiegenden Krankheiten konnten aber mit Untersuchungen, wie z.B. einer Ultraschalluntersuchung des Herzens, Belastungs-EKG, bestimmten Blutuntersuchungen, Myokardszintigraphie und (wenn es nicht anders geht) mit einer Herzkatheteruntersuchung ausgeschlossen werden. Und damit gilt es als „harmloses“ Herzstolpern.

Wenn Sie nun wissen, daß es sich um harmloses Herzstolpern handelt werden Sie sich fragen, wie man dieses störende Empfinden beseitigen kann. Hierzu müßte man zunächst wissen, was denn bei Ihnen eigentlich „Herzstolpern“ verursacht. Daher stellt sich die Frage:

Wie wird Herzstolpern untersucht?

Zunächst werden neben den schon kurz erwähnten Untersuchungen wie einer körperlichen Untersuchung, Ruhe-, Belastungs-EKG und Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiographie) evtl. auch eine Myokardszintigraphie und vielleicht sogar eine Herzkatheteruntersuchung durchgeführt. Daraus resultiert nun als nächstes die Frage, was denn Ihr Empfinden von Herzstolpern denn überhaupt auslöst. Zur Beantwortung dieser Frage muß man folgendes wissen:

  1. Die Ursache von Herzstolpern kann man nur exakt während derjenigen Phasen finden, in denen man Herzstolpern verspürt. Ein EKG beispielsweise wird schon Sekunden nach dem Ende des Herzstolperns einen normalen Befund zeigen. Wenn das Stolpern nur sehr kurz dauert werden Sie kaum die Zeit haben, um sofort (!) zum Arzt zu gehen, um hier ein EKG schreiben zu lassen, denn wenn Sie die Arztpraxis erreicht haben wird das Stolpern schon wieder verschwunden und das EKG normal sein. Dauert das Stolpern allerdings etwas länger wird der Besuch der Arztpraxis oder (z.B. nachts oder am Wochenende:) eines Krankenhauses vielleicht erfolgversprechend sein. Trotzdem ist es oft frustrierend, wenn das Herzstolpern auf dem Weg zum Arzt von selber aufhört, denn in diesen Fällen können Sie eigentlich wieder nach Hause umkehren und müssen nun leider auf die nächste Attacke warten. Viele Menschen haben viele solcher Arztbesuche ergebnislos unternommen oder schon vorher abgebrochen und erst nach vielen Versuchen zeigte das EKG dann einen entsprechenden Befund. Aber es hilft nichts: Wenn Herzrhythmusstörungen die Ursache des Herzstolperns sein sollten kann man sie nur während der Phase des Herzstolperns im EKG erkennen.
  2. Keinesfalls ist jedes Herzstolpern Ausdruck von Herzrhythmusstörungen: Man weiß dies aus Langzeit-EKGs, bei denen die Patienten im Untersuchungsprotokoll öfters das Auftreten von „Herzstolpern“ vermerken und das EKG dabei völlig normal ist. Oft können auch der Anstieg des Blutdrucks Herzklopfen verursachen. Messen Sie also in diesen Phasen einmal Ihren Blutdruck.
  3. Jedes, auch das gesündeste Herz läuft gelegentlich „unrund“ und stolpert. Das ist völlig normal. Einige Menschen bemerken dieses normale Herzstolpern, andere hingegen nicht. Meistens spürt man ein solches Herzklopfen oder -stolpern abends, wenn man im Bett liegt und zur Ruhe kommt: In diesen Fällen kann man (wenn man darauf achtet) seinen Herzschlag nämlich oft hören und Unregelmäßigkeiten fallen dabei besonders auf. Dies ist harmlos und eigentlich völlig normal.
  4. Das Herzstolpern oder Herzklopfen, daß bei Anstrengungen, Aufregungen, bei Streß oder Ärger auftritt ist ebenfalls normal, denn es ist Ausdruck des in diesen Situationen normal ansteigenden Blutdrucks. Denken Sie einmal daran, wie Sie sich gefühlt haben, als in Ihrem Leben eine streßreiche Situation (z.B. Prüfungen, Polizeikontrolle o.ä.) bestehen mußten. Der Volksmund sagt nicht umsonst, daß einem „das Herz dann bis zum Hals schlägt“.

Wie wird Herzstolpern behandelt?

Es handelt sich um ein harmloses Phänomen, daß man eigentlich nicht behandeln muß. Aber: Auch Zahnschmerzen sind auch harmlos, machen einem aber das Lebens schwer, sodaß man zum Zahnarzt geht. Ebenso ist es mit dem Herzstolpern:

Wenn man stark darunter leidet kann man in vielen Fällen eine Behandlung mit einem beta-Blocker durchführen. Dies ist aber eine Dauer-Behandlung, d.h. Sie nehmen Medikamente ein, um ein eigentlich harmloses Symptom zu unterdrücken. (Die bedarfsweise Medikamenteneinnahme nur im Fall auftretenden Herzklopfens ist wenig sinnvoll, denn das Klopfen hört in der Regel von selber auf, bevor die Tablette aus dem Magen ins Blut gegangen ist).

Trotzdem ist die Frage einer Behandlung etwas, was nur der oder die Betroffene selber entscheiden kann, denn nur der betroffene Mensch kann sagen, wie unangenehm das Herzklopfen für ihn ist und wenn es seine Lebensqualität stark beeinträchtigt ist auch eine dauerhafte Behandlung gerechtfertigt. Die meisten Menschen mit harmlosen Herzstolpern werden allerdings vor dem dauerhaften Einsatz eines beta-Blockers zurückschrecken, weil ihnen die dauerhafte Einnahme der Medikamente für eine harmlose Sache zu riskant erscheint.

Sprechen Sie einmal mit einem Kardiologen oder Ihrem Hausarzt, ob es nicht vielleicht sinnvoll sein kann, wenn Sie einmal einen auf 2-3 Wochen beschränkten „Behandlungsversuch“ unternehmen. Nach dieser Zeit können Sie ja dann immer noch entscheiden, ob Ihnen die Behandlung etwas gebracht hat und ob Sie sie fortsetzen möchten oder ob sich der Aufwand nicht gelohnt hat. Sie entscheiden selber!

Was müssen Sie beachten?

Das Wichtigste ist, daß Sie sich immer vor Augen halten, daß Ihr Herz genau untersucht worden ist, daß keine bedeutende Herzkrankheit festgestellt werden konnte und daß Ihr Herzklopfen oder Herzstolpern daher harmlos ist; Sie werden daran nicht sterben!

Versuchen Sie, gegen die Angst anzugehen, die Sie vielleicht im Zusammenhang mit dem Stolpern oder Klopfen verspüren, denn diese Angst ist unbegründet. Sagen Sie sich, daß es sich um harmlosen elektrischen Unsinn Ihres Herzens handelt. Und wenn Ihre Angst trotzdem bleibt: Scheuen Sie sich nicht, Ihren Hausarzt oder einen Kardiologen aufzusuchen. Es ist oft beruhigend, wenn Sie wiederholt hören, daß nichts Gefährliches vorliegt; im Laufe der Zeit werden Sie dadurch vielleicht beruhigt und verlieren Ihre Angst, denn das Schlimmste am Herzklopfen und -stolpern ist die Angst, daß Ihnen etwas Schlimmes passieren kann.

Es gibt eine Geschichte, die ich meinen Patienten mit Herzstolpern oft erzähle:

Medizinstudenten sind zu Beginn Ihres Studiums in aller Regel kerngesund. Sie kommen frisch von der Armee und betreiben oft intensiv Sport. Man erzählt diesen jungen Studenten dann im 1. oder 2. Semester (also dann, wenn sie von Medizin noch keine Ahnung haben) etwas über Herzrhythmusstörungen. Wodurch sie entstehen und daß es solche gibt, die tödlich sein können. Am Ende dieser Vorlesung bittet man sie dann ganz beiläufig, mal im weiteren Tagesverlauf zu achten, ob sie selber auch Herzstolpern verspüren und wie es mit ihrer Atmung aussieht und daß sie ihre Beobachtungen doch am nächsten Tag erzählen sollen.

Am nächsten Tag wird man dann eine große Zahl solcher (noch immer kerngesunden) Menschen treffen, die mit offensichtlicher Angst in den Augen darüber berichten, daß sie gedacht hätten, sie müßten jetzt sterben, weil das Herz vor dem einschlafen sehr unregelmäßig geschlagen habe oder daß sie ersticken würden, weil die Atmung unregelmäßig gewesen sei.

Ich erzähle diese Geschichte deshalb, um an einem praktischen Beispiel zu erklären, daß man immer dann ein Problem bekommt, wenn man auf normale Vorgänge eines Körpers bewußt achtet. Alle Vorgänge in einem Körper, Atmung, Herzschlag, Verdauung usw. sind von unserem Architekten so eingerichtet worden, daß sie automatisch ablaufen, ohne daß man sich darum kümmern muß. „Falsche Atmung“ gibt es nicht! Also: Wenn eine bedeutsame strukturelle Erkrankung ausgeschlossen wurde ist Herzstolpern etwas Normales und es ist harmlos. Entspannen Sie sich!