Koronare Herzkrankheit

Bei der „koronaren Herzkrankheit“ (oder abgekürzt: KHK) handelt es sich um eine Krankheit, die zu Verengungen oder sogar Verschlüssen von Herzkranzgefäßen geführt hat. Man wird mit dieser Krankheit leben müssen und man wird gut damit leben können! Aber man muß verschiedene Dinge wissen:

WIE IST ES DAZU GEKOMMEN?

Herzkranzgefäße werden, wie alle anderen Schlagader des Körpers übrigens auch, nicht vor lauter Langeweile krank. Vielmehr ist es so, daß sich unter dem Einfluß sogenannter Risikofaktoren (Zigarettenrauchen, erhöhte Blutfettwerte, Blutzucker-, Bluthochdruckkrankheit oder Erbfaktoren) Ablagerungen aus Fett in den Gefäßwänden gebildet haben. Diese Ablagerungen sind über viele Monate und Jahre gewachsen, ohne daß Sie etwas davon bemerkt haben und haben zu Verengungen oder sogar Verschlüssen geführt.

WIE WIRD WEITER BEHANDELT?

Egal ob Sie eine Ballonerweiterung (PTCA) haben über sich ergehen lassen müssen, ob Stents implantiert wurden oder sogar eine Bypass-Operation durchgeführt wurde oder nicht:

Das Grundprinzip der Behandlung ist immer gleich, denn sie verfolgt 3 Ziele:

  1. Sie soll Ihre Beschwerden lindern,
  2. sie soll dafür sorgen, daß die Krankheit keinen für Sie schlimmen Verlauf (wie z.B. einen Herzinfarkt) nimmt und
  3. sie soll dafür sorgen, daß die Krankheit nicht weiter fortschreitet und dabei vielleicht Gefäßstellen befällt, die heute noch gesund sind.

Diese Ziele werden durch Medikamente und durch Ihr Verhalten erreicht.

Sie werden mit Medikamenten behandelt werden müssen. Es wird nicht nur 1 Medikament sein, das Sie einnehmen müssen, sondern vielleicht viele. Alle diese Medikamente sind bei Menschen, die auch Ihre Krankheit haben seit vielen Jahren im Einsatz und Ihre Ärzte wissen, daß sie sicher und gut sind.

Einige Menschen fragen sich morgens, wenn sie vor ihrer Medikamentensammlung sitzen, die sie über den Tag einnehmen müssen, ob das wirklich alles sein muß. Und viele lehnen diese Medikamente auch ab, weil sie sagen: „Ich habe etwas gegen Chemie!“ Sie werden vielleicht auch einmal die eine oder andere Tablette weglassen, ohne daß irgendetwas passiert wäre. Aber wenn Sie das öfters machen müssen Sie wissen, daß Sie gefährlich leben! Denn die meisten der Medikamente, die Sie nehmen müssen dienen nicht dazu, Ihr Wohlbefinden zu steigern oder Beschwerden zu lindern, sondern Sie dienen dem Zweck, das Fortschreiten der Krankheit zu verhindern und Sie länger leben zu lassen. Und diesen Schutz verlieren Sie, wenn Sie die Medikamente weg lassen! Wenn Sie Zweifel an Ihren Medikamenten oder an der Menge, die Sie einnehmen müssen haben: Lassen Sie sie nicht einfach weg oder werfen Sie sie nicht in den Mülleimer, sondern fragen Sie Ihren Hausarzt oder Ihren Kardiologen. Es ist wichtig, wirklich!

Und dann sind da Ihre Risikofaktoren. Sie werden es ja sicherlich schon wissen, aber wir schreiben es hier trotzdem noch einmal auf:

Die strenge Einstellung Ihres Blutdruckes (mit Medikamenten!), die Normalisierung Ihrer Blutzuckerkrankheit und Ihrer Cholesterinwerte (mit Medikamenten!) wird Ihr Leben verlängern, daran gibt es auch nach vielen wissenschaftlichen Untersuchungen keinen Zweifel.

Versuchen Sie, mit dem Zigarettenrauchen aufzuhören, es gibt Beratungs- stellen und Hilfsangebote Ihrer Krankenkasse, es gibt Nikotinpflaster, eZigaretten oder Rauchentwöhnungs-Tabletten und es gibt (auch für Frauen!) die Möglichkeit, die Entzugsphase durch Pfeiferauchen zu überbrücken (wenn schon etwas qualmen sein muß).

Ernähren Sie sich bewußt und gesund, auch hierzu gibt es Kurse bei den Krankenkassen oder bei der Volkshochschule. Vermindern Sie, wenn Sie übergewichtig sind langsam aber sicher Ihr Gewicht. Es ist mühsam und vielleicht unerfreulich und es wird Rückschläge geben. Aber geben Sie nicht auf und starten Sie einen neuen Versuch. Und schließlich:

Bewegen Sie sich. Kaufen Sie sich keinen Heimtrainer und fangen Sie nicht mit dem Joggen an! Aber gewöhnen Sie es sich an, mindestens 1mal am Tag über 20 – 30 Minuten zu laufen, gehen Sie an die frische Luft und lassen Sie für kurze Wege Ihr Auto einfach mal stehen. Und wenn Sie es besonders gut machen möchten: Gehen Sie 2mal wöchentlich ins Schwimmbad oder in Fitness-Studio und trainieren Sie hier Ihre Ausdauer. Sie werden sehen: Automatisch werden Blutzuckerkrankheit, Bluthochdruck, Blutfettwerte und Gewicht besser. Und besser fühlen werden Sie sich auch noch. Sagen Sie nicht: „Das kann ich nicht, ich hab ́s nämlich am Knie, an der Hüfte, im Kreuz usw.“. Ich bitte Sie: Wir Ärzte kennen diese Ausreden, denn es sind wirklich Ausreden. Sie müssen kein Training für die Bundesliga oder die nächste Olympiade absolvieren und selbst wenn Sie sich nur ein wenig belasten können: Wenig ist mehr als nichts!

WAS MUß ICH BEACHTEN?

Trotz aller Medikamente und auch wenn Sie sich genau nach den Empfehlungen Ihrer Ärzte richten: Es kann immer sein, daß sich die Krankheit weiter entwickelt. Das ist nicht sehr wahrscheinlich, wenn Sie nicht gerade weiter sündigen, aber geschehen kann es trotzdem. Beachten Sie daher, daß es bestimmte Symptome gibt, die Sie alarmieren müssen:

  • Brustschmerzen, die Sie bis dahin nicht kannten,
  • Brustschmerzen, die schlimmer und heftiger sind als bisher,
  • Luftnot bei Anstrengungen, die Ihnen bisher nicht ausgemacht haben,
  • starkes und angenehmes Herzklopfen,
  • Schwindel oder sogar Ohnmachtsanfälle.

Wenn Sie solche Veränderungen bemerken: Gehen Sie möglichst sofort zu Ihrem Hausarzt, zu Ihrem Kardiologen oder lassen Sie sich (wenn es nachts oder an Samstagen, Sonn- oder Feiertagen passiert) ins das nächste Krankenhaus bringen. Es könnte ein Herzinfarkt sein!

Niemand von Ihren Ärzten oder im Krankenhaus wird lachen oder mit Ihnen schimpfen, wenn es „falscher Alarm“ war. Aber wenn es kein falscher Alarm war retten Sie sich damit das Leben, denn Herzinfarkte, die ja die schlimmste Komplikation Ihrer Krankheit sind können heute gut und sicher behandelt werden, wenn Sie schnell genug (d.h. innerhalb von 4 Stunden nach Schmerzbeginn!) in die richtige Behandlung kommen.

MUß ICH KONTROLLIERT WERDEN?

Ja, und zwar regelmäßig. Nicht mit dem Herzkatheter, denn der wird nur dann durchgeführt, wenn sich an Ihrem Zustand oder an Ihren Befunden etwas Grundlegendes verändert.

Die Kontrollen, denen Sie sich unterziehen sollten bestehen vielmehr aus einem Gespräch mit Ihnen darüber, wie es Ihnen geht und ob Sie Beschwerden haben, aus einer körperlichen Untersuchung, aus EKG, Belastungs-EKG, Ultraschall- untersuchung des Herzens und Laborwertkontrollen von Zucker und Cholesterin. Lassen Sie alle 3 Monate Blutdruck und Blutwerte durch Ihren Hausarzt kontrollieren und gehen Sie regelmäßig zu Ihrem Kardiologen (die Intervalle, in denen Sie kommen sollten wird er Ihnen sagen). Bringen Sie dazu bitte die letzten Blutwerte mit, die der Hausarzt bestimmt hat.

Solche Kontrolluntersuchungen sind wichtig, denn wir wollen damit erkennen, ob die Krankheit bei Ihnen stabil verläuft oder ob sie sich verschlechtert, ob Sie ihre Medikamente gut vertragen oder ob Nebenwirkungen auftreten und ob Ihre Risikofaktoren gut eingestellt sind.

Wenn Sie sich genauer über Ihre Herzkrankheit informieren möchten: Besuchen Sie uns im Internet unter www.meinherzdeinherz.info und sehen Sie in dem Kapitel „Wissen“ nach weiteren Informationen, die Sie hier kostenlos bekommen.

Nach einer PTCA und Stent

Eine Ballonerweiterung wird durchgeführt und ein Stent wird eingepflanzt, wenn man an einer Krankheit mit dem Namen „Koronare Herzkrankheit“ oder abgekürzt „KHK“ leiden. Es ist auch möglich, daß diese Behandlung im Rahmen eines Herzinfarktes durchgeführt wurde.

Was ist bei der Ballonerweiterung geschehen?

Der Ballon bzw. der Stent ist gesetzt worden, um einer Verengung in einer Herzkranzarterie aufzuweiten. Dabei ist das Material (es handelt sich um Fettgewebe) zerdrückt und verteilt worden. Das Ganze funktioniert so ähnlich wie das mit der Fliege und der Fliegenklatsche: Wenn man eine Fliege mit der Klatsche erschlägt, dann wird die Fliege natürlich nicht beseitigt, sondern sie wird nur platt gedrückt. Genau dasselbe ist bei einer Ballonerweiterung geschehen: Das Fettgewebe, daß sich an einer umschriebenen Stelle befand ist platt gedrückt und verteilt worden. Dies hatte zur Folge, daß die Verengung beseitigt und das Gefäß erweitert wurde.

Bei einer solchen Ballonerweiterung muß der Arzt große Gewalt auf die Verengung ausüben, um den Fett-“Knubbel“ zu zerdrücken: 10 – 15 atü (zum Vergleich: Ein Autoreifen wird mit 1.0 – 1.5 atü aufgeblasen!). Bei einem solchen Druck wird das Gefäß verletzt und es kommt zu kleinen Einrissen in der Gefäßwand. Das ist an sich nicht weiter schlimm. Aber durch solche kleinen Mini-Verletzungen wird die Gefäßwand gereizt und es gibt nun Menschen, deren Körpergewebe auf solche Reizungen und Verletzungen mit überschießenden Narbenbildungen reagiert. Denken Sie beispielsweise an Operations- oder Verletzungsnarben, an denen sich im Laufe der Zeit „wildes Fleisch“ bildet und die Narbe häßlich aussehen läßt. Solches wildes Fleisch kann auch als Folge der Ballonverletzung in den Gefäßen entstehen, was zur Folge hat, daß sich das Gefäß erneut verengt. Eine solche erneut auftretende Verengung (= „Re-Stenose“) tritt nach einer einfachen Ballonerweiterung bei 30-40% aller Menschen im Laufe von 2-3 Monaten auf. Um solche Wiederverengungen zu verhindern sind Stents erfunden worden.

Stents

Stents sind kleine Röhrchen aus Stahl, die mit Hilfe des Ballons in die Gefäßwand eingepreßt werden und die hier zeitlebens verbleiben. Kurz nach der Einpflanzung eines solchen Stents liegen die Maschen des Drahtgeflechts noch frei im Blut; nach etwa 4 Wochen ist der Stent aber eingeheilt und innen von einem feinen Häutchen bedeckt, sodaß das Blut nun nicht mehr in Kontakt mit dem Metall kommen kann.

Um zu verhindern, daß das Blut durch den direkten Kontakt mit dem Metall des Stents gerinnt und ein so entstehendes Blutgerinnsel den Stent akut verschließt (was einen schweren Herzinfarkt zur Folge hätte) muß man in den ersten 4 Wochen nach der Stent-Einpflanzung 2 Medikamente einnehmen, die diese Blutgerinnung verhindern: Aspirin (oder ASS) und Medikamente mit dem Namen Clopidogrel, Plavix®, Iscover® oder Efient® behindern die Verklumpung von Blutplättchen und damit die Blutgerinnung. Diese „doppelte“ Medikamenteneinnahme zur Blockierung der Plättchenfunktion nennt man „duale Aggregationshemmung“. 4 Wochen nach der Implantation eines Stents kann man die Einnahme des 2. Medikamentes beenden, weil der Stent nun eingeheilt ist. Aspirin muß man aber lebenslang weiter einnehmen müssen.

Auch mit der Verwendung solcher Metall-Stents (= BMS = bare metal stent) besteht die Möglichkeit, daß es zur Bildung wilden Fleisches und damit zur erneuten Gefäßverengung kommt. Das geschieht nun aber sehr viel seltener als bei einfachen Ballonerweiterungen, dennoch können noch etwa 10-20% aller Stent-Patienten solche Re-Stenosen bekommen.

Um auch dies zu verhindern sind andere Stents erfunden worden, die über einen gewissen Zeitraum bestimmte Medikamente freisetzen, die vom Stent aus in die Gefäßwand eindringen und hier die Neubildung des wilden Fleisches verhindern. Solche Stents nennt man „medikamenten-freisetzende Stents“ oder „DES“ (= drug eluting stent). Sie verhindern die Wiederverengung des Stents sehr zuverlässig. Weil sie aber die Einheilung des Stents verzögern liegen bei diesen DES die Metallmaschen des Stents über einen sehr langen Zeitraum frei im Blut. Man schätzt, daß es ein halbes Jahr, vielleicht sogar noch länger dauer, bis solche Stents eingeheilt sind. Daher ist es bei diesen Stents von großer Bedeutung, daß Sie die beiden Medikamente (Aspirin oder ASS einerseits und Clopidogrel, Plavix®, Iscover® oder Efient® andererseits ununterbrochen für etwa 1/2 Jahr einnehmen.

Nachuntersuchungen

Nachuntersuchungen sind sehr wichtig. Sie haben 2 Aufgaben:

  1. Sie sollen klären, ob es innerhalb des mit der Ballonerweiterung oder dem Stent behandelten Gefäßabschnitts zu einer Wieder-Verengung gekommen ist. Hierzu werden innerhalb von 6 – 12 Monaten nach der Ballonerweiterung bzw. der Stenteinpflanzung EKG, Belastungs-EKG und vielleicht auch eine Ultraschalluntersuchung des Herzens durchgeführt werden. Am Ende dieser 6 – 12 Monate wird man mit dem Patienten darüber sprechen, in welcher Form die abschließende Untersuchung erfolgen soll. Dies muß nicht immer mit dem Herzkatheter geschehen, denn in vielen Fällen reichen auch ein Belastungs-EKG oder eine Szintigraphie aus; welche Untersuchung die für den Betreffenden Beste ist wird der Arzt besprechen.
  2. Die ebenso wichtige 2. Aufgabe der Nachuntersuchungen besteht darin, den Zustand Ihrer Risikofaktoren zu überprüfen.

Wann muß man wieder zum Arzt?

Am Ende der Untersuchungen wird man dem Patienten sagen, wann er zur nächsten Kontrolle kommen sollten. Man sollte zu diesen Terminen immer Ihre letzten Blutwerte und Medikamente mitbringen!

Man sollte umgehend und sofort zum Hausarzt oder zum Kardiologen gehen,  wenn

  • man Brustschmerzen bekommt, die man bis dahin nicht kannte,
  • wenn man Brustschmerzen hat, die schlimmer und heftiger sind als bisher,
  • wenn man Luftnot bei Anstrengungen hat, die einem bisher nichts ausgemacht haben,
  • wenn man starkes und angenehmes Herzklopfen verspürt.

In diesen Fällen sollte man ohne Voranmeldung in die Praxis des Hausarztes oder Kardiologen gehen, damit die Ärzte sofort sehen können, was die Ursache dieser Probleme ist.

Man sollte sich allerdings umgehend ins Krankenhaus bringen lassen, wenn man

  • Brustschmerzen bekommen, die nicht nach 2maligem Gebrauch von Nitro-Spray innerhalb von 20 Minuten wieder verschwunden sind oder
  • wenn Schwindel oder sogar Ohnmachtsanfälle auftreten.

Man darf in diesen Fällen nicht selber ins Krankenhaus gehen oder fahren, sondern sollte den Notarzt der Feuerwehr unter der Telephonnummer 112 anrufen.

Wenn Sie sich genauer über eine Herzkrankheit informieren möchten: Besuchen Sie uns im Internet unter www.meinherzdeinherz.info und sehen Sie in dem Kapitel „Wissen“ nach weiteren Informationen, die Sie hier kostenlos bekommen.

 

Nach dem Herzinfarkt

 

Wie kommt es zum Herzinfarkt?

Das Herz ist ein Muskel, der über 3 Gefäße (den sog. Herzkranzarterien) mit Blut versorgt wird, damit er Minute für Minute, Tag für Tag und Monat für Monat kräftig arbeiten kann.

Bei einem Herzinfarkt verschließt sich nun eine dieser Gefäße plötzlich. Das Ergebnis ist, daß derjenige Teil des Herzmuskels, der von dieser Arterie versorgt wurde nicht mehr mit Blut versorgt wird und vom Absterben bedroht ist.

Wenn ein solcher Verschluß lange andauert stirbt der betroffene Herzmuskelanteil ab und es entsteht eine Narbe innerhalb des Herzmuskels. Diese Narbe kann nicht mehr an der Pumparbeit des Herzens teilnehmen, was natürlich dazu führen kann, daß der verbliebene Herzmuskel überlastet wird und über kurz oder lang geschädigt und geschwächt wird.

Die Entstehung der Infarktnarbe ist irreparabel, d.h. daß sie für den Rest des Lebens bestehen bleibt. Daher hat man versucht, das verstopfte Herzkranzgefäß schnell, d.i. vor der Entstehung der Narbe wieder zu öffnen. Dazu benutzt man in der Regel bestimmte Kathetertechniken (Ballonerweiterung, PTCA oder Stent), in anderen (selteneren) Fällen, z.B. wenn eine Herzkatheterabteilung nicht schnell erreicht werden kann wurden  Gerinnsel-auflösende Medikamente eingesetzt. In einigen Fällen war diese Behandlung erfolgreich und hat die Gefäßverstopfung beseitigt, in anderen Fällen ist dies vielleicht nicht gelungen.

Je nachdem, wie erfolgreich die Behandlung war und wie schnell das Gefäß nach dem Infarkt wieder geöffnet werden konnte wird der Herzmuskel einen mehr oder weniger großen Schaden genommen haben. Am Ende der Krankenhausbehandlung und vielleicht nach der folgenden AHB-Maßnahme wird man diesen Schaden am Herzmuskel durch eine Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiographie) genau „vermessen“ haben.

Es ist nun wichtig für Sie, daß Sie nach dem Infarkt 2 Dinge wissen und berücksichtigen:

Wie groß ist der Schaden am Herzmuskel?

Wie Antwort auf die Frage nach der Größe des Herzinfarktes ist wichtig, wenn es darum geht, die weitere Behandlung festzulegen. Bei Menschen mit großen Infarktnarben besteht die Gefahr, daß das ganze Herz im Laufe der Zeit geschwächt wird. Wenn 3 Herzwände die Arbeit der ausgefallenen und vernarbten Infarktwand mit übernehmen müssen können Sie sich vorstellen, daß das auf Dauer zum Problem werden wird, weil die 3 übrig gebliebenen Herzwände durch diese Mehrarbeit überfordert sind. Sie werden daher Medikamente bekommen, um diese Überlastung Ihres Herzens zu verhindern. In der Regel handelt es sich dabei um Medikamente mit dem Namen „beta-Blocker“ und „ACE-Hemmer“. Es ist wichtig, daß Sie diese Medikamente auch dann gewissenhaft und zuverlässig einnehmen, wenn es Ihnen eigentlich gut geht und Sie keine großen Beschwerden haben. Diese Medikamente haben nicht die Aufgabe, Ihr Wohlbefinden zu steigern (es wird Ihnen ja wahrscheinlich schon gut gehen), sondern sie sollen dafür sorgen, daß es Ihnen noch lange gut geht.

Warum sind die Herzkranzarterien überhaupt krank geworden?

Dies ist eine sehr wichtige Frage. Am Ende des Krankenhausaufenthaltes bzw. am Ende der AHB-Kur wird man auch diese Frage beantwortet haben und Ihnen gesagt haben, ob Sie erhöhte Blutfettwerte, erhöhten Blutdruck oder die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) haben (daß Rauchen zum Herzinfarkt führen kann werden Sie ja schon wissen, es steht zudem auf jeder Packung.)

Es wird nun für Ihr weiteres Leben von großer Bedeutung sein, daß Sie diese sogenannten „Risikofaktoren“ in den Griff bekommen. In den meisten Fällen wird es sich nicht vermeiden lassen, zu diesem Zweck Medikamente einzunehmen. Blutdruck-senkende Tabletten, Aspirin® (oder ASS) und Cholesterin-Senker sind einige Beispiele dafür. Auch für diese Medikamente gilt: Sie bekommen Sie nicht, daß es Ihnen besser geht, sondern damit Ihr guter Zustand möglichst ein langes Leben lang anhält.

In der Regel werden Sie keinen Unterschied bemerken, wenn Sie diese Tabletten einmal weglassen, aber Sie werden sich keinen Gefallen damit tun, denn die koronare Herzkrankheit, die ja zum Herzinfarkt geführt hat schwelt dann weiter unbemerkt vor sich hin und ruiniert langsam aber sicher (!) alle Schlagadern Ihres Körpers: Die schon kranken Herzgefäße, die Gehirngefäße (mit der Folge eines Schlaganfalls), die Nieren- und Beingefäße. Also: Nehmen Sie die Medikamente so wie Ihre Ärzte Ihnen das empfehlen.

In diesem Zusammenhang ist auch wichtig, daß Sie nicht alles den Ärzten überlassen. Sie können Ihnen erklären, wie Sie gehen können, laufen müssen Sie aber selber. Mit anderen Worten: Betrachten Sie den Herzinfarkt als einen Schuß vor den Bug und ändern Sie Ihr Leben. Versuchen Sie abzunehmen und mit dem Rauchen aufzuhören, bewegen Sie sich und gehen Sie spazieren und versuchen Sie, sich gesund zu ernähren. Und versuchen Sie (soweit das geht:) Streß, Termindruck und Ärger zu vermeiden. Klar, das geht nicht immer, aber Sie sollten es wenigstens versuchen!

Kann ich noch einen Herzinfarkt bekommen?

Leider ja, denn auch mit der besten Medizin kann sich die Krankheit weiter entwickeln und fortschreiten. Wenn Sie den Empfehlungen Ihrer Ärzte folgen und Ihre Risikofaktoren so gut es geht vermindern ist die Wahrscheinlichkeit für eine Verschlechterung aber nur sehr gering, das heißt: Es wird Ihnen lange sehr gut gehen. Man muß die Lage aber im Auge behalten. Nehmen Sie daher regelmäßig Ihre Arzttermine zu Kontrolluntersuchungen war.

Wann muß ich wieder zum Arzt?

Normalerweise, wenn alles (wie meistens) gut verläuft sollten Sie etwa alle 3 Monate Ihre Risikowerte vom Hausarzt bestimmen lassen und in den vorgeschlagenen Intervallen zum Kardiologen gehen, um ein EKG, Belastungs-EKG und vielleicht eine Ultraschalluntersuchung durchführen zu lassen. Am Ende dieser Untersuchungen wird der Kardiologe Ihnen sagen, wann Sie zur nächsten Kontrolle kommen sollten. Bringen Sie zu diesen Terminen immer Ihre letzten Blutwerte und Ihre Medikamente mit!

Kommen Sie umgehend und sofort zum Hausarzt oder zum Kardiologen, wenn

  • Sie Brustschmerzen haben, die Sie bis dahin nicht kannten,
  • wenn Sie Brustschmerzen haben, die schlimmer und heftiger sind als bisher,
  • wenn Sie Luftnot bei Anstrengungen haben, die Ihnen bisher nicht ausgemacht haben,
  • wenn Sie starkes und angenehmes Herzklopfen verspüren.

Kommen Sie in diesen Fällen ohne Voranmeldung in die Praxis Ihres Kardiologen, damit er sofort sehen kann, was die Ursache dieser Probleme ist.

Sie sollten sich allerdings umgehend ins Krankenhaus bringen lassen, wenn Sie

  • Brustschmerzen bekommen, die nicht nach 2maligem Gebrauch von Nitro-Spray innerhalb von 20 Minuten wieder verschwunden sind oder
  • wenn Schwindel oder sogar Ohnmachtsanfälle haben.

Gehen oder fahren Sie in diesen Fällen nicht selber ins Krankenhaus, sondern rufen Sie den Notarzt der Feuerwehr unter der Telephonnummer 112.

Fragen Sie Ihren Kardiologen bei Ihrem 1. Besuch nach der Reha, ob eine solche Möglichkeit der sofortigen Vorstellung im Notfall auch ohne Termin möglich ist und (falls das nicht geht) wie Sie sich verhalten sollen.

Welche Medikamente muß ich einnehmen?

Damit Sie nichts vergessen benutzen Sie einen Medikamentenzettel, den Sie von Ihrem Hausarzt oder Kardiologen sicherlich bekommen werden und lassen Sie den Arzt hier Ihre Medikamente eintragen.

Woher bekomme ich meine Medikamente?

Das macht in aller Regel Ihr Hausarzt. In einigen Fällen übernimmt aber auch der Kardiologe diese Aufgabe, sprechen Sie Ihren Hausarzt oder Kardiologen bei Ihrem 1. Besuch nach der Reha ebenfalls darauf an.

 

Wenn Sie sich genauer über Ihre Herzkrankheit informieren möchten: Besuchen Sie meine Website im Internet unter www.meinherzdeinherz.info und sehen Sie in dem Kapitel „Wissen“ nach weiteren Informationen.

Nach der Bypass-OP

 

Was ist bei der Operation geschehen?

Die Operation wurde notwendig, weil Ihre Herzkranzarterien krank waren; vielleicht waren Sie verengt, vielleicht waren sie auch vollständig verstopft. Auf jeden Fall war die Durchblutung zu großen Teilen Ihres Herzmuskels gestört oder gefährdet. Bei der Bypass-Operation hat der Herzchirurg diese Verengungen oder Gefäßverschlüsse mit Umleitungsgefäßen (= Bypass-Gefäße) überbrückt. Dazu hat er entweder Venen aus Ihrem Unterschenkel entfernt und sie dann zwischen ihre Hauptschlagader und die verengte bzw. verstopfte Herzader gelegt (= Venen-Bypass); oder er hat eine Schlagader, die auf der Rückseite des Brustbeins verläuft auf die erkrankte Ader Ihres Herzens umgeleitet (= Mammaria-Bypass). Welches Verfahren er auch angewendet hat: Nach der Operation sollte sich der Blutfluß in den großen und wichtigen Adern Ihres Herzens wieder normalisiert haben, Sie sollten deutlich weniger oder vielleicht sogar überhaupt keine Brustschmerzen (= Angina pectoris) mehr haben und Ihre körperliche Belastbarkeit sollte sich verbessert haben. Eine Narbe des Herzmuskels, die beispielsweise nach einem früher erlittenen Herzinfarkt zurück geblieben ist wird der Chirurg zwar nicht hatte beseitigen können, aber der nicht vom Infarkt betroffene Herzmuskel wird nun besser und ohne Gefährdung arbeiten können.

Ihre Herzkrankheit ist nicht einfach entstanden, weil die Gefäße Langeweile hatten, sondern weil sie unter schlechtem Einfluß standen; dieser „schlechte Einfluß“ sind Ihre Risikofaktoren, die vor der Operation durch das Krankenhaus oder den Kardiologen oder nach der Operation während der Reha festgestellt wurden: Rauchen, erhöhter Blutdruck, erhöhte Blutfettwerte oder die Blutzuckerkrankheit. Diese Risikofaktoren hat der Chirurg nicht mit dem Skalpell entfernen können. Das bedeutet, daß diese Risikofaktoren, wenn sie nicht behandelt werden nicht nur die verbliebenen Herzkranzgefäße, sondern auch Ihre neuen Bypässe gefährden. Und das kann zur Folge haben, daß Sie auch nach der eigentlich erfolgreichen Operation im Laufe der Zeit einen Herzinfarkt bekommen werden, weil sich die Bypass-Gefäße auch wieder verschließen.

Betrachten Sie daher die Operation als einen Schuß vor den Bug. Sie waren tapfer und haben sich operieren lassen, Sie haben die Angst vor der Operation überwunden, die Schmerzen der Operationswunden überstanden und sich nach der Operation in der Reha-Klinik gequält. Das soll doch nicht alles um sonst gewesen sein! Beachten Sie daher die folgenden Empfehlungen:

  • Wenn Sie vor der Operation geraucht haben: Schwamm drüber, aber versuchen Sie nun, damit aufzuhören! Besprechen Sie sich mit Ihrem Hausarzt, mit einem unserer Ärzte oder mit Ihrer Krankenkasse, wie Sie leichter von den Zigaretten wegkommen können. Es gibt heute Nikotinpflaster, Nikotinkaugummis und bestimmte Raucherentwöhnungstabletten. Und manchmal hilft es auch, sich von einem Psychologen helfen zu lassen oder spezielle Kurse zu besuchen, die einige Krankenkassen anbieten.
  • Versuchen Sie, Ihr Körpergewicht zu senken oder (wenn Sie normal gewichtig sind) dieses Gewicht zu halten. Übergewichtigkeit ist zwar kein eigenständiger Risikofaktor, führt aber mehr oder weniger zwangsläufig zu erhöhtem Blutdruck, erhöhten Blutfettwerten und zur Zuckerkrankheit. Wenn Sie Ihr erhöhtes Gewicht vermindern werden alle diese begleitenden Risikofaktoren deutlich gebessert werden und Sie werden vielleicht deutlich weniger Tabletten einnehmen müssen, um Blutdruck, Blutfettwerte oder den Diabetes zu kontrollieren.
  • Ernähren Sie sich gesund, d.h. essen Sie viel Gemüse und Obst und meiden Sie Fett und zuckerhaltige Speisen oder Getränke. Auch ein Gläschen Wein kann nicht schaden. Sprechen Sie einmal Ihren Hausarzt oder Ihre Krankenkasse an, ob man Ihnen (oder Ihrem Koch) nicht ermöglicht, an einer Ernährungsberatung teilzunehmen.
  • Bewegen Sie sich regelmäßig. Es muß kein spezieller Sport sein. Es reicht, wenn Sie jeden Tag vielleicht 15 Minuten spazieren gehen (zügig, aber nicht rennen!), wenn Sie zum Einkaufen nicht mehr mit dem Auto fahren, sondern zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad fahren; benutzen Sie die Treppe und nicht den Lift! Und wenn Sie dazu wenig Gelegenheit und vielleicht auch nicht immer Lust haben:
  • Besuchen Sie Koronarsportgruppen, in denen Sie jede Woche 1 Stunde lang Bewegungsübungen und leichten Sport ausführen.
  • Achten Sie darauf, daß Ihre Blutfettwerte, Ihr Blutdruck und Ihre Blutzuckerwerte optimal eingestellt werden. Denken Sie daran, daß erhöhter Blutdruck, erhöhtes Cholesterin oder schlechte Blutzuckerwerte nicht weh tun und Sie nichts bemerken werden, bis es eines Tages zu spät ist. Lassen Sie diese Risikowerte daher in regelmäßigen Abständen von Ihrem Hausarzt überprüfen.
  • Nehmen Sie die Medikamente, die Ihnen Ihr Hausarzt oder Kardiologe verschreiben gewissenhaft und nach Vorschrift ein. Sie bekommen diese Medikamente nämlich nicht, damit es Ihnen besser geht (meistens geht es Ihnen nach der Operation nämlich auch ohne Medikamente sehr gut); die Medikamente sollen auch Ihren Arzt oder Apotheker nicht reich machen. Sie sollen vielmehr dafür dafür sorgen, daß der Zustand Ihres Herzens und der neuen Bypass-Gefäße auch auf Dauer so gut bleiben, wie sie unmittelbar nach der Operation waren. Mit anderen Worten: Die Medikamente, die Sie auch nach der Operation einnehmen müssen sollen Ihnen helfen, lange und gut zu leben!
  • Nehmen Sie das Angebot Ihrer Krankenkasse und Ihrer Ärzte wahr und lassen Sie sich regelmäßig untersuchen:

Nachuntersuchungen

Nachuntersuchungen sind sehr wichtig. Sie haben 2 Aufgaben:

  1. Sie sollen klären, ob die Bypässe gut funktionieren und ob die Koronarkrankheit nicht in den bis jetzt noch gesunden Gefäßen aufflackert. Bei diesen Untersuchungen werden
    1. einmal jährlich EKG, Belastungs-EKG und vielleicht auch eine Ultraschalluntersuchung des Herzens durchgeführt werden,
    2. die Risikofaktoren überprüft, damit sie streng eingestellt werden. Das soll ein weiteres Fortschreiten der Koronarerkrankung und eine Erkrankung der neuen Bypass-Gefäße verhindern.

Wann muß ich wieder zum Arzt?

Am Ende der heutigen Untersuchungen wird Ihnen Ihr Arzt sagen, wann Sie zur nächsten Kontrolle kommen sollten. Bringen Sie zu diesen Terminen immer Ihre letzten Blutwerte und Ihre Medikamente mit!

Besprechen Sie sich auch mit Ihrem Hausarzt, wie oft er Sie nach der Operation sehen möchte, beispielsweise um Ihre Risikofaktoren zu überprüfen und nach evtl. Nebenwirkungen der Medikamente zu suchen.

Wenn Sie mehr über eine Bypass-Operation, über die Koronarerkrankung (die ja schließlich zur Operation geführt hat) oder über die Medikamente, die Sie einnehmen sollten wissen möchten gehen Sie auf www.meinherzdeinherz.info und sehen Sie hier unter „Wissen“ nach.

 

Sekundärprävention

Was bedeutet „Sekundärprävention“?

Man unterscheidet die „Primär-“ und die „Sekundärprävention“. Prävention bedeutet „Vorbeugung“; bei der Primärprävention möchte man verhindern, daß ein bis dahin noch gesunder Mensch krank wird, bei der Sekundärprävention ist der Mensch schon krank und man möchte nun vorbeugen, daß die Krankheit weiter fortschreitet.

Bei Menschen mit koronarer Herzkrankheit bedeutet dies, daß man Maßnahmen ergreifen muß, um zu verhindern, daß sich der Zustand der Herzkranzgefäße weiter verschlechtert. Solche Maßnahmen sind immer und unter allen Umständen notwendig, gleichgültig, ob man schon einen Herzinfarkt gehabt hat oder nicht, ob man bypass-operiert oder mit einem Stent behandelt wurde. Es ist ein bequemer und daher weit verbreiteter Glaube, daß der Chirurg es mit seinen Bypass-Gefäßen oder der Kardiologe mit seinen Stents schon richten wird. Um es anders zu sagen: Ärzte können Ihnen das Laufen beibringen, Gehen müssen Sie aber selber.

Die koronare Herzkrankheit beinhaltet immer die Gefahr, vorzeitig an einem Herzinfarkt oder an Herzschwäche zu sterben; die Ärzte können Ihnen mit Medikamenten, Ballonerweiterungen oder Operationen helfen, das Leben angenehmer und schmerzärmer zu machen, verlängern können Sie es aber nur selber!

Was macht man bei einer Sekundärprävention?

Der 1. Schritt besteht darin, die Risikofaktoren zu finden, die Ihre Gefäße haben erkranken lassen. Diese Aufgabe hat entweder zuvor schon Ihr Hausarzt, Ihr Kardiologe, ein Krankenhaus oder eine Reha-Klinik übernommen. Sie kennen nach solchen Untersuchungen Ihr Risiko also. Bei der Sekundärprävention kümmert man sich nun um diejenigen Risikofaktoren, die man beeinflussen kann. Das Wissen um eine erbliche Form der Koronarerkrankung ist in diesem Zusammenhang nicht ganz so wichtig, denn an solchen Erbfaktoren kann man nichts verändern; an erhöhtem Blutdruck, der Zuckerkrankheit, an erhöhten Blutfettwerten, Übergewicht, Bewegungsmangel und Zigarettenrauchen aber sehr viel!

Einige dieser Änderungen erfordern die Gabe von Medikamenten, andere Dinge kann und sollte man aber selber machen, wie z.B. die Aufgabe des Zigarettenrauchens oder die Verminderung des Übergewichts. Gerade eine Gewichtsverminderung, Ernährungsdiät oder Aufgabe des Rauchens ist aber schwierig; wenden Sie sich doch einmal an Ihre Krankenkasse: Viele Kassen bieten für ihre Versicherten Ernährungsberatungen und Hilfestellung beim Zigaretten-“Entzug“ an.

Ganz allgemein gelten für die Sekundärprävention bei der koronaren Herzkrankheit die folgenden Empfehlungen:

  • Geben Sie das Zigarettenrauchen auf!
  • Essen Sie bevorzugt:
    • Früchte
    • Gemüse
    • Vollkorn-Produkte
    • Nahrungsmittel mit niedrigem Fettgehalt
    • Fisch
    • mageres Fleisch
  • Werden Sie körperlich aktiv:
  • 4-5-mal wöchentlich 30-45 min Laufen oder eine andere Sportart, die Ihre Pulsfrequenz auf 60-75% der maximalen Herzfrequenz steigert (Berechnung: 220 –  Ihr Lebensalter, davon 60-75%)
  • Schließen Sie sich vielleicht einer Herzsportgruppe an (Infos bekommen Sie bei Ihrer Krankenkasse)
  • Korrigieren Sie Ihr eventuelles Übergewicht

Nehmen Sie Ihre

Medikamente

gewissenhaft ein.

Was diese Medikamente angeht sollten Sie wissen, daß sie nicht nur deshalb gegeben werden, damit es Ihnen besser geht, sondern damit es Ihnen länger gut geht und damit Sie länger leben. Das bedeutet, daß Sie einen Teil der Medikamente auch dann einnehmen sollten, wenn Sie keinerlei Beschwerden haben und wenn es Ihnen eigentlich gut geht. Zu diesen Medikamenten gehören bei koronarkranken Patienten eigentlich immer:

  • Medikamente zur Senkung des Cholesterins (sog. „CSE-Hemmer“)
  • Medikamente gegen die Blutzuckerkrankheit
  • 100 mg Aspirin oder ASS täglich
  • ß-Blocker (sprich: beta-Blocker), z.B. Metoprolol oder Bisoprolol
  • Menschen mit erhöhtem Blutdruck oder solchen, deren Herzmuskel einen (wenn auch geringen) Schaden hat sollten immer ACE-Hemmer einnehmen.

Diese Medikamente werden an vielen hunderttausend Patienten seit vielen Jahren eingesetzt, sie sind gut verträglich und ihre Wirksamkeit ist bewiesen! Wenn Sie dennoch Probleme mit diesen Medikamenten haben, wenn Sie sie nicht vertragen oder Nebenwirkungen verspüren: Werfen Sie sie nicht einfach weg, sondern sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Kardiologen darüber, damit er Ihnen ein vielleicht anderes Medikament geben kann, das Sie besser vertragen.

Und noch 2 Dinge:

  • Lassen Sie sich nicht verwirren, wenn das Medikament, das Sie bislang eingenommen haben auf einmal einen anderen Namen hat. Ihre Krankenkasse ist gesetzlich verpflichtet, immer das preisgünstigste Medikament zu bezahlen. „Billiger“ heißt nicht schlechter, denn nicht das schicke Aussehen der Pillenschachtel zählt, sondern der Inhalt der Tablette. Solange der Wirkstoff in der „neuen“ Tablette derselbe ist kann man gegen den Wechsel des Herstellers wenig einwenden. Wenn Sie Fragen oder Zweifel haben: Sprechen Sie Ihren Arzt oder den Apotheker an!
  • Alle Medikamente verfolgen ein bestimmtes Ziel, nämlich Blutdruck, Blutzucker oder Cholesterin auf bestimmte Zielwerte abzusenken. Diese Werte müssen von Zeit zu Zeit gemessen werden (wir empfehlen: 1mal alle 3-6 Monate). Lassen Sie sich diese Werte von Ihrem Arzt sagen und prüfen Sie auch selber, ob Ihre Werte in Ordnung sind. Die jeweiligen Zielwerte finden Sie in der unten stehenden Tabelle. Vertrauen Sie Ihrem Arzt, aber: 4 Augen sehen mehr als 2!

Wenn Sie sich genauer über die Koronarerkrankung, Herzinfarkte, Behandlungen oder Untersuchungen informieren möchten besuchen Sie uns auch im Internet unter www.meinherzdeinherz.info. Wählen Sie hier die Rubrik „Wissen“, wo viele Informationsmaterialien für Sie bereit stehen.

Zielwerte

HBA1c ≤ 6.1 %
Nüchtern-Blutzucker < 110 mg-%
Selbst gemessener Nüchtern-Zucker 70 – 90 mg-%
Blutdruck < 130/80 mm Hg
Gesamt-Cholesterin < 175 mg-%
LDL-Cholesterin (= „böses“ Cholesterin) < 100 mg-%

Vorsorgeuntersuchungen

Was bedeutet „Vorsorgeuntersuchung“?

Es gibt Krankheiten, die sich erst in fortgeschrittenen Stadien bemerkbar machen. Krebserkrankungen z.B. machen sich oft erst dann bemerkbar, wenn der Tumor schon weit fortgeschritten ist und nicht mehr gut behandelt werden kann. Um diese bösartige Krankheit rechtzeitig zu erkennen, wenn noch sinnvolle Behandlungsmöglichkeiten bestehen werden die verschiedenen Krebsvorsorgeuntersuchungen angeboten.

Auch für Krankheiten des Herzens gilt, daß sie sich oft erst bemerkbar machen, wenn etwas Schlimmes passiert. Herzinfarkte oder Schlaganfälle treten oft ohne Vorwarnung und völlig überraschend auf. Der Sinn von Vorsorgeuntersuchungen des Herzens besteht darin, eine Durchblutungsstörung des Herzens (= Koronare Herzkrankheit) frühzeitig zu erkennen, wenn sie noch keine Beschwerden verursacht, um dann die schlimmste Folge dieser Krankheit, den Herzinfarkt rechtzeitig zu verhindern.

Um die Koronarkrankheit zu verstehen müssen Sie wissen, daß ihre Entstehung mit den

Risikofaktoren für das Herz

zusammenhängt.

Schlagadern des Körpers, Herzkranzarterien ebenso wie Gehirn-, Nieren- oder Beinarterien erkranken nicht aus Langeweile, sondern weil sie unter dem Einfluß von Risikofaktoren stehen. Zu solchen Risikofaktoren gehören:

  • Hoher Blutdruck
  • erhöhtes Cholesterin im Blut
  • die Blutzuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
  • Zigaretten rauchen
  • Übergewicht
  • körperliche Inaktivität
  • Herz- und Kreislaufkrankheiten (Herzinfarkt, Schlaganfall usw.) in der Familie (= Erbfaktoren)
  • Lebensalter
  • bestimmte Charaktereigenschaften der Menschen (Typ A-Verhalten)und
  • wahrscheinlich auch der Streß.

Bei allen Vorsorgeuntersuchungen des Herzens spielt die Suche nach diesen Risikofaktoren eine entscheidende Rolle.

Was gibt es für Vorsorgeuntersuchungen des Herzens?

Man unterscheidet 2 Formen:

  • Primäre Vorsorgeuntersuchungen
  • Sekundäre Vorsorgeuntersuchungen

Sekundäre Vorsorgeuntersuchungen (Sekundärprävention)

werden bei Menschen durchgeführt, von denen man weiß, daß sie schon herzkrank sind, weil sie Angina pectoris haben, einen Herzinfarkt, eine Bypass-Operation oder eine Ballonerweiterung überstanden haben.

Bei diesen Menschen geht es zum einen um die Feststellung, ob die schon bekannte Herzkrankheit stabil verläuft oder ob sie weiter fortgeschritten ist. Zum anderen muß geprüft werden, ob die Behandlung der Risikofaktoren ausreichend ist, um eine Verschlechterung der Krankheit zu verhindern.

Im Rahmen solcher Sekundärpräventionsuntersuchungen unterhält sich der Arzt mit Ihnen, um evtl. Veränderungen der Beschwerden zu erfragen oder um zu hören, ob Sie ihre Medikamente gut vertragen (Anamnese). Zusätzlich werden aber auch eine körperliche Untersuchung, ein EKG, Belastungs-EKG, Echokardiographie und bestimmte Blutuntersuchungen (Cholesterin (besonders LDL-Cholesterin), Nüchtern-Blutzucker bzw. bei Diabetikern: „Langzeit-Zuckerwert“ (HBA1c) durchgeführt.

Diese Untersuchungen sollten einmal jährlich durchgeführt werden. Sie sind kostenlos und werden auf Überweisung Ihres Hausarztes durchgeführt.

Primärprävention

Wenn man von Vorsorgeuntersuchungen spricht meint man aber in der Regel die Primärprävention Sie wird immer dann eingesetzt, wenn noch keine bekannte Herzerkrankung bekannt ist und wenn ein Mensch sich eigentlich noch wohl und gesund fühlt. In diesem Zusammenhang sollen 3 Fragen beantwortet werden:

  • Habe ich die Krankheit schon?
  • Bin ich gefährdet, die Krankheit zu bekommen?
  • Was kann ich tun, um den Ausbruch der Krankheit zu verhindern?

Sinnvollerweise geht man bei solchen primären Vorsorgeuntersuchungen stufenweise vor:

Am Anfang steht ein „Basisprogramm“, zu dem neben der Erhebung der Vorgeschichte mit der Frage nach Beschwerden, Vorkrankheiten und Risikofaktoren auch eine körperliche Untersuchung, ein EKG und die Bestimmung von bestimmten Blutwerten wie Cholesterin und Nüchtern-Blutzucker gehören. Dieses Basisprogramm ist für alle Versicherten von 35 Lebensjahren und älter alle 2 Jahre kostenlos („Check-up 35“).

Mit Hilfe dieser wenigen Untersuchungsergebnisse kann man Risikowerte berechnen, die das Risiko des Menschen beschreiben, zukünftig eine bedeutsame Herz- oder Gefäßkrankheit (z.B. Herzinfarkt, Schlaganfall) zu bekommen. Es gibt verschiedene Methoden, um solche Risikoberechnung durchzuführen, z.B. die PROCAM-Methode oder die Methode der europäischen Gesellschaft für Kardiologie (Eine andere Methode (FRAMINGHAM-Methode) sollte bei uns in Europa nicht angewendet werden, weil die Daten, auf denen die Auswertung beruht nur an amerikanischen Menschen erhoben wurden).

Ob man nachfolgend weitere Untersuchungen wie Belastungs-EKG, Szintigraphie oder die verschiedenen CT-Untersuchungen durchführen sollte hängt davon ab, wie hoch der Risikowert aus den Untersuchungen des Basisprogramms ist oder ob sich vielleicht schon mögliche Vorstadien der Koronarkrankheit gezeigt haben.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, daß viele Menschen enttäuscht sind, wenn sie ein solches sehr einfaches Basisprogramm absolvieren, denn sie stellen sich vor, daß im Rahmen einer solchen Vorsorgeuntersuchung zahlreiche Maschinen zum Einsatz kommen müßten. Sie denken dabei an ein Belastungs-EKG, eine Ultraschalluntersuchung des Herzens und der großen Schlagadern des Körpers, an CT- oder MRT-Untersuchungen. Wenn man ein solches Ansinnen hat sollte man bedenken:

  • Solche Zusatzuntersuchungen helfen bei primären (!) Vorsorgeuntersuchungen nicht weiter, denn sie liefern keine zusätzlichen Informationen. (Bei Verlaufsuntersuchungen (Sekundärprävention) ist das etwas ganz anderes!)
  • Check-up 35-Untersuchungen sind kostenlos, die zusätzlichen Untersuchungen hingegen nicht. Man muß sie selber bezahlen und sie sind z.T. ziemlich teuer.
  • Viele Anbieter solcher aufwendigen Vorsorgeuntersuchungen arbeiten auf kommerzieller Grundlage, d.h. sie möchten Geld verdienen.
  • Im Internet finden Sie viel gesichertes Wissen, aber ein sehr großer Teil dessen, was Sie hier lesen ist schlicht und einfach Reklame. Für Laien ist es oft schwer, die Werbe-Beiträge von den seriösen zu unterscheiden. Daher:

Wenn Sie an eine Vorsorgeuntersuchung denken lassen Sie sich von einem Arzt Ihres Vertrauens beraten: Was muß man machen und was ist entbehrlich?

Wenn Sie sich für Vorsorgeuntersuchungen interessieren können Sie eine ausführliche Broschüre (werbe-frei, denn ich verdiene nix daran!) bekommen, wenn Sie hier klicken (www.meinherzdeinherz.info und dann „Untersuchungen“)

 

Herzkatheter oder Szintigraphie?

Ich möchte Sie hier kurz über 2 Untersuchungsmethoden informieren, die in der Kardiologie sehr wichtig sind:

Herzkatheteruntersuchung

Eine Herzkatheteruntersuchung wird meistens durchgeführt, um Herzkranzgefäße genau untersuchen zu können.

Die Herzkranzarterien sind dafür zuständig, daß der Herzmuskel mit Blut, Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird. Es gibt eine Arterie, die die Vorderwand des Herzens, eine weitere Arterie, die die Hinterwand und eine weitere Arterie, die die Seitenwand des Herzens versorgt. Diese 3 Gefäße sind sehr dünn (am Ursprung ca. 4 mm dick) und liegen auf der Außenseite des Herzens. Man kann sie weder auf einem normalen Röntgenbild des Herzens noch im Ultraschall erkennen.

Um diese Gefäße sehen zu können muß man sie mit Kontrastmittel anfüllen und sie dann röntgen. Genau hierzu ist die Herzkatheteruntersuchung da:

Der Arzt führt einen dünnen Plastikschlauch (= „Herzkatheter“) von einer kräftigen Schlagader in der rechten Leiste aus bis zum Herzen vor. Um den Katheter in die Leistenarterie einführen zu können wird die Haut über der Arterie betäubt, damit der Einstich in das Gefäß mit einer Nadel nicht weh tut. Den Weg des Katheters von der Leiste zum Herzen spürt man nicht, denn die Adern, durch die der Katheter „läuft“ sind an den Innenseiten taub und gefühllos. Der Arzt beobachtet den Lauf des Katheters im Röntgenbild und kann den Katheter dadurch stets in die richtige Richtung lenken. Am Herzen angekommen wird die Spitze des Katheters in die Herzkranzgefäße eingeführt. Danach spritzt der Arzt das Kontrastmittel in das Gefäß und filmt, wie sich die Adern anfärben. Indem er diese Kontrastmittelanfüllung aus verschiedenen Richtungen filmt kann er Verengungen oder Verschlüsse der Gefäße genau erkennen. Ebenfalls wird er die linke Herzkammer mit Kontrastmittel anfüllen, damit er genau sehen kann, ob der Herzmuskel überall kräftig arbeitet, ob er durch verengte Gefäße bereits geschädigt ist und wie die Herzklappen arbeiten.

Man spürt von einer Herzkatheteruntersuchung nur 3 Dinge: Den Einstich zur lokalen Betäubung in der Leiste, die Kontrastmittelfüllung der Herzkammer in Gestalt eines „sonderbaren“ (keinesfalls unangenehmen) Wärmegefühls im ganzen Körper einschließlich in Blase und Darm sowie in manchen Fällen Herzstolpern oder Herzklopfen, das auftritt, wenn der Arzt die Herzkammer von innen mit dem Katheter berührt. Alle anderen Dinge, d.h. den Weg des Katheters von der Leiste zum Herzen oder die Einspritzung nur kleiner Kontrastmittelmengen in die Herzkranzgefäße werden Sie nicht bemerken!

Während der gesamten Untersuchung werden laufend Ihr Blutdruck und Ihr EKG überwacht. Dennoch sind Komplikationen wie Entzündungen des Herzens, Blutergüsse in der Leistengegend, Herzinfarkt, Schlaganfall oder schwerwiegende Herzrhythmusstörungen möglich. Bedrohliche Untersuchungskomplikationen treten aber nur sehr selten (weniger als 1mal bei 1.000 Untersuchungen) auf.

Herzkatheteruntersuchungen sind heute Routineuntersuchungen, die sehr sicher sind und jeden Tag viele Tausend Mal durchgeführt werden. Ob eine solche Untersuchung ambulant durchgeführt werden kann (Sie kommen 4 Stunden nach der Untersuchung wieder nach Hause) oder ob sie im rahmen eines kurzen Krankenhausaufenthaltes durchgeführt werden sollte wird der Arzt vor der Untersuchung mit Ihnen besprechen.

Szintigraphie

Im Gegensatz zu einer Herzkatheteruntersuchung ist eine Szintigraphie vollkommen harmlos. Man kann bei dieser Untersuchung allerdings keine Herzkranzgefäße sehen, sondern man untersucht „nur“ die Durchblutung des Herzmuskels und sucht nach vielleicht bislang unentdeckten Narben.

Hierzu wird zunächst ein Belastungs-EKG durchgeführt. Am Ende der Belastung wird eine geringe radioaktiven Kontrastmittels in eine Vene des Armes eingespritzt.

Dieses Kontrastmittel ist so beschaffen, daß es mit dem Blutstrom zum Herzen und durch die Herzkranzarterien in den Herzmuskel fließt. Hier sammelt es sich nach ca. 1 Stunde an und hält sich für etwa 1-2 Stunden im Herzmuskel fest. Nach der „Verteilungsphase“ von etwa 1 Stunde werden Sie unter eine Spezialkamera gelegt, die im Verlauf von etwa 20 Minuten um Ihren Brustkorb fährt und dabei photographiert, wie sich das Kontrastmittel im Herzmuskel verteilt hat. Hierdurch stellt man die Durchblutung des Herzmuskels unter Belastung dar.

Am folgenden Tag wird man die Untersuchung wiederholen, dieses Mal jedoch ohne Belastungstest, d.h. es wird Kontrastmittel in die Vene eingespritzt und nach etwas 2 Stunden wiederum photographiert, wie es sich im Herzmuskel verteilt hat.

Die Grundüberlegung dieser Untersuchung besteht darin, daß sich das Kontrastmittel im Normalfall gleichmäßig in allen Teilen des Herzmuskels verteilen sollte. Wenn eine der Herzkranzgefäße verengt ist fließt durch diese verengte Ader weniger Kontrastmittel zum Herzmuskel als in den anderen gesunden Gefäßgebieten. Man kann dann auf den Photographien sehen, daß an bestimmten Stellen weniger Kontrastmittel ankommt als an deren Stellen. Dies ist keinesfalls ein Beweis dafür, daß die in dieses vermindert angefärbte Gebiet führende Herzkranzarterien verengt ist, aber ist ein dringender Verdachtsmoment, der dann in der Regel unbedingt durch eine Herzkatheteruntersuchung geklärt werden muß.

Eine Szintigraphie liefert anders als eine Herzkatheteruntersuchung keine 100%ige Gewissheit über den Zustand Ihrer Kranzgefäße. Es gibt Menschen, bei denen die Untersuchung Durchblutungsstörungen „vortäuscht“, obwohl die Herzkranzgefäße vollkommen gesund sind und es gibt Menschen, bei denen die Untersuchung eine vielleicht tatsächlich vorliegende Gefäßverengung und Durchblutungsstörung fälschlicherweise nicht erkennt. Die Treffsicherheit einer Szintigraphie liegt daher im Gegensatz zu einer Herzkatheteruntersuchung (100%) nur bei 80 – 85%.

Gibt´s da nicht noch etwas anderes?

Gibt es und zwar in Form einer „Streß-Echokardiographie“, einer MRT- oder CT-Untersuchung:

Beim Streß-Echo wird der Patient belastet. Die ideale Belastungsform ist die auf dem Fahrradergometer (ebenso wie beim Belastungs-EKG), ist dies aber nicht möglich verwendet man Medikamente, die man während der Untersuchung als Infusion gibt und die das Herz „chemisch“ antreiben. Man sieht sich die linke Herzkammer dann im Ultraschall an und beobachtet, ob sich bestimmte Herzwände unter der Belastung schlechter bewegen als in Ruhe. In einem solchen Fall geht man davon aus, daß diese Wand schlechter mit Blut versorgt wird und daß die Ader, die diese wand mit Blut versorgt verengt oder sogar verschlossen ist. Die Ader selber kann man nicht sehen.

Ein MRT (Magnet-resonance-Tomographie) ist die bildliche Darstellung des Herzens mit einem speziellen CT-Gerät. Dieses Gerät arbeitet ohne Röntgenstrahlen und stellt das Herz (und viele andere Organe und Körperteile) mit Hilfe eines sehr starken Magneten dar. wird der Magnet eingeschaltet so richten sich alle Atome des Körpers in einer bestimmten Richtung aus; schaltet man den Magneten ab so trudeln die Atome wieder in ihre ursprüngliche Bewegungsrichtung. Bei dieser Rückbewegung werden winzige Energiemengen frei, die von anderen großen Magneten aufgefangen und dann nachfolgend elektronisch verarbeitet werden. Aus dieser elektronischen Verarbeitung entstehen die MRT-Bilder.

Mit einer MRT-Untersuchung kann man die Adern sehen, die Qualität der Bilder ist allerdings nicht sehr gut. Der Hauptgrund zur Durchführung der Untersuchung ist ebenso wie beim Streß-Echo die Beobachtung der Bewegungen der einzelnen Herzwände unter Belastung. Aus einer evtl. Bewegungsstörung kann man (ebenso wie beim Streß-Echo) folgern, daß die Durchblutung dieser Wand durch eine verengte oder verschlossene Ader gestört ist. Weil ein Fahrradergometer in der Nähe der starken Magneten eines MRT-Gerätes nicht funktionieren würde benutzt man für die Belastung des Herzens bei dieser Untersuchung ausschließlich Medikamente.

Man kann zudem auch für eine MRT-Untersuchung Kontrastmittel einspritzen. Mit Hilfe dieses Kontrastmittels kann man Narben des Herzmuskels (z.B. nach Entzündungen oder Herzinfarkten) sehen und auch Durchblutungsstörungen feststellen, wenn man nämlich sieht, daß das Kontrastmittel verlangsamt von der Außen- zur Innenschicht des Herzens wandert.

Und dann gibt es schließlich noch das Röntgen-CT. Ich möchte nicht genauer darauf eingehen, denn es erfordert den Einsatz eines „normalen“ Röntgenkontrastmittels ud ist mit einer relativ hohen Röntgen-Strahlenblastung verbunden. Die Technik des Röntgen-CTs wird aber immer besser, denn die großen Hersteller dieser Geräte arbeiten mit Hochdruck daran.

Ja was denn nun? Herzkatheter, Streß-Echo oder MRT?

Man kann diese Frage nicht pauschal beantworten, denn sie hat etwas mit „Wahrscheinlichkeit“ zu tun:

Jeder Arzt setzt bei seiner Suche nach der Ursache von Beschwerden solche „Wahrscheinlichkeiten“ ein. Kommt man beispielsweise zum Arzt und klagt über Schmerzen im linken Daumen dann fragt der Arzt danach, wobei diese Schmerzen angefangen haben und er wird sich ansehen, die der Daumen aussieht. Berichtet der Patient darüber, daß die Schmerzen angefangen hätten als er versucht hat ein Bild an der Wand aufzuhängen und dabei mit dem Hammer gearbeitet habe und sieht der Arzt einen roten Daumennagel dann ist die Sache klar: Hammerschlag auf den Daumen = Diagnose klar.

Berichtet aber jemand z.B. über Schmerzen in der linken Brustseite dann kann dies verschiedene Ursachen haben: Natürlich das Herz, aber es könnte ebenso eine Wirbelsäulenkrankheit, eine Säure-Reizung der Speiseröhre infolge eines undichten Ventils zwischen Magen und Speiseröhre, eine Reizung der Knorpelstückchen zwischen Rippen und Brustbein oder eine Reizung der weiblichen Brust sein. Aus verschiedenen Informationen wird der Arzt nun versuchen, die Wahrscheinlichkeit dafür zu bestimmen, daß eine der in Frage kommenden Ursachen verantwortlich ist.

Ist die Wahrscheinlichkeit dafür, daß es das Herz ist sehr groß wird er keine andere Untersuchung anordnen müssen als eine Herzkatheteruntersuchung, denn nur hier sieht man mit 100%iger Gewissheit die Herzkranzgefäßverengung und kann sofort auch die notwendige Behandlung (Medikamente, Ballonerweiterung mit Stent-Einpflanzung oder Bypass-Operation) festlegen.

Ist die Wahrscheinlichkeit für eine Herzkrankheit sehr gering wird wahrscheinlich keine der genannten Untersuchung erforderlich sein.

Ist die Wahrscheinlichkeit für eine Herzkranzgefäßerkrankung aber mittelmäßig groß dann kommt eine der genannten Untersuchung (Streß-Echo, MRT oder CT) in Betracht. In dieser Situation dienen diese Untersuchungen zu nichts anderem als zur Klärung der Frage, ob die Herzkranzgefäße ein Problem haben oder nicht. Welche dieser Untersuchungen der Kardiologe empfiehlt oder sogar selber durchführt hängt sehr stark davon ab, welche Erfahrung er mit den einzelnen Untersuchungen hat und welches Risiko (auch Strahlenrisiko) die einzelnen Untersuchungen haben. Ist die Untersuchung auffällig und deutet auf ein Problem mit den Herzkranzadern hin dann muß die Herzkatheteruntersuchung stets der nächste Schritt sein. Es hat also keinen Sinn, z.B. ein Streß-echo durchführen zu lassen, wenn man (aus welchen Gründen auch immer) nachfolgend nicht ggfs. auch eine Herzkatheteruntersuchung durchführen ließe.

Und à propos Streß-Echo:

In vielen Fällen kann das Streß-Echo keine vernünftigen Ergebnisse liefern, denn Herzpatienten sind oft schwer zu beschallen. Dies liegt daran, daß die Lungen oft durch langjähriges Rauchen geschädigt sind und viel lufthaltige Lunge über dem Herzen liegt, was für eine Ultraschalluntersuchung sehr ungünstig ist. Oder daß die Patienten stark übergewichtig sind, sodaß die Ultraschallstrahlen auf dem Weg zum und vom Herzen weg durch die Fettschicht stark abgeschwächt werden und dadurch schlechte Bilder erzeugt werden. Auch solche Faktoren müssen berücksichtigt werden, wenn man sich entscheiden muß, welche Untersuchung man anwenden muß, um zu Klären, ob das Herz krank ist oder nicht. Man sollte solche Untersuchungen daher immer mit einem Kardiologen besprechen und sich dabei die Vor- und Nachteile der einzelnen Untersuchungen erklären lassen.

Wenn Sie mehr über die erwähnten Untersuchung wissen möchten und vielleicht auch kurze Filme über das Aussehen der Herzkranzgefäße oder die typischen bunten Szintigraphiebilder gesunder und kranker Herzen sehen möchten gehen Sie doch mal auf die website „www.meinherzdeinherz.info“ und klicken Sie auf „wissen“.