Nach dem Herzinfarkt

 

Wie kommt es zum Herzinfarkt?

Das Herz ist ein Muskel, der über 3 Gefäße (den sog. Herzkranzarterien) mit Blut versorgt wird, damit er Minute für Minute, Tag für Tag und Monat für Monat kräftig arbeiten kann.

Bei einem Herzinfarkt verschließt sich nun eine dieser Gefäße plötzlich. Das Ergebnis ist, daß derjenige Teil des Herzmuskels, der von dieser Arterie versorgt wurde nicht mehr mit Blut versorgt wird und vom Absterben bedroht ist.

Wenn ein solcher Verschluß lange andauert stirbt der betroffene Herzmuskelanteil ab und es entsteht eine Narbe innerhalb des Herzmuskels. Diese Narbe kann nicht mehr an der Pumparbeit des Herzens teilnehmen, was natürlich dazu führen kann, daß der verbliebene Herzmuskel überlastet wird und über kurz oder lang geschädigt und geschwächt wird.

Die Entstehung der Infarktnarbe ist irreparabel, d.h. daß sie für den Rest des Lebens bestehen bleibt. Daher hat man versucht, das verstopfte Herzkranzgefäß schnell, d.i. vor der Entstehung der Narbe wieder zu öffnen. Dazu benutzt man in der Regel bestimmte Kathetertechniken (Ballonerweiterung, PTCA oder Stent), in anderen (selteneren) Fällen, z.B. wenn eine Herzkatheterabteilung nicht schnell erreicht werden kann wurden  Gerinnsel-auflösende Medikamente eingesetzt. In einigen Fällen war diese Behandlung erfolgreich und hat die Gefäßverstopfung beseitigt, in anderen Fällen ist dies vielleicht nicht gelungen.

Je nachdem, wie erfolgreich die Behandlung war und wie schnell das Gefäß nach dem Infarkt wieder geöffnet werden konnte wird der Herzmuskel einen mehr oder weniger großen Schaden genommen haben. Am Ende der Krankenhausbehandlung und vielleicht nach der folgenden AHB-Maßnahme wird man diesen Schaden am Herzmuskel durch eine Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiographie) genau „vermessen“ haben.

Es ist nun wichtig für Sie, daß Sie nach dem Infarkt 2 Dinge wissen und berücksichtigen:

Wie groß ist der Schaden am Herzmuskel?

Wie Antwort auf die Frage nach der Größe des Herzinfarktes ist wichtig, wenn es darum geht, die weitere Behandlung festzulegen. Bei Menschen mit großen Infarktnarben besteht die Gefahr, daß das ganze Herz im Laufe der Zeit geschwächt wird. Wenn 3 Herzwände die Arbeit der ausgefallenen und vernarbten Infarktwand mit übernehmen müssen können Sie sich vorstellen, daß das auf Dauer zum Problem werden wird, weil die 3 übrig gebliebenen Herzwände durch diese Mehrarbeit überfordert sind. Sie werden daher Medikamente bekommen, um diese Überlastung Ihres Herzens zu verhindern. In der Regel handelt es sich dabei um Medikamente mit dem Namen „beta-Blocker“ und „ACE-Hemmer“. Es ist wichtig, daß Sie diese Medikamente auch dann gewissenhaft und zuverlässig einnehmen, wenn es Ihnen eigentlich gut geht und Sie keine großen Beschwerden haben. Diese Medikamente haben nicht die Aufgabe, Ihr Wohlbefinden zu steigern (es wird Ihnen ja wahrscheinlich schon gut gehen), sondern sie sollen dafür sorgen, daß es Ihnen noch lange gut geht.

Warum sind die Herzkranzarterien überhaupt krank geworden?

Dies ist eine sehr wichtige Frage. Am Ende des Krankenhausaufenthaltes bzw. am Ende der AHB-Kur wird man auch diese Frage beantwortet haben und Ihnen gesagt haben, ob Sie erhöhte Blutfettwerte, erhöhten Blutdruck oder die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) haben (daß Rauchen zum Herzinfarkt führen kann werden Sie ja schon wissen, es steht zudem auf jeder Packung.)

Es wird nun für Ihr weiteres Leben von großer Bedeutung sein, daß Sie diese sogenannten „Risikofaktoren“ in den Griff bekommen. In den meisten Fällen wird es sich nicht vermeiden lassen, zu diesem Zweck Medikamente einzunehmen. Blutdruck-senkende Tabletten, Aspirin® (oder ASS) und Cholesterin-Senker sind einige Beispiele dafür. Auch für diese Medikamente gilt: Sie bekommen Sie nicht, daß es Ihnen besser geht, sondern damit Ihr guter Zustand möglichst ein langes Leben lang anhält.

In der Regel werden Sie keinen Unterschied bemerken, wenn Sie diese Tabletten einmal weglassen, aber Sie werden sich keinen Gefallen damit tun, denn die koronare Herzkrankheit, die ja zum Herzinfarkt geführt hat schwelt dann weiter unbemerkt vor sich hin und ruiniert langsam aber sicher (!) alle Schlagadern Ihres Körpers: Die schon kranken Herzgefäße, die Gehirngefäße (mit der Folge eines Schlaganfalls), die Nieren- und Beingefäße. Also: Nehmen Sie die Medikamente so wie Ihre Ärzte Ihnen das empfehlen.

In diesem Zusammenhang ist auch wichtig, daß Sie nicht alles den Ärzten überlassen. Sie können Ihnen erklären, wie Sie gehen können, laufen müssen Sie aber selber. Mit anderen Worten: Betrachten Sie den Herzinfarkt als einen Schuß vor den Bug und ändern Sie Ihr Leben. Versuchen Sie abzunehmen und mit dem Rauchen aufzuhören, bewegen Sie sich und gehen Sie spazieren und versuchen Sie, sich gesund zu ernähren. Und versuchen Sie (soweit das geht:) Streß, Termindruck und Ärger zu vermeiden. Klar, das geht nicht immer, aber Sie sollten es wenigstens versuchen!

Kann ich noch einen Herzinfarkt bekommen?

Leider ja, denn auch mit der besten Medizin kann sich die Krankheit weiter entwickeln und fortschreiten. Wenn Sie den Empfehlungen Ihrer Ärzte folgen und Ihre Risikofaktoren so gut es geht vermindern ist die Wahrscheinlichkeit für eine Verschlechterung aber nur sehr gering, das heißt: Es wird Ihnen lange sehr gut gehen. Man muß die Lage aber im Auge behalten. Nehmen Sie daher regelmäßig Ihre Arzttermine zu Kontrolluntersuchungen war.

Wann muß ich wieder zum Arzt?

Normalerweise, wenn alles (wie meistens) gut verläuft sollten Sie etwa alle 3 Monate Ihre Risikowerte vom Hausarzt bestimmen lassen und in den vorgeschlagenen Intervallen zum Kardiologen gehen, um ein EKG, Belastungs-EKG und vielleicht eine Ultraschalluntersuchung durchführen zu lassen. Am Ende dieser Untersuchungen wird der Kardiologe Ihnen sagen, wann Sie zur nächsten Kontrolle kommen sollten. Bringen Sie zu diesen Terminen immer Ihre letzten Blutwerte und Ihre Medikamente mit!

Kommen Sie umgehend und sofort zum Hausarzt oder zum Kardiologen, wenn

  • Sie Brustschmerzen haben, die Sie bis dahin nicht kannten,
  • wenn Sie Brustschmerzen haben, die schlimmer und heftiger sind als bisher,
  • wenn Sie Luftnot bei Anstrengungen haben, die Ihnen bisher nicht ausgemacht haben,
  • wenn Sie starkes und angenehmes Herzklopfen verspüren.

Kommen Sie in diesen Fällen ohne Voranmeldung in die Praxis Ihres Kardiologen, damit er sofort sehen kann, was die Ursache dieser Probleme ist.

Sie sollten sich allerdings umgehend ins Krankenhaus bringen lassen, wenn Sie

  • Brustschmerzen bekommen, die nicht nach 2maligem Gebrauch von Nitro-Spray innerhalb von 20 Minuten wieder verschwunden sind oder
  • wenn Schwindel oder sogar Ohnmachtsanfälle haben.

Gehen oder fahren Sie in diesen Fällen nicht selber ins Krankenhaus, sondern rufen Sie den Notarzt der Feuerwehr unter der Telephonnummer 112.

Fragen Sie Ihren Kardiologen bei Ihrem 1. Besuch nach der Reha, ob eine solche Möglichkeit der sofortigen Vorstellung im Notfall auch ohne Termin möglich ist und (falls das nicht geht) wie Sie sich verhalten sollen.

Welche Medikamente muß ich einnehmen?

Damit Sie nichts vergessen benutzen Sie einen Medikamentenzettel, den Sie von Ihrem Hausarzt oder Kardiologen sicherlich bekommen werden und lassen Sie den Arzt hier Ihre Medikamente eintragen.

Woher bekomme ich meine Medikamente?

Das macht in aller Regel Ihr Hausarzt. In einigen Fällen übernimmt aber auch der Kardiologe diese Aufgabe, sprechen Sie Ihren Hausarzt oder Kardiologen bei Ihrem 1. Besuch nach der Reha ebenfalls darauf an.

 

Wenn Sie sich genauer über Ihre Herzkrankheit informieren möchten: Besuchen Sie meine Website im Internet unter www.meinherzdeinherz.info und sehen Sie in dem Kapitel „Wissen“ nach weiteren Informationen.

Sekundärprävention

Was bedeutet „Sekundärprävention“?

Man unterscheidet die „Primär-“ und die „Sekundärprävention“. Prävention bedeutet „Vorbeugung“; bei der Primärprävention möchte man verhindern, daß ein bis dahin noch gesunder Mensch krank wird, bei der Sekundärprävention ist der Mensch schon krank und man möchte nun vorbeugen, daß die Krankheit weiter fortschreitet.

Bei Menschen mit koronarer Herzkrankheit bedeutet dies, daß man Maßnahmen ergreifen muß, um zu verhindern, daß sich der Zustand der Herzkranzgefäße weiter verschlechtert. Solche Maßnahmen sind immer und unter allen Umständen notwendig, gleichgültig, ob man schon einen Herzinfarkt gehabt hat oder nicht, ob man bypass-operiert oder mit einem Stent behandelt wurde. Es ist ein bequemer und daher weit verbreiteter Glaube, daß der Chirurg es mit seinen Bypass-Gefäßen oder der Kardiologe mit seinen Stents schon richten wird. Um es anders zu sagen: Ärzte können Ihnen das Laufen beibringen, Gehen müssen Sie aber selber.

Die koronare Herzkrankheit beinhaltet immer die Gefahr, vorzeitig an einem Herzinfarkt oder an Herzschwäche zu sterben; die Ärzte können Ihnen mit Medikamenten, Ballonerweiterungen oder Operationen helfen, das Leben angenehmer und schmerzärmer zu machen, verlängern können Sie es aber nur selber!

Was macht man bei einer Sekundärprävention?

Der 1. Schritt besteht darin, die Risikofaktoren zu finden, die Ihre Gefäße haben erkranken lassen. Diese Aufgabe hat entweder zuvor schon Ihr Hausarzt, Ihr Kardiologe, ein Krankenhaus oder eine Reha-Klinik übernommen. Sie kennen nach solchen Untersuchungen Ihr Risiko also. Bei der Sekundärprävention kümmert man sich nun um diejenigen Risikofaktoren, die man beeinflussen kann. Das Wissen um eine erbliche Form der Koronarerkrankung ist in diesem Zusammenhang nicht ganz so wichtig, denn an solchen Erbfaktoren kann man nichts verändern; an erhöhtem Blutdruck, der Zuckerkrankheit, an erhöhten Blutfettwerten, Übergewicht, Bewegungsmangel und Zigarettenrauchen aber sehr viel!

Einige dieser Änderungen erfordern die Gabe von Medikamenten, andere Dinge kann und sollte man aber selber machen, wie z.B. die Aufgabe des Zigarettenrauchens oder die Verminderung des Übergewichts. Gerade eine Gewichtsverminderung, Ernährungsdiät oder Aufgabe des Rauchens ist aber schwierig; wenden Sie sich doch einmal an Ihre Krankenkasse: Viele Kassen bieten für ihre Versicherten Ernährungsberatungen und Hilfestellung beim Zigaretten-“Entzug“ an.

Ganz allgemein gelten für die Sekundärprävention bei der koronaren Herzkrankheit die folgenden Empfehlungen:

  • Geben Sie das Zigarettenrauchen auf!
  • Essen Sie bevorzugt:
    • Früchte
    • Gemüse
    • Vollkorn-Produkte
    • Nahrungsmittel mit niedrigem Fettgehalt
    • Fisch
    • mageres Fleisch
  • Werden Sie körperlich aktiv:
  • 4-5-mal wöchentlich 30-45 min Laufen oder eine andere Sportart, die Ihre Pulsfrequenz auf 60-75% der maximalen Herzfrequenz steigert (Berechnung: 220 –  Ihr Lebensalter, davon 60-75%)
  • Schließen Sie sich vielleicht einer Herzsportgruppe an (Infos bekommen Sie bei Ihrer Krankenkasse)
  • Korrigieren Sie Ihr eventuelles Übergewicht

Nehmen Sie Ihre

Medikamente

gewissenhaft ein.

Was diese Medikamente angeht sollten Sie wissen, daß sie nicht nur deshalb gegeben werden, damit es Ihnen besser geht, sondern damit es Ihnen länger gut geht und damit Sie länger leben. Das bedeutet, daß Sie einen Teil der Medikamente auch dann einnehmen sollten, wenn Sie keinerlei Beschwerden haben und wenn es Ihnen eigentlich gut geht. Zu diesen Medikamenten gehören bei koronarkranken Patienten eigentlich immer:

  • Medikamente zur Senkung des Cholesterins (sog. „CSE-Hemmer“)
  • Medikamente gegen die Blutzuckerkrankheit
  • 100 mg Aspirin oder ASS täglich
  • ß-Blocker (sprich: beta-Blocker), z.B. Metoprolol oder Bisoprolol
  • Menschen mit erhöhtem Blutdruck oder solchen, deren Herzmuskel einen (wenn auch geringen) Schaden hat sollten immer ACE-Hemmer einnehmen.

Diese Medikamente werden an vielen hunderttausend Patienten seit vielen Jahren eingesetzt, sie sind gut verträglich und ihre Wirksamkeit ist bewiesen! Wenn Sie dennoch Probleme mit diesen Medikamenten haben, wenn Sie sie nicht vertragen oder Nebenwirkungen verspüren: Werfen Sie sie nicht einfach weg, sondern sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Kardiologen darüber, damit er Ihnen ein vielleicht anderes Medikament geben kann, das Sie besser vertragen.

Und noch 2 Dinge:

  • Lassen Sie sich nicht verwirren, wenn das Medikament, das Sie bislang eingenommen haben auf einmal einen anderen Namen hat. Ihre Krankenkasse ist gesetzlich verpflichtet, immer das preisgünstigste Medikament zu bezahlen. „Billiger“ heißt nicht schlechter, denn nicht das schicke Aussehen der Pillenschachtel zählt, sondern der Inhalt der Tablette. Solange der Wirkstoff in der „neuen“ Tablette derselbe ist kann man gegen den Wechsel des Herstellers wenig einwenden. Wenn Sie Fragen oder Zweifel haben: Sprechen Sie Ihren Arzt oder den Apotheker an!
  • Alle Medikamente verfolgen ein bestimmtes Ziel, nämlich Blutdruck, Blutzucker oder Cholesterin auf bestimmte Zielwerte abzusenken. Diese Werte müssen von Zeit zu Zeit gemessen werden (wir empfehlen: 1mal alle 3-6 Monate). Lassen Sie sich diese Werte von Ihrem Arzt sagen und prüfen Sie auch selber, ob Ihre Werte in Ordnung sind. Die jeweiligen Zielwerte finden Sie in der unten stehenden Tabelle. Vertrauen Sie Ihrem Arzt, aber: 4 Augen sehen mehr als 2!

Wenn Sie sich genauer über die Koronarerkrankung, Herzinfarkte, Behandlungen oder Untersuchungen informieren möchten besuchen Sie uns auch im Internet unter www.meinherzdeinherz.info. Wählen Sie hier die Rubrik „Wissen“, wo viele Informationsmaterialien für Sie bereit stehen.

Zielwerte

HBA1c ≤ 6.1 %
Nüchtern-Blutzucker < 110 mg-%
Selbst gemessener Nüchtern-Zucker 70 – 90 mg-%
Blutdruck < 130/80 mm Hg
Gesamt-Cholesterin < 175 mg-%
LDL-Cholesterin (= „böses“ Cholesterin) < 100 mg-%

Brustschmerzen

Brustschmerzen können verschiedene Ursachen haben. Auch wenn man Schmerzen in der Gegend des Herzens verspürt bedeutet dies noch nicht automatisch, daß das Herz auch die Ursache ist. Auch Sodbrennen, die Erhöhung des Blutdrucks oder Reizungen der Muskeln, Knochen oder Bänder des Brustkorbes und der Schultern können Ursache für Schmerzempfindung im Brustkorb sein.

Weil Brustschmerzen aber auch Ausdruck einer Herzkrankheit (z.B. bei verengten Herzkranzarterien) sein können und weil solche Herzkrankheiten zu Herzinfarkt oder Herzschwäche führen können muß man solche Beschwerden weiter klären. Dabei muß man versuchen, eine Herzkrankheit als Ursache der Schmerzen zu finden, gefährliche Krankheiten zu beseitigen und die Schmerzen nach Möglichkeit abzustellen.

Diese Abklärung erfordert meistens mehrere ärztliche Fachrichtung, z.B. die Kardiologie, Orthopädie oder Magen-Darm-Heilkunde. In der Regel wird man, weil dies die gefährlichsten Ursachen wäre zunächst einen Kardiologen einschalten.

Hier werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt, die man in ein „Basis-“ und ein „erweitertes“ Programm einteilt:

Das Basis-Programm besteht zunächst in einer Unterhaltung zwischen Ihnen und dem Kardiologen (Erhebung der Anamnese). Hierbei befragt er sie nach der Art Ihrer Beschwerden, wann Sie auftreten, wie lange Sie sie schon haben, wodurch sie ausgelöst werden, welche Krankheiten Sie schon einmal hatten und ob es Risikofaktoren für eine Durchblutungsstörung des Herzens gibt.

Bei einer körperlichen Untersuchung wird Ihr Herz abgehorcht und dabei nach Herzgeräuschen gesucht, die Lunge wird ebenfalls abgehört und die Pulse der Schlagadern an Armen, Beinen und am Hals werden betastet und abgehört. Und schließlich untersucht der Arzt, ob sich Ihre Schmerzen dadurch auslösen lassen, daß bestimmte Stellen der Brustwand und der Gegend vor dem Herzen auf Druck schmerzen.

Im Ruhe-EKG sucht der Kardiologe nach der Art, wie Ihr Herz elektrisch arbeitet, ob es Narben nach früheren (vielleicht unbemerkt aufgetretenen) Herzinfarkten gibt oder ob die Wände des Herzens z.B. durch hohen Blutdruck verdickt sind.

Besonders wichtig ist das Belastungs-EKG, denn mit dieser Untersuchung kann der Kardiologe nicht nur Ihre körperliche Verfassung abschätzen, sondern er kann u.U. Veränderungen der Kurve sehen, wie man sie typischerweise bei Durchblutungsstörungen des Herzmuskels findet.

Wenn dies nicht schon kurz vorher durch den Hausarzt durchgeführt worden war wird er auch Blut abnehmen, um das sog. Risikofaktoren (z.B. Cholesterin, Blutzucker, Nierenfunktion, Gehalt des Blutes an Blutfarbstoff) zu erfassen.

Am Ende dieser Untersuchungen hat der Kardiologe einen Eindruck davon, ob tatsächlich eine Herzkrankheit vorliegen könnte oder zunächst erst nach anderen Ursachen (undichtes Ventil schwachen Magen und Speiseröhre mit Rückfluß von Magensäure in die Speiseröhre oder Wirbelsäulenerkrankungen mit Reizung der Brustwandnerven) vorliegen.

Hält er eine Herzkrankheit für wenig wahrscheinlich wird er vorschlagen, daß zunächst Ärzte anderer Fachrichtungen untersuchen, hält er aber eine Herzkrankheit für möglich und wahrscheinlich wird er ein „erweitertes“ Untersuchungsprogramm einleiten.

Zu den Untersuchungen dieses erweiterten Programm gehören u.U. eine Myokardszintigraphie, ein Streß-Echo, eine CT- oder MRT-Untersuchung des Herzens  oder auch eine Herzkatheteruntersuchung.

Welche Untersuchungen notwendig sind, wie sie durchgeführt werden, was Sie davon spüren und welche Risiken, aber auch welchen Nutzen sie haben haben wird der Arzt ausführlich mit Ihnen besprechen.

Es versteht sich von selbst, daß Sie Fragen, die Sie haben mit Ihrem Kardiologen oder Hausarzt besprechen sollten. Stimmen Sie keiner Untersuchung zu, bevor Sie deren Sinn nicht verstehen. Es ist aber wichtig, daß Sie die folgenden Dinge wissen:

  • Solange die Untersuchungen, die Ihnen der Arzt vorgeschlagen haben nicht durchgeführt worden sind ist die Ursache Ihrer Brustschmerzen noch unklar.
  • Erst wenn er die Diagnose kennt (und sei es, daß es das Herz nicht ist) kann er mit der Behandlung beginnen. Solange die Ursache Ihrer Schmerzen noch unklar ist kann man nicht sagen,
    • ob eine schwerwiegende, d.h. gefährliche Krankheit vorliegt
    • wie Ihre Beschwerden gelindert oder beseitigt werden können und
    • was man tun kann und muß, um evtl. Gefahren für Ihre Gesundheit und Ihr Leben zu beseitigen.

Vor einigen Untersuchungen, die Ihnen der Kardiologe vorschlägt (z.B. die Herzkatheteruntersuchung oder die Myokardszintigraphie mit Einspritzung radioaktiven Kontrastmittels) werden Sie sich vielleicht fürchten, weil Sie diese Untersuchungen für gefährlich halten. Sicherlich haben solche Spezialuntersuchungen tatsächlich gewissen Risiken. Verglichen mit den Gefahren, die Ihre Herzkrankheit hat, wenn sie ohne weitere Untersuchungen nicht behandelt werden kann sind die Risiken der Untersuchung aber verschwindend klein. Die Untersuchungen sind somit „das kleinere Übel“.

Alle Untersuchungen, die gerade erwähnt wurden sind heutzutage „medizinischer Standard“, d.h. sie sind schon bei vielen Tausend Menschen mit großer Sicherheit angewandt worden und die Ärzte, die sie durchführen sind geübt und erfahren.

Vielleicht sind Sie am Ende des Gespräches mit dem Kardiologen noch unsicher und müssen es sich noch überlegen, ob Sie die vorgeschlagenen Untersuchungen durchführen lassen oder nicht. Vielleicht möchten Sie sich mit Menschen Ihres Vertrauens (z.B. mit Familienmitgliedern, Verwandten, Bekannten, mit Ihrem Hausarzt) besprechen oder einen anderen Kardiologen um seine Meinung fragen.

Sie müssen sich wegen dieser Unsicherheit nicht schämen und Sie müssen keineswegs das Gefühl haben, als würde sich der Kardiologe nicht mehr um Sie kümmern, wenn Sie seinem Rat nicht sofort folgen. Sagen Sie dem Arzt , wenn er Ihnen eine solche Untersuchung vorschlägt ruhig, daß Sie für Ihre Zustimmung noch Zeit benötigen. Wenn Sie diese Zeit nicht haben (z.B. weil das Problem Ihres Herzens bereits nach den 1. Untersuchungen offenkundig und dringend ist) wird Ihnen der Arzt das sofort sagen. Ansonsten wird jeder vernünftige Arzt Verständnis dafür haben, wenn Sie überlegen müssen oder eine Zweitmeinung einholen möchten. (Wenn er dafür kein Verständnis hat: Wechseln Sie den Arzt!).

Bitten Sie ihn auch, einen Bericht anzufertigen, der entweder per Fax oder per Post an Ihren Hausarzt geschickt wird oder den Sie sofort mitnehmen können. Mit Hilfe dieses Berichtes kann sich Ihr Hausarzt dann über Ihre Untersuchungsergebnisse informieren, sodaß Sie sich mit ihm beraten können.

Sie haben natürlich auch die Möglichkeit, sich über das Internet zu informieren. Besuchen Sie dazu einfach meine Internet-Seite (www.meinherzdeinherz.info) und sehen Sie hier unter der Rubrik „Wissen“ nach, welche ausführlichen Broschüren ich hier für Sie schon geschrieben haben. Interessant könnten für Sie die folgenden Broschüren sein:

  • Was Sie über die koronare Herzkrankheit wissen sollten
  • Was Sie über einen Herzinfarkt wissen sollten
  • Untersuchungsmethoden des Herzens