Nach einem Herzinfarkt mit Stent-Implantation

Sie haben einen Herzinfarkt gehabt, der mit Hilfe eines Herzkatheters behandelt wurde. Was sollten Sie dazu wissen?

Was war passiert?

Ihr Herzinfarkt ist dadurch entstanden, daß sich 1 der 3 dünnen Schlagadern, die den Herzmuskel mit Blut versorgen verschlossen hat. Dadurch hatte der Herzmuskel nicht mehr genügend Blut bekommen und war vom Absterben bedroht. Die verschlossene Schlagader (Herzkranzarterie) ist mit einem Ballon erweitert und mit einem Stent geschient worden.

Wie geht es jetzt weiter?

Nach der akuten Behandlung des Infarktes sind sie noch einige Tage im Krankenhaus geblieben und haben nachfolgend wahrscheinlich eine Anschlußheilbehandlung durchgemacht. Am Ende der ganzen Behandlungen hat man Ihnen sicherlich sagen können, warum Sie den Herzinfarkt bekommen hatten, d.h. welche Risikofaktoren Sie haben.

Wahrscheinlich werden Sie nun wissen, ob Sie erhöhten Blutdruck oder Blutfettwerte haben, ob Sie zuckerkrank sind (Diabetes mellitus) und auch über die Schäden fortgesetzten Zigarettenrauchens sind Sie sicherlich informiert worden.

Die Aufgaben Ihres Hausarztes und Ihres Kardiologen bestehen nun darin, die folgenden Fragen zu beantworten:

  • Welche Folgen hat der Herzinfarkt hinterlassen?
  • Wie geht es mit Ihrem Leben weiter?
  • Sind Ihre Risikofaktoren gut eingestellt?

Wie werden diese Fragen beantwortet?

Sie sollten sich in bestimmten Abständen von einem Kardiologen und von Ihrem Hausarzt untersuchen lassen.

Ihr Hausarzt sollte etwa alle 3 Monate nach Blutdruck, Blutfettwerten und (wenn Sie zuckerkrank sind) auch nach der Einstellung des Blutdrucks sehen. Lassen Sie sich die Laboruntersuchungen Ihrer Bluttests kopieren, nehmen Sie sie mit nach Hause, heften Sie sie in Ihrer Krankenakte ab und tragen Sie sie in den Infarktpaß ein, den Sie möglicherweise im Krankenhaus oder bei Ihrem Kardiologen erhalten haben; tragen Sie diesen Infarktausweis immer bei sich.

Kontrollieren Sie selber zusammen mit Ihrem Hausarzt, ob Sie die Zielwerte für die einzelnen Werte erreicht haben. Welche Werte dies sind hat man Ihnen bei der Entlassung aus dem Krankenhaus oder der Anschlußheilbehandlung gesagt. Lesen Sie anderenfalls unser Infoblatt über die „Vorbeugung bei Herzkrankheiten“.

In bestimmten Abständen sollten Sie sich auch vom Kardiologen untersuchen lassen. Er prüft z.B. mit EKG, Belastungs-EKG und vor allem Ultraschall, ob Ihr Herz nach dem Infarkt eine Narbe zurück behalten hat, wie groß diese Narbe ist, welche Auswirkungen die Infarktfolgen für ihr weiteres Leben haben werden und wie sie sich weiter verhalten sollten. Die Zeitabstände, in denen Sie vom Kardiologen untersucht werden sind unterschiedlich: Während der ersten 6 Monate nach dem Infarkt werden Sie meistens  3mal untersucht werden, danach 1- bis 2mal im Jahr.

Damit Sie gut beraten werden können ist es wichtig, daß Sie Ihrem Kardiologen die Ergebnisse der Blutuntersuchungen, die Ihr Hausarzt durchgeführt hat mitbringen. Daher ist es so einfach und praktisch, eine eigene Krankenakte anzulegen und den Infarktausweis mit sich zu führen.

Was ist mit Medikamenten?

Nach einem solch schweren Ereignis wie einem Herzinfarkt ist es wichtig, daß Sie auf die richtigen Medikamente eingestellt werden. Einen großen Teil dieser Medikamente werden Sie nicht deshalb bekommen, damit es Ihnen besser geht oder damit Sie weniger Beschwerden haben (Sie werden nämlich keine oder nur wenige Beschwerden haben!).

Die Medikamente sind vielmehr notwendig, um die oben erwähnten Risikofaktoren zu beseitigen und um damit einem neuen Herzinfarkt vorzubeugen. Andere Medikamente sind dazu da, um das durch die Infarktnarbe vielleicht etwas geschwächte Herz zu kräftigen bzw. um seine Pumpkraft gut zu erhalten. Wiederum andere Medikamente sollen die Entstehung neuer Blutgerinnsel in den Schlagadern des Herzens oder anderen Organen zu verhindern. Dazu gehört beispielsweise Aspirin oder ASS. Diese Medikamente sollten Sie lebenslang einnehmen. Andere äußerst wichtige Medikamente haben den Namen Iscover®, Plavix®, Clopidogrel, Prasugrel oder Efient®. Diese Medikamente werden zusammen mit dem ASS oder Aspirin eingenommen und sollen verhindern, daß der implantierte Stent von Ihrem Körper abgestoßen wird, daß im Stent ein neues Blutgerinnsel entsteht, daß sich der Stent dadurch verschließt und daß es dadurch zu einem neuen schlimmeren Herzinfarkt kommt. Nehmen Sie dieses Medikament über 1 Jahr regelmäßig jeden Tag ein und vergessen Sie es niemals und an keinem einzigen Tag!

Wer gibt Ihnen die Rezepte für die Medikamente?

Das macht in aller Regel Ihr Hausarzt oder (wenn dieser verhindert sein sollte) der Vertreter des Hausarztes oder Ihr Kardiologe, sprechen Sie das mit Ihren Ärzten ab.

Wenn Sie sich genauer über Ihre Herzkrankheit, Ballonerweiterungen und Stents informieren möchten: Besuchen Sie uns im Internet unter www.meinherzdeinherz.info und sehen Sie hier nach weiteren Informationen.

Was sollten Sie zum Besuch beim Kardiologen mitbringen?

  • Medikamentenplan
  • Ergebnisse der letzten Laboruntersuchungen beim Hausarzt (oder Infarktausweis)
  • Versichertenkarte
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Nach einer PTCA und Stent

Eine Ballonerweiterung wird durchgeführt und ein Stent wird eingepflanzt, wenn man an einer Krankheit mit dem Namen „Koronare Herzkrankheit“ oder abgekürzt „KHK“ leiden. Es ist auch möglich, daß diese Behandlung im Rahmen eines Herzinfarktes durchgeführt wurde.

Was ist bei der Ballonerweiterung geschehen?

Der Ballon bzw. der Stent ist gesetzt worden, um einer Verengung in einer Herzkranzarterie aufzuweiten. Dabei ist das Material (es handelt sich um Fettgewebe) zerdrückt und verteilt worden. Das Ganze funktioniert so ähnlich wie das mit der Fliege und der Fliegenklatsche: Wenn man eine Fliege mit der Klatsche erschlägt, dann wird die Fliege natürlich nicht beseitigt, sondern sie wird nur platt gedrückt. Genau dasselbe ist bei einer Ballonerweiterung geschehen: Das Fettgewebe, daß sich an einer umschriebenen Stelle befand ist platt gedrückt und verteilt worden. Dies hatte zur Folge, daß die Verengung beseitigt und das Gefäß erweitert wurde.

Bei einer solchen Ballonerweiterung muß der Arzt große Gewalt auf die Verengung ausüben, um den Fett-“Knubbel“ zu zerdrücken: 10 – 15 atü (zum Vergleich: Ein Autoreifen wird mit 1.0 – 1.5 atü aufgeblasen!). Bei einem solchen Druck wird das Gefäß verletzt und es kommt zu kleinen Einrissen in der Gefäßwand. Das ist an sich nicht weiter schlimm. Aber durch solche kleinen Mini-Verletzungen wird die Gefäßwand gereizt und es gibt nun Menschen, deren Körpergewebe auf solche Reizungen und Verletzungen mit überschießenden Narbenbildungen reagiert. Denken Sie beispielsweise an Operations- oder Verletzungsnarben, an denen sich im Laufe der Zeit „wildes Fleisch“ bildet und die Narbe häßlich aussehen läßt. Solches wildes Fleisch kann auch als Folge der Ballonverletzung in den Gefäßen entstehen, was zur Folge hat, daß sich das Gefäß erneut verengt. Eine solche erneut auftretende Verengung (= „Re-Stenose“) tritt nach einer einfachen Ballonerweiterung bei 30-40% aller Menschen im Laufe von 2-3 Monaten auf. Um solche Wiederverengungen zu verhindern sind Stents erfunden worden.

Stents

Stents sind kleine Röhrchen aus Stahl, die mit Hilfe des Ballons in die Gefäßwand eingepreßt werden und die hier zeitlebens verbleiben. Kurz nach der Einpflanzung eines solchen Stents liegen die Maschen des Drahtgeflechts noch frei im Blut; nach etwa 4 Wochen ist der Stent aber eingeheilt und innen von einem feinen Häutchen bedeckt, sodaß das Blut nun nicht mehr in Kontakt mit dem Metall kommen kann.

Um zu verhindern, daß das Blut durch den direkten Kontakt mit dem Metall des Stents gerinnt und ein so entstehendes Blutgerinnsel den Stent akut verschließt (was einen schweren Herzinfarkt zur Folge hätte) muß man in den ersten 4 Wochen nach der Stent-Einpflanzung 2 Medikamente einnehmen, die diese Blutgerinnung verhindern: Aspirin (oder ASS) und Medikamente mit dem Namen Clopidogrel, Plavix®, Iscover® oder Efient® behindern die Verklumpung von Blutplättchen und damit die Blutgerinnung. Diese „doppelte“ Medikamenteneinnahme zur Blockierung der Plättchenfunktion nennt man „duale Aggregationshemmung“. 4 Wochen nach der Implantation eines Stents kann man die Einnahme des 2. Medikamentes beenden, weil der Stent nun eingeheilt ist. Aspirin muß man aber lebenslang weiter einnehmen müssen.

Auch mit der Verwendung solcher Metall-Stents (= BMS = bare metal stent) besteht die Möglichkeit, daß es zur Bildung wilden Fleisches und damit zur erneuten Gefäßverengung kommt. Das geschieht nun aber sehr viel seltener als bei einfachen Ballonerweiterungen, dennoch können noch etwa 10-20% aller Stent-Patienten solche Re-Stenosen bekommen.

Um auch dies zu verhindern sind andere Stents erfunden worden, die über einen gewissen Zeitraum bestimmte Medikamente freisetzen, die vom Stent aus in die Gefäßwand eindringen und hier die Neubildung des wilden Fleisches verhindern. Solche Stents nennt man „medikamenten-freisetzende Stents“ oder „DES“ (= drug eluting stent). Sie verhindern die Wiederverengung des Stents sehr zuverlässig. Weil sie aber die Einheilung des Stents verzögern liegen bei diesen DES die Metallmaschen des Stents über einen sehr langen Zeitraum frei im Blut. Man schätzt, daß es ein halbes Jahr, vielleicht sogar noch länger dauer, bis solche Stents eingeheilt sind. Daher ist es bei diesen Stents von großer Bedeutung, daß Sie die beiden Medikamente (Aspirin oder ASS einerseits und Clopidogrel, Plavix®, Iscover® oder Efient® andererseits ununterbrochen für etwa 1/2 Jahr einnehmen.

Nachuntersuchungen

Nachuntersuchungen sind sehr wichtig. Sie haben 2 Aufgaben:

  1. Sie sollen klären, ob es innerhalb des mit der Ballonerweiterung oder dem Stent behandelten Gefäßabschnitts zu einer Wieder-Verengung gekommen ist. Hierzu werden innerhalb von 6 – 12 Monaten nach der Ballonerweiterung bzw. der Stenteinpflanzung EKG, Belastungs-EKG und vielleicht auch eine Ultraschalluntersuchung des Herzens durchgeführt werden. Am Ende dieser 6 – 12 Monate wird man mit dem Patienten darüber sprechen, in welcher Form die abschließende Untersuchung erfolgen soll. Dies muß nicht immer mit dem Herzkatheter geschehen, denn in vielen Fällen reichen auch ein Belastungs-EKG oder eine Szintigraphie aus; welche Untersuchung die für den Betreffenden Beste ist wird der Arzt besprechen.
  2. Die ebenso wichtige 2. Aufgabe der Nachuntersuchungen besteht darin, den Zustand Ihrer Risikofaktoren zu überprüfen.

Wann muß man wieder zum Arzt?

Am Ende der Untersuchungen wird man dem Patienten sagen, wann er zur nächsten Kontrolle kommen sollten. Man sollte zu diesen Terminen immer Ihre letzten Blutwerte und Medikamente mitbringen!

Man sollte umgehend und sofort zum Hausarzt oder zum Kardiologen gehen,  wenn

  • man Brustschmerzen bekommt, die man bis dahin nicht kannte,
  • wenn man Brustschmerzen hat, die schlimmer und heftiger sind als bisher,
  • wenn man Luftnot bei Anstrengungen hat, die einem bisher nichts ausgemacht haben,
  • wenn man starkes und angenehmes Herzklopfen verspürt.

In diesen Fällen sollte man ohne Voranmeldung in die Praxis des Hausarztes oder Kardiologen gehen, damit die Ärzte sofort sehen können, was die Ursache dieser Probleme ist.

Man sollte sich allerdings umgehend ins Krankenhaus bringen lassen, wenn man

  • Brustschmerzen bekommen, die nicht nach 2maligem Gebrauch von Nitro-Spray innerhalb von 20 Minuten wieder verschwunden sind oder
  • wenn Schwindel oder sogar Ohnmachtsanfälle auftreten.

Man darf in diesen Fällen nicht selber ins Krankenhaus gehen oder fahren, sondern sollte den Notarzt der Feuerwehr unter der Telephonnummer 112 anrufen.

Wenn Sie sich genauer über eine Herzkrankheit informieren möchten: Besuchen Sie uns im Internet unter www.meinherzdeinherz.info und sehen Sie in dem Kapitel „Wissen“ nach weiteren Informationen, die Sie hier kostenlos bekommen.

 

Nach dem Herzinfarkt

 

Wie kommt es zum Herzinfarkt?

Das Herz ist ein Muskel, der über 3 Gefäße (den sog. Herzkranzarterien) mit Blut versorgt wird, damit er Minute für Minute, Tag für Tag und Monat für Monat kräftig arbeiten kann.

Bei einem Herzinfarkt verschließt sich nun eine dieser Gefäße plötzlich. Das Ergebnis ist, daß derjenige Teil des Herzmuskels, der von dieser Arterie versorgt wurde nicht mehr mit Blut versorgt wird und vom Absterben bedroht ist.

Wenn ein solcher Verschluß lange andauert stirbt der betroffene Herzmuskelanteil ab und es entsteht eine Narbe innerhalb des Herzmuskels. Diese Narbe kann nicht mehr an der Pumparbeit des Herzens teilnehmen, was natürlich dazu führen kann, daß der verbliebene Herzmuskel überlastet wird und über kurz oder lang geschädigt und geschwächt wird.

Die Entstehung der Infarktnarbe ist irreparabel, d.h. daß sie für den Rest des Lebens bestehen bleibt. Daher hat man versucht, das verstopfte Herzkranzgefäß schnell, d.i. vor der Entstehung der Narbe wieder zu öffnen. Dazu benutzt man in der Regel bestimmte Kathetertechniken (Ballonerweiterung, PTCA oder Stent), in anderen (selteneren) Fällen, z.B. wenn eine Herzkatheterabteilung nicht schnell erreicht werden kann wurden  Gerinnsel-auflösende Medikamente eingesetzt. In einigen Fällen war diese Behandlung erfolgreich und hat die Gefäßverstopfung beseitigt, in anderen Fällen ist dies vielleicht nicht gelungen.

Je nachdem, wie erfolgreich die Behandlung war und wie schnell das Gefäß nach dem Infarkt wieder geöffnet werden konnte wird der Herzmuskel einen mehr oder weniger großen Schaden genommen haben. Am Ende der Krankenhausbehandlung und vielleicht nach der folgenden AHB-Maßnahme wird man diesen Schaden am Herzmuskel durch eine Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiographie) genau „vermessen“ haben.

Es ist nun wichtig für Sie, daß Sie nach dem Infarkt 2 Dinge wissen und berücksichtigen:

Wie groß ist der Schaden am Herzmuskel?

Wie Antwort auf die Frage nach der Größe des Herzinfarktes ist wichtig, wenn es darum geht, die weitere Behandlung festzulegen. Bei Menschen mit großen Infarktnarben besteht die Gefahr, daß das ganze Herz im Laufe der Zeit geschwächt wird. Wenn 3 Herzwände die Arbeit der ausgefallenen und vernarbten Infarktwand mit übernehmen müssen können Sie sich vorstellen, daß das auf Dauer zum Problem werden wird, weil die 3 übrig gebliebenen Herzwände durch diese Mehrarbeit überfordert sind. Sie werden daher Medikamente bekommen, um diese Überlastung Ihres Herzens zu verhindern. In der Regel handelt es sich dabei um Medikamente mit dem Namen „beta-Blocker“ und „ACE-Hemmer“. Es ist wichtig, daß Sie diese Medikamente auch dann gewissenhaft und zuverlässig einnehmen, wenn es Ihnen eigentlich gut geht und Sie keine großen Beschwerden haben. Diese Medikamente haben nicht die Aufgabe, Ihr Wohlbefinden zu steigern (es wird Ihnen ja wahrscheinlich schon gut gehen), sondern sie sollen dafür sorgen, daß es Ihnen noch lange gut geht.

Warum sind die Herzkranzarterien überhaupt krank geworden?

Dies ist eine sehr wichtige Frage. Am Ende des Krankenhausaufenthaltes bzw. am Ende der AHB-Kur wird man auch diese Frage beantwortet haben und Ihnen gesagt haben, ob Sie erhöhte Blutfettwerte, erhöhten Blutdruck oder die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) haben (daß Rauchen zum Herzinfarkt führen kann werden Sie ja schon wissen, es steht zudem auf jeder Packung.)

Es wird nun für Ihr weiteres Leben von großer Bedeutung sein, daß Sie diese sogenannten „Risikofaktoren“ in den Griff bekommen. In den meisten Fällen wird es sich nicht vermeiden lassen, zu diesem Zweck Medikamente einzunehmen. Blutdruck-senkende Tabletten, Aspirin® (oder ASS) und Cholesterin-Senker sind einige Beispiele dafür. Auch für diese Medikamente gilt: Sie bekommen Sie nicht, daß es Ihnen besser geht, sondern damit Ihr guter Zustand möglichst ein langes Leben lang anhält.

In der Regel werden Sie keinen Unterschied bemerken, wenn Sie diese Tabletten einmal weglassen, aber Sie werden sich keinen Gefallen damit tun, denn die koronare Herzkrankheit, die ja zum Herzinfarkt geführt hat schwelt dann weiter unbemerkt vor sich hin und ruiniert langsam aber sicher (!) alle Schlagadern Ihres Körpers: Die schon kranken Herzgefäße, die Gehirngefäße (mit der Folge eines Schlaganfalls), die Nieren- und Beingefäße. Also: Nehmen Sie die Medikamente so wie Ihre Ärzte Ihnen das empfehlen.

In diesem Zusammenhang ist auch wichtig, daß Sie nicht alles den Ärzten überlassen. Sie können Ihnen erklären, wie Sie gehen können, laufen müssen Sie aber selber. Mit anderen Worten: Betrachten Sie den Herzinfarkt als einen Schuß vor den Bug und ändern Sie Ihr Leben. Versuchen Sie abzunehmen und mit dem Rauchen aufzuhören, bewegen Sie sich und gehen Sie spazieren und versuchen Sie, sich gesund zu ernähren. Und versuchen Sie (soweit das geht:) Streß, Termindruck und Ärger zu vermeiden. Klar, das geht nicht immer, aber Sie sollten es wenigstens versuchen!

Kann ich noch einen Herzinfarkt bekommen?

Leider ja, denn auch mit der besten Medizin kann sich die Krankheit weiter entwickeln und fortschreiten. Wenn Sie den Empfehlungen Ihrer Ärzte folgen und Ihre Risikofaktoren so gut es geht vermindern ist die Wahrscheinlichkeit für eine Verschlechterung aber nur sehr gering, das heißt: Es wird Ihnen lange sehr gut gehen. Man muß die Lage aber im Auge behalten. Nehmen Sie daher regelmäßig Ihre Arzttermine zu Kontrolluntersuchungen war.

Wann muß ich wieder zum Arzt?

Normalerweise, wenn alles (wie meistens) gut verläuft sollten Sie etwa alle 3 Monate Ihre Risikowerte vom Hausarzt bestimmen lassen und in den vorgeschlagenen Intervallen zum Kardiologen gehen, um ein EKG, Belastungs-EKG und vielleicht eine Ultraschalluntersuchung durchführen zu lassen. Am Ende dieser Untersuchungen wird der Kardiologe Ihnen sagen, wann Sie zur nächsten Kontrolle kommen sollten. Bringen Sie zu diesen Terminen immer Ihre letzten Blutwerte und Ihre Medikamente mit!

Kommen Sie umgehend und sofort zum Hausarzt oder zum Kardiologen, wenn

  • Sie Brustschmerzen haben, die Sie bis dahin nicht kannten,
  • wenn Sie Brustschmerzen haben, die schlimmer und heftiger sind als bisher,
  • wenn Sie Luftnot bei Anstrengungen haben, die Ihnen bisher nicht ausgemacht haben,
  • wenn Sie starkes und angenehmes Herzklopfen verspüren.

Kommen Sie in diesen Fällen ohne Voranmeldung in die Praxis Ihres Kardiologen, damit er sofort sehen kann, was die Ursache dieser Probleme ist.

Sie sollten sich allerdings umgehend ins Krankenhaus bringen lassen, wenn Sie

  • Brustschmerzen bekommen, die nicht nach 2maligem Gebrauch von Nitro-Spray innerhalb von 20 Minuten wieder verschwunden sind oder
  • wenn Schwindel oder sogar Ohnmachtsanfälle haben.

Gehen oder fahren Sie in diesen Fällen nicht selber ins Krankenhaus, sondern rufen Sie den Notarzt der Feuerwehr unter der Telephonnummer 112.

Fragen Sie Ihren Kardiologen bei Ihrem 1. Besuch nach der Reha, ob eine solche Möglichkeit der sofortigen Vorstellung im Notfall auch ohne Termin möglich ist und (falls das nicht geht) wie Sie sich verhalten sollen.

Welche Medikamente muß ich einnehmen?

Damit Sie nichts vergessen benutzen Sie einen Medikamentenzettel, den Sie von Ihrem Hausarzt oder Kardiologen sicherlich bekommen werden und lassen Sie den Arzt hier Ihre Medikamente eintragen.

Woher bekomme ich meine Medikamente?

Das macht in aller Regel Ihr Hausarzt. In einigen Fällen übernimmt aber auch der Kardiologe diese Aufgabe, sprechen Sie Ihren Hausarzt oder Kardiologen bei Ihrem 1. Besuch nach der Reha ebenfalls darauf an.

 

Wenn Sie sich genauer über Ihre Herzkrankheit informieren möchten: Besuchen Sie meine Website im Internet unter www.meinherzdeinherz.info und sehen Sie in dem Kapitel „Wissen“ nach weiteren Informationen.

Sekundärprävention

Was bedeutet „Sekundärprävention“?

Man unterscheidet die „Primär-“ und die „Sekundärprävention“. Prävention bedeutet „Vorbeugung“; bei der Primärprävention möchte man verhindern, daß ein bis dahin noch gesunder Mensch krank wird, bei der Sekundärprävention ist der Mensch schon krank und man möchte nun vorbeugen, daß die Krankheit weiter fortschreitet.

Bei Menschen mit koronarer Herzkrankheit bedeutet dies, daß man Maßnahmen ergreifen muß, um zu verhindern, daß sich der Zustand der Herzkranzgefäße weiter verschlechtert. Solche Maßnahmen sind immer und unter allen Umständen notwendig, gleichgültig, ob man schon einen Herzinfarkt gehabt hat oder nicht, ob man bypass-operiert oder mit einem Stent behandelt wurde. Es ist ein bequemer und daher weit verbreiteter Glaube, daß der Chirurg es mit seinen Bypass-Gefäßen oder der Kardiologe mit seinen Stents schon richten wird. Um es anders zu sagen: Ärzte können Ihnen das Laufen beibringen, Gehen müssen Sie aber selber.

Die koronare Herzkrankheit beinhaltet immer die Gefahr, vorzeitig an einem Herzinfarkt oder an Herzschwäche zu sterben; die Ärzte können Ihnen mit Medikamenten, Ballonerweiterungen oder Operationen helfen, das Leben angenehmer und schmerzärmer zu machen, verlängern können Sie es aber nur selber!

Was macht man bei einer Sekundärprävention?

Der 1. Schritt besteht darin, die Risikofaktoren zu finden, die Ihre Gefäße haben erkranken lassen. Diese Aufgabe hat entweder zuvor schon Ihr Hausarzt, Ihr Kardiologe, ein Krankenhaus oder eine Reha-Klinik übernommen. Sie kennen nach solchen Untersuchungen Ihr Risiko also. Bei der Sekundärprävention kümmert man sich nun um diejenigen Risikofaktoren, die man beeinflussen kann. Das Wissen um eine erbliche Form der Koronarerkrankung ist in diesem Zusammenhang nicht ganz so wichtig, denn an solchen Erbfaktoren kann man nichts verändern; an erhöhtem Blutdruck, der Zuckerkrankheit, an erhöhten Blutfettwerten, Übergewicht, Bewegungsmangel und Zigarettenrauchen aber sehr viel!

Einige dieser Änderungen erfordern die Gabe von Medikamenten, andere Dinge kann und sollte man aber selber machen, wie z.B. die Aufgabe des Zigarettenrauchens oder die Verminderung des Übergewichts. Gerade eine Gewichtsverminderung, Ernährungsdiät oder Aufgabe des Rauchens ist aber schwierig; wenden Sie sich doch einmal an Ihre Krankenkasse: Viele Kassen bieten für ihre Versicherten Ernährungsberatungen und Hilfestellung beim Zigaretten-“Entzug“ an.

Ganz allgemein gelten für die Sekundärprävention bei der koronaren Herzkrankheit die folgenden Empfehlungen:

  • Geben Sie das Zigarettenrauchen auf!
  • Essen Sie bevorzugt:
    • Früchte
    • Gemüse
    • Vollkorn-Produkte
    • Nahrungsmittel mit niedrigem Fettgehalt
    • Fisch
    • mageres Fleisch
  • Werden Sie körperlich aktiv:
  • 4-5-mal wöchentlich 30-45 min Laufen oder eine andere Sportart, die Ihre Pulsfrequenz auf 60-75% der maximalen Herzfrequenz steigert (Berechnung: 220 –  Ihr Lebensalter, davon 60-75%)
  • Schließen Sie sich vielleicht einer Herzsportgruppe an (Infos bekommen Sie bei Ihrer Krankenkasse)
  • Korrigieren Sie Ihr eventuelles Übergewicht

Nehmen Sie Ihre

Medikamente

gewissenhaft ein.

Was diese Medikamente angeht sollten Sie wissen, daß sie nicht nur deshalb gegeben werden, damit es Ihnen besser geht, sondern damit es Ihnen länger gut geht und damit Sie länger leben. Das bedeutet, daß Sie einen Teil der Medikamente auch dann einnehmen sollten, wenn Sie keinerlei Beschwerden haben und wenn es Ihnen eigentlich gut geht. Zu diesen Medikamenten gehören bei koronarkranken Patienten eigentlich immer:

  • Medikamente zur Senkung des Cholesterins (sog. „CSE-Hemmer“)
  • Medikamente gegen die Blutzuckerkrankheit
  • 100 mg Aspirin oder ASS täglich
  • ß-Blocker (sprich: beta-Blocker), z.B. Metoprolol oder Bisoprolol
  • Menschen mit erhöhtem Blutdruck oder solchen, deren Herzmuskel einen (wenn auch geringen) Schaden hat sollten immer ACE-Hemmer einnehmen.

Diese Medikamente werden an vielen hunderttausend Patienten seit vielen Jahren eingesetzt, sie sind gut verträglich und ihre Wirksamkeit ist bewiesen! Wenn Sie dennoch Probleme mit diesen Medikamenten haben, wenn Sie sie nicht vertragen oder Nebenwirkungen verspüren: Werfen Sie sie nicht einfach weg, sondern sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Kardiologen darüber, damit er Ihnen ein vielleicht anderes Medikament geben kann, das Sie besser vertragen.

Und noch 2 Dinge:

  • Lassen Sie sich nicht verwirren, wenn das Medikament, das Sie bislang eingenommen haben auf einmal einen anderen Namen hat. Ihre Krankenkasse ist gesetzlich verpflichtet, immer das preisgünstigste Medikament zu bezahlen. „Billiger“ heißt nicht schlechter, denn nicht das schicke Aussehen der Pillenschachtel zählt, sondern der Inhalt der Tablette. Solange der Wirkstoff in der „neuen“ Tablette derselbe ist kann man gegen den Wechsel des Herstellers wenig einwenden. Wenn Sie Fragen oder Zweifel haben: Sprechen Sie Ihren Arzt oder den Apotheker an!
  • Alle Medikamente verfolgen ein bestimmtes Ziel, nämlich Blutdruck, Blutzucker oder Cholesterin auf bestimmte Zielwerte abzusenken. Diese Werte müssen von Zeit zu Zeit gemessen werden (wir empfehlen: 1mal alle 3-6 Monate). Lassen Sie sich diese Werte von Ihrem Arzt sagen und prüfen Sie auch selber, ob Ihre Werte in Ordnung sind. Die jeweiligen Zielwerte finden Sie in der unten stehenden Tabelle. Vertrauen Sie Ihrem Arzt, aber: 4 Augen sehen mehr als 2!

Wenn Sie sich genauer über die Koronarerkrankung, Herzinfarkte, Behandlungen oder Untersuchungen informieren möchten besuchen Sie uns auch im Internet unter www.meinherzdeinherz.info. Wählen Sie hier die Rubrik „Wissen“, wo viele Informationsmaterialien für Sie bereit stehen.

Zielwerte

HBA1c ≤ 6.1 %
Nüchtern-Blutzucker < 110 mg-%
Selbst gemessener Nüchtern-Zucker 70 – 90 mg-%
Blutdruck < 130/80 mm Hg
Gesamt-Cholesterin < 175 mg-%
LDL-Cholesterin (= „böses“ Cholesterin) < 100 mg-%

Vorsorgeuntersuchungen

Was bedeutet „Vorsorgeuntersuchung“?

Es gibt Krankheiten, die sich erst in fortgeschrittenen Stadien bemerkbar machen. Krebserkrankungen z.B. machen sich oft erst dann bemerkbar, wenn der Tumor schon weit fortgeschritten ist und nicht mehr gut behandelt werden kann. Um diese bösartige Krankheit rechtzeitig zu erkennen, wenn noch sinnvolle Behandlungsmöglichkeiten bestehen werden die verschiedenen Krebsvorsorgeuntersuchungen angeboten.

Auch für Krankheiten des Herzens gilt, daß sie sich oft erst bemerkbar machen, wenn etwas Schlimmes passiert. Herzinfarkte oder Schlaganfälle treten oft ohne Vorwarnung und völlig überraschend auf. Der Sinn von Vorsorgeuntersuchungen des Herzens besteht darin, eine Durchblutungsstörung des Herzens (= Koronare Herzkrankheit) frühzeitig zu erkennen, wenn sie noch keine Beschwerden verursacht, um dann die schlimmste Folge dieser Krankheit, den Herzinfarkt rechtzeitig zu verhindern.

Um die Koronarkrankheit zu verstehen müssen Sie wissen, daß ihre Entstehung mit den

Risikofaktoren für das Herz

zusammenhängt.

Schlagadern des Körpers, Herzkranzarterien ebenso wie Gehirn-, Nieren- oder Beinarterien erkranken nicht aus Langeweile, sondern weil sie unter dem Einfluß von Risikofaktoren stehen. Zu solchen Risikofaktoren gehören:

  • Hoher Blutdruck
  • erhöhtes Cholesterin im Blut
  • die Blutzuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
  • Zigaretten rauchen
  • Übergewicht
  • körperliche Inaktivität
  • Herz- und Kreislaufkrankheiten (Herzinfarkt, Schlaganfall usw.) in der Familie (= Erbfaktoren)
  • Lebensalter
  • bestimmte Charaktereigenschaften der Menschen (Typ A-Verhalten)und
  • wahrscheinlich auch der Streß.

Bei allen Vorsorgeuntersuchungen des Herzens spielt die Suche nach diesen Risikofaktoren eine entscheidende Rolle.

Was gibt es für Vorsorgeuntersuchungen des Herzens?

Man unterscheidet 2 Formen:

  • Primäre Vorsorgeuntersuchungen
  • Sekundäre Vorsorgeuntersuchungen

Sekundäre Vorsorgeuntersuchungen (Sekundärprävention)

werden bei Menschen durchgeführt, von denen man weiß, daß sie schon herzkrank sind, weil sie Angina pectoris haben, einen Herzinfarkt, eine Bypass-Operation oder eine Ballonerweiterung überstanden haben.

Bei diesen Menschen geht es zum einen um die Feststellung, ob die schon bekannte Herzkrankheit stabil verläuft oder ob sie weiter fortgeschritten ist. Zum anderen muß geprüft werden, ob die Behandlung der Risikofaktoren ausreichend ist, um eine Verschlechterung der Krankheit zu verhindern.

Im Rahmen solcher Sekundärpräventionsuntersuchungen unterhält sich der Arzt mit Ihnen, um evtl. Veränderungen der Beschwerden zu erfragen oder um zu hören, ob Sie ihre Medikamente gut vertragen (Anamnese). Zusätzlich werden aber auch eine körperliche Untersuchung, ein EKG, Belastungs-EKG, Echokardiographie und bestimmte Blutuntersuchungen (Cholesterin (besonders LDL-Cholesterin), Nüchtern-Blutzucker bzw. bei Diabetikern: „Langzeit-Zuckerwert“ (HBA1c) durchgeführt.

Diese Untersuchungen sollten einmal jährlich durchgeführt werden. Sie sind kostenlos und werden auf Überweisung Ihres Hausarztes durchgeführt.

Primärprävention

Wenn man von Vorsorgeuntersuchungen spricht meint man aber in der Regel die Primärprävention Sie wird immer dann eingesetzt, wenn noch keine bekannte Herzerkrankung bekannt ist und wenn ein Mensch sich eigentlich noch wohl und gesund fühlt. In diesem Zusammenhang sollen 3 Fragen beantwortet werden:

  • Habe ich die Krankheit schon?
  • Bin ich gefährdet, die Krankheit zu bekommen?
  • Was kann ich tun, um den Ausbruch der Krankheit zu verhindern?

Sinnvollerweise geht man bei solchen primären Vorsorgeuntersuchungen stufenweise vor:

Am Anfang steht ein „Basisprogramm“, zu dem neben der Erhebung der Vorgeschichte mit der Frage nach Beschwerden, Vorkrankheiten und Risikofaktoren auch eine körperliche Untersuchung, ein EKG und die Bestimmung von bestimmten Blutwerten wie Cholesterin und Nüchtern-Blutzucker gehören. Dieses Basisprogramm ist für alle Versicherten von 35 Lebensjahren und älter alle 2 Jahre kostenlos („Check-up 35“).

Mit Hilfe dieser wenigen Untersuchungsergebnisse kann man Risikowerte berechnen, die das Risiko des Menschen beschreiben, zukünftig eine bedeutsame Herz- oder Gefäßkrankheit (z.B. Herzinfarkt, Schlaganfall) zu bekommen. Es gibt verschiedene Methoden, um solche Risikoberechnung durchzuführen, z.B. die PROCAM-Methode oder die Methode der europäischen Gesellschaft für Kardiologie (Eine andere Methode (FRAMINGHAM-Methode) sollte bei uns in Europa nicht angewendet werden, weil die Daten, auf denen die Auswertung beruht nur an amerikanischen Menschen erhoben wurden).

Ob man nachfolgend weitere Untersuchungen wie Belastungs-EKG, Szintigraphie oder die verschiedenen CT-Untersuchungen durchführen sollte hängt davon ab, wie hoch der Risikowert aus den Untersuchungen des Basisprogramms ist oder ob sich vielleicht schon mögliche Vorstadien der Koronarkrankheit gezeigt haben.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, daß viele Menschen enttäuscht sind, wenn sie ein solches sehr einfaches Basisprogramm absolvieren, denn sie stellen sich vor, daß im Rahmen einer solchen Vorsorgeuntersuchung zahlreiche Maschinen zum Einsatz kommen müßten. Sie denken dabei an ein Belastungs-EKG, eine Ultraschalluntersuchung des Herzens und der großen Schlagadern des Körpers, an CT- oder MRT-Untersuchungen. Wenn man ein solches Ansinnen hat sollte man bedenken:

  • Solche Zusatzuntersuchungen helfen bei primären (!) Vorsorgeuntersuchungen nicht weiter, denn sie liefern keine zusätzlichen Informationen. (Bei Verlaufsuntersuchungen (Sekundärprävention) ist das etwas ganz anderes!)
  • Check-up 35-Untersuchungen sind kostenlos, die zusätzlichen Untersuchungen hingegen nicht. Man muß sie selber bezahlen und sie sind z.T. ziemlich teuer.
  • Viele Anbieter solcher aufwendigen Vorsorgeuntersuchungen arbeiten auf kommerzieller Grundlage, d.h. sie möchten Geld verdienen.
  • Im Internet finden Sie viel gesichertes Wissen, aber ein sehr großer Teil dessen, was Sie hier lesen ist schlicht und einfach Reklame. Für Laien ist es oft schwer, die Werbe-Beiträge von den seriösen zu unterscheiden. Daher:

Wenn Sie an eine Vorsorgeuntersuchung denken lassen Sie sich von einem Arzt Ihres Vertrauens beraten: Was muß man machen und was ist entbehrlich?

Wenn Sie sich für Vorsorgeuntersuchungen interessieren können Sie eine ausführliche Broschüre (werbe-frei, denn ich verdiene nix daran!) bekommen, wenn Sie hier klicken (www.meinherzdeinherz.info und dann „Untersuchungen“)

 

Herzkatheter oder Szintigraphie?

Ich möchte Sie hier kurz über 2 Untersuchungsmethoden informieren, die in der Kardiologie sehr wichtig sind:

Herzkatheteruntersuchung

Eine Herzkatheteruntersuchung wird meistens durchgeführt, um Herzkranzgefäße genau untersuchen zu können.

Die Herzkranzarterien sind dafür zuständig, daß der Herzmuskel mit Blut, Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird. Es gibt eine Arterie, die die Vorderwand des Herzens, eine weitere Arterie, die die Hinterwand und eine weitere Arterie, die die Seitenwand des Herzens versorgt. Diese 3 Gefäße sind sehr dünn (am Ursprung ca. 4 mm dick) und liegen auf der Außenseite des Herzens. Man kann sie weder auf einem normalen Röntgenbild des Herzens noch im Ultraschall erkennen.

Um diese Gefäße sehen zu können muß man sie mit Kontrastmittel anfüllen und sie dann röntgen. Genau hierzu ist die Herzkatheteruntersuchung da:

Der Arzt führt einen dünnen Plastikschlauch (= „Herzkatheter“) von einer kräftigen Schlagader in der rechten Leiste aus bis zum Herzen vor. Um den Katheter in die Leistenarterie einführen zu können wird die Haut über der Arterie betäubt, damit der Einstich in das Gefäß mit einer Nadel nicht weh tut. Den Weg des Katheters von der Leiste zum Herzen spürt man nicht, denn die Adern, durch die der Katheter „läuft“ sind an den Innenseiten taub und gefühllos. Der Arzt beobachtet den Lauf des Katheters im Röntgenbild und kann den Katheter dadurch stets in die richtige Richtung lenken. Am Herzen angekommen wird die Spitze des Katheters in die Herzkranzgefäße eingeführt. Danach spritzt der Arzt das Kontrastmittel in das Gefäß und filmt, wie sich die Adern anfärben. Indem er diese Kontrastmittelanfüllung aus verschiedenen Richtungen filmt kann er Verengungen oder Verschlüsse der Gefäße genau erkennen. Ebenfalls wird er die linke Herzkammer mit Kontrastmittel anfüllen, damit er genau sehen kann, ob der Herzmuskel überall kräftig arbeitet, ob er durch verengte Gefäße bereits geschädigt ist und wie die Herzklappen arbeiten.

Man spürt von einer Herzkatheteruntersuchung nur 3 Dinge: Den Einstich zur lokalen Betäubung in der Leiste, die Kontrastmittelfüllung der Herzkammer in Gestalt eines „sonderbaren“ (keinesfalls unangenehmen) Wärmegefühls im ganzen Körper einschließlich in Blase und Darm sowie in manchen Fällen Herzstolpern oder Herzklopfen, das auftritt, wenn der Arzt die Herzkammer von innen mit dem Katheter berührt. Alle anderen Dinge, d.h. den Weg des Katheters von der Leiste zum Herzen oder die Einspritzung nur kleiner Kontrastmittelmengen in die Herzkranzgefäße werden Sie nicht bemerken!

Während der gesamten Untersuchung werden laufend Ihr Blutdruck und Ihr EKG überwacht. Dennoch sind Komplikationen wie Entzündungen des Herzens, Blutergüsse in der Leistengegend, Herzinfarkt, Schlaganfall oder schwerwiegende Herzrhythmusstörungen möglich. Bedrohliche Untersuchungskomplikationen treten aber nur sehr selten (weniger als 1mal bei 1.000 Untersuchungen) auf.

Herzkatheteruntersuchungen sind heute Routineuntersuchungen, die sehr sicher sind und jeden Tag viele Tausend Mal durchgeführt werden. Ob eine solche Untersuchung ambulant durchgeführt werden kann (Sie kommen 4 Stunden nach der Untersuchung wieder nach Hause) oder ob sie im rahmen eines kurzen Krankenhausaufenthaltes durchgeführt werden sollte wird der Arzt vor der Untersuchung mit Ihnen besprechen.

Szintigraphie

Im Gegensatz zu einer Herzkatheteruntersuchung ist eine Szintigraphie vollkommen harmlos. Man kann bei dieser Untersuchung allerdings keine Herzkranzgefäße sehen, sondern man untersucht „nur“ die Durchblutung des Herzmuskels und sucht nach vielleicht bislang unentdeckten Narben.

Hierzu wird zunächst ein Belastungs-EKG durchgeführt. Am Ende der Belastung wird eine geringe radioaktiven Kontrastmittels in eine Vene des Armes eingespritzt.

Dieses Kontrastmittel ist so beschaffen, daß es mit dem Blutstrom zum Herzen und durch die Herzkranzarterien in den Herzmuskel fließt. Hier sammelt es sich nach ca. 1 Stunde an und hält sich für etwa 1-2 Stunden im Herzmuskel fest. Nach der „Verteilungsphase“ von etwa 1 Stunde werden Sie unter eine Spezialkamera gelegt, die im Verlauf von etwa 20 Minuten um Ihren Brustkorb fährt und dabei photographiert, wie sich das Kontrastmittel im Herzmuskel verteilt hat. Hierdurch stellt man die Durchblutung des Herzmuskels unter Belastung dar.

Am folgenden Tag wird man die Untersuchung wiederholen, dieses Mal jedoch ohne Belastungstest, d.h. es wird Kontrastmittel in die Vene eingespritzt und nach etwas 2 Stunden wiederum photographiert, wie es sich im Herzmuskel verteilt hat.

Die Grundüberlegung dieser Untersuchung besteht darin, daß sich das Kontrastmittel im Normalfall gleichmäßig in allen Teilen des Herzmuskels verteilen sollte. Wenn eine der Herzkranzgefäße verengt ist fließt durch diese verengte Ader weniger Kontrastmittel zum Herzmuskel als in den anderen gesunden Gefäßgebieten. Man kann dann auf den Photographien sehen, daß an bestimmten Stellen weniger Kontrastmittel ankommt als an deren Stellen. Dies ist keinesfalls ein Beweis dafür, daß die in dieses vermindert angefärbte Gebiet führende Herzkranzarterien verengt ist, aber ist ein dringender Verdachtsmoment, der dann in der Regel unbedingt durch eine Herzkatheteruntersuchung geklärt werden muß.

Eine Szintigraphie liefert anders als eine Herzkatheteruntersuchung keine 100%ige Gewissheit über den Zustand Ihrer Kranzgefäße. Es gibt Menschen, bei denen die Untersuchung Durchblutungsstörungen „vortäuscht“, obwohl die Herzkranzgefäße vollkommen gesund sind und es gibt Menschen, bei denen die Untersuchung eine vielleicht tatsächlich vorliegende Gefäßverengung und Durchblutungsstörung fälschlicherweise nicht erkennt. Die Treffsicherheit einer Szintigraphie liegt daher im Gegensatz zu einer Herzkatheteruntersuchung (100%) nur bei 80 – 85%.

Gibt´s da nicht noch etwas anderes?

Gibt es und zwar in Form einer „Streß-Echokardiographie“, einer MRT- oder CT-Untersuchung:

Beim Streß-Echo wird der Patient belastet. Die ideale Belastungsform ist die auf dem Fahrradergometer (ebenso wie beim Belastungs-EKG), ist dies aber nicht möglich verwendet man Medikamente, die man während der Untersuchung als Infusion gibt und die das Herz „chemisch“ antreiben. Man sieht sich die linke Herzkammer dann im Ultraschall an und beobachtet, ob sich bestimmte Herzwände unter der Belastung schlechter bewegen als in Ruhe. In einem solchen Fall geht man davon aus, daß diese Wand schlechter mit Blut versorgt wird und daß die Ader, die diese wand mit Blut versorgt verengt oder sogar verschlossen ist. Die Ader selber kann man nicht sehen.

Ein MRT (Magnet-resonance-Tomographie) ist die bildliche Darstellung des Herzens mit einem speziellen CT-Gerät. Dieses Gerät arbeitet ohne Röntgenstrahlen und stellt das Herz (und viele andere Organe und Körperteile) mit Hilfe eines sehr starken Magneten dar. wird der Magnet eingeschaltet so richten sich alle Atome des Körpers in einer bestimmten Richtung aus; schaltet man den Magneten ab so trudeln die Atome wieder in ihre ursprüngliche Bewegungsrichtung. Bei dieser Rückbewegung werden winzige Energiemengen frei, die von anderen großen Magneten aufgefangen und dann nachfolgend elektronisch verarbeitet werden. Aus dieser elektronischen Verarbeitung entstehen die MRT-Bilder.

Mit einer MRT-Untersuchung kann man die Adern sehen, die Qualität der Bilder ist allerdings nicht sehr gut. Der Hauptgrund zur Durchführung der Untersuchung ist ebenso wie beim Streß-Echo die Beobachtung der Bewegungen der einzelnen Herzwände unter Belastung. Aus einer evtl. Bewegungsstörung kann man (ebenso wie beim Streß-Echo) folgern, daß die Durchblutung dieser Wand durch eine verengte oder verschlossene Ader gestört ist. Weil ein Fahrradergometer in der Nähe der starken Magneten eines MRT-Gerätes nicht funktionieren würde benutzt man für die Belastung des Herzens bei dieser Untersuchung ausschließlich Medikamente.

Man kann zudem auch für eine MRT-Untersuchung Kontrastmittel einspritzen. Mit Hilfe dieses Kontrastmittels kann man Narben des Herzmuskels (z.B. nach Entzündungen oder Herzinfarkten) sehen und auch Durchblutungsstörungen feststellen, wenn man nämlich sieht, daß das Kontrastmittel verlangsamt von der Außen- zur Innenschicht des Herzens wandert.

Und dann gibt es schließlich noch das Röntgen-CT. Ich möchte nicht genauer darauf eingehen, denn es erfordert den Einsatz eines „normalen“ Röntgenkontrastmittels ud ist mit einer relativ hohen Röntgen-Strahlenblastung verbunden. Die Technik des Röntgen-CTs wird aber immer besser, denn die großen Hersteller dieser Geräte arbeiten mit Hochdruck daran.

Ja was denn nun? Herzkatheter, Streß-Echo oder MRT?

Man kann diese Frage nicht pauschal beantworten, denn sie hat etwas mit „Wahrscheinlichkeit“ zu tun:

Jeder Arzt setzt bei seiner Suche nach der Ursache von Beschwerden solche „Wahrscheinlichkeiten“ ein. Kommt man beispielsweise zum Arzt und klagt über Schmerzen im linken Daumen dann fragt der Arzt danach, wobei diese Schmerzen angefangen haben und er wird sich ansehen, die der Daumen aussieht. Berichtet der Patient darüber, daß die Schmerzen angefangen hätten als er versucht hat ein Bild an der Wand aufzuhängen und dabei mit dem Hammer gearbeitet habe und sieht der Arzt einen roten Daumennagel dann ist die Sache klar: Hammerschlag auf den Daumen = Diagnose klar.

Berichtet aber jemand z.B. über Schmerzen in der linken Brustseite dann kann dies verschiedene Ursachen haben: Natürlich das Herz, aber es könnte ebenso eine Wirbelsäulenkrankheit, eine Säure-Reizung der Speiseröhre infolge eines undichten Ventils zwischen Magen und Speiseröhre, eine Reizung der Knorpelstückchen zwischen Rippen und Brustbein oder eine Reizung der weiblichen Brust sein. Aus verschiedenen Informationen wird der Arzt nun versuchen, die Wahrscheinlichkeit dafür zu bestimmen, daß eine der in Frage kommenden Ursachen verantwortlich ist.

Ist die Wahrscheinlichkeit dafür, daß es das Herz ist sehr groß wird er keine andere Untersuchung anordnen müssen als eine Herzkatheteruntersuchung, denn nur hier sieht man mit 100%iger Gewissheit die Herzkranzgefäßverengung und kann sofort auch die notwendige Behandlung (Medikamente, Ballonerweiterung mit Stent-Einpflanzung oder Bypass-Operation) festlegen.

Ist die Wahrscheinlichkeit für eine Herzkrankheit sehr gering wird wahrscheinlich keine der genannten Untersuchung erforderlich sein.

Ist die Wahrscheinlichkeit für eine Herzkranzgefäßerkrankung aber mittelmäßig groß dann kommt eine der genannten Untersuchung (Streß-Echo, MRT oder CT) in Betracht. In dieser Situation dienen diese Untersuchungen zu nichts anderem als zur Klärung der Frage, ob die Herzkranzgefäße ein Problem haben oder nicht. Welche dieser Untersuchungen der Kardiologe empfiehlt oder sogar selber durchführt hängt sehr stark davon ab, welche Erfahrung er mit den einzelnen Untersuchungen hat und welches Risiko (auch Strahlenrisiko) die einzelnen Untersuchungen haben. Ist die Untersuchung auffällig und deutet auf ein Problem mit den Herzkranzadern hin dann muß die Herzkatheteruntersuchung stets der nächste Schritt sein. Es hat also keinen Sinn, z.B. ein Streß-echo durchführen zu lassen, wenn man (aus welchen Gründen auch immer) nachfolgend nicht ggfs. auch eine Herzkatheteruntersuchung durchführen ließe.

Und à propos Streß-Echo:

In vielen Fällen kann das Streß-Echo keine vernünftigen Ergebnisse liefern, denn Herzpatienten sind oft schwer zu beschallen. Dies liegt daran, daß die Lungen oft durch langjähriges Rauchen geschädigt sind und viel lufthaltige Lunge über dem Herzen liegt, was für eine Ultraschalluntersuchung sehr ungünstig ist. Oder daß die Patienten stark übergewichtig sind, sodaß die Ultraschallstrahlen auf dem Weg zum und vom Herzen weg durch die Fettschicht stark abgeschwächt werden und dadurch schlechte Bilder erzeugt werden. Auch solche Faktoren müssen berücksichtigt werden, wenn man sich entscheiden muß, welche Untersuchung man anwenden muß, um zu Klären, ob das Herz krank ist oder nicht. Man sollte solche Untersuchungen daher immer mit einem Kardiologen besprechen und sich dabei die Vor- und Nachteile der einzelnen Untersuchungen erklären lassen.

Wenn Sie mehr über die erwähnten Untersuchung wissen möchten und vielleicht auch kurze Filme über das Aussehen der Herzkranzgefäße oder die typischen bunten Szintigraphiebilder gesunder und kranker Herzen sehen möchten gehen Sie doch mal auf die website „www.meinherzdeinherz.info“ und klicken Sie auf „wissen“.

 

Brustschmerzen

Brustschmerzen können verschiedene Ursachen haben. Auch wenn man Schmerzen in der Gegend des Herzens verspürt bedeutet dies noch nicht automatisch, daß das Herz auch die Ursache ist. Auch Sodbrennen, die Erhöhung des Blutdrucks oder Reizungen der Muskeln, Knochen oder Bänder des Brustkorbes und der Schultern können Ursache für Schmerzempfindung im Brustkorb sein.

Weil Brustschmerzen aber auch Ausdruck einer Herzkrankheit (z.B. bei verengten Herzkranzarterien) sein können und weil solche Herzkrankheiten zu Herzinfarkt oder Herzschwäche führen können muß man solche Beschwerden weiter klären. Dabei muß man versuchen, eine Herzkrankheit als Ursache der Schmerzen zu finden, gefährliche Krankheiten zu beseitigen und die Schmerzen nach Möglichkeit abzustellen.

Diese Abklärung erfordert meistens mehrere ärztliche Fachrichtung, z.B. die Kardiologie, Orthopädie oder Magen-Darm-Heilkunde. In der Regel wird man, weil dies die gefährlichsten Ursachen wäre zunächst einen Kardiologen einschalten.

Hier werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt, die man in ein „Basis-“ und ein „erweitertes“ Programm einteilt:

Das Basis-Programm besteht zunächst in einer Unterhaltung zwischen Ihnen und dem Kardiologen (Erhebung der Anamnese). Hierbei befragt er sie nach der Art Ihrer Beschwerden, wann Sie auftreten, wie lange Sie sie schon haben, wodurch sie ausgelöst werden, welche Krankheiten Sie schon einmal hatten und ob es Risikofaktoren für eine Durchblutungsstörung des Herzens gibt.

Bei einer körperlichen Untersuchung wird Ihr Herz abgehorcht und dabei nach Herzgeräuschen gesucht, die Lunge wird ebenfalls abgehört und die Pulse der Schlagadern an Armen, Beinen und am Hals werden betastet und abgehört. Und schließlich untersucht der Arzt, ob sich Ihre Schmerzen dadurch auslösen lassen, daß bestimmte Stellen der Brustwand und der Gegend vor dem Herzen auf Druck schmerzen.

Im Ruhe-EKG sucht der Kardiologe nach der Art, wie Ihr Herz elektrisch arbeitet, ob es Narben nach früheren (vielleicht unbemerkt aufgetretenen) Herzinfarkten gibt oder ob die Wände des Herzens z.B. durch hohen Blutdruck verdickt sind.

Besonders wichtig ist das Belastungs-EKG, denn mit dieser Untersuchung kann der Kardiologe nicht nur Ihre körperliche Verfassung abschätzen, sondern er kann u.U. Veränderungen der Kurve sehen, wie man sie typischerweise bei Durchblutungsstörungen des Herzmuskels findet.

Wenn dies nicht schon kurz vorher durch den Hausarzt durchgeführt worden war wird er auch Blut abnehmen, um das sog. Risikofaktoren (z.B. Cholesterin, Blutzucker, Nierenfunktion, Gehalt des Blutes an Blutfarbstoff) zu erfassen.

Am Ende dieser Untersuchungen hat der Kardiologe einen Eindruck davon, ob tatsächlich eine Herzkrankheit vorliegen könnte oder zunächst erst nach anderen Ursachen (undichtes Ventil schwachen Magen und Speiseröhre mit Rückfluß von Magensäure in die Speiseröhre oder Wirbelsäulenerkrankungen mit Reizung der Brustwandnerven) vorliegen.

Hält er eine Herzkrankheit für wenig wahrscheinlich wird er vorschlagen, daß zunächst Ärzte anderer Fachrichtungen untersuchen, hält er aber eine Herzkrankheit für möglich und wahrscheinlich wird er ein „erweitertes“ Untersuchungsprogramm einleiten.

Zu den Untersuchungen dieses erweiterten Programm gehören u.U. eine Myokardszintigraphie, ein Streß-Echo, eine CT- oder MRT-Untersuchung des Herzens  oder auch eine Herzkatheteruntersuchung.

Welche Untersuchungen notwendig sind, wie sie durchgeführt werden, was Sie davon spüren und welche Risiken, aber auch welchen Nutzen sie haben haben wird der Arzt ausführlich mit Ihnen besprechen.

Es versteht sich von selbst, daß Sie Fragen, die Sie haben mit Ihrem Kardiologen oder Hausarzt besprechen sollten. Stimmen Sie keiner Untersuchung zu, bevor Sie deren Sinn nicht verstehen. Es ist aber wichtig, daß Sie die folgenden Dinge wissen:

  • Solange die Untersuchungen, die Ihnen der Arzt vorgeschlagen haben nicht durchgeführt worden sind ist die Ursache Ihrer Brustschmerzen noch unklar.
  • Erst wenn er die Diagnose kennt (und sei es, daß es das Herz nicht ist) kann er mit der Behandlung beginnen. Solange die Ursache Ihrer Schmerzen noch unklar ist kann man nicht sagen,
    • ob eine schwerwiegende, d.h. gefährliche Krankheit vorliegt
    • wie Ihre Beschwerden gelindert oder beseitigt werden können und
    • was man tun kann und muß, um evtl. Gefahren für Ihre Gesundheit und Ihr Leben zu beseitigen.

Vor einigen Untersuchungen, die Ihnen der Kardiologe vorschlägt (z.B. die Herzkatheteruntersuchung oder die Myokardszintigraphie mit Einspritzung radioaktiven Kontrastmittels) werden Sie sich vielleicht fürchten, weil Sie diese Untersuchungen für gefährlich halten. Sicherlich haben solche Spezialuntersuchungen tatsächlich gewissen Risiken. Verglichen mit den Gefahren, die Ihre Herzkrankheit hat, wenn sie ohne weitere Untersuchungen nicht behandelt werden kann sind die Risiken der Untersuchung aber verschwindend klein. Die Untersuchungen sind somit „das kleinere Übel“.

Alle Untersuchungen, die gerade erwähnt wurden sind heutzutage „medizinischer Standard“, d.h. sie sind schon bei vielen Tausend Menschen mit großer Sicherheit angewandt worden und die Ärzte, die sie durchführen sind geübt und erfahren.

Vielleicht sind Sie am Ende des Gespräches mit dem Kardiologen noch unsicher und müssen es sich noch überlegen, ob Sie die vorgeschlagenen Untersuchungen durchführen lassen oder nicht. Vielleicht möchten Sie sich mit Menschen Ihres Vertrauens (z.B. mit Familienmitgliedern, Verwandten, Bekannten, mit Ihrem Hausarzt) besprechen oder einen anderen Kardiologen um seine Meinung fragen.

Sie müssen sich wegen dieser Unsicherheit nicht schämen und Sie müssen keineswegs das Gefühl haben, als würde sich der Kardiologe nicht mehr um Sie kümmern, wenn Sie seinem Rat nicht sofort folgen. Sagen Sie dem Arzt , wenn er Ihnen eine solche Untersuchung vorschlägt ruhig, daß Sie für Ihre Zustimmung noch Zeit benötigen. Wenn Sie diese Zeit nicht haben (z.B. weil das Problem Ihres Herzens bereits nach den 1. Untersuchungen offenkundig und dringend ist) wird Ihnen der Arzt das sofort sagen. Ansonsten wird jeder vernünftige Arzt Verständnis dafür haben, wenn Sie überlegen müssen oder eine Zweitmeinung einholen möchten. (Wenn er dafür kein Verständnis hat: Wechseln Sie den Arzt!).

Bitten Sie ihn auch, einen Bericht anzufertigen, der entweder per Fax oder per Post an Ihren Hausarzt geschickt wird oder den Sie sofort mitnehmen können. Mit Hilfe dieses Berichtes kann sich Ihr Hausarzt dann über Ihre Untersuchungsergebnisse informieren, sodaß Sie sich mit ihm beraten können.

Sie haben natürlich auch die Möglichkeit, sich über das Internet zu informieren. Besuchen Sie dazu einfach meine Internet-Seite (www.meinherzdeinherz.info) und sehen Sie hier unter der Rubrik „Wissen“ nach, welche ausführlichen Broschüren ich hier für Sie schon geschrieben haben. Interessant könnten für Sie die folgenden Broschüren sein:

  • Was Sie über die koronare Herzkrankheit wissen sollten
  • Was Sie über einen Herzinfarkt wissen sollten
  • Untersuchungsmethoden des Herzens