Herzkatheter: Ja oder nein?

Hier möchte ich Sie kurz über eine Herzkatheteruntersuchung informieren, um Ihnen bei der Entscheidung zu helfen, ob Sie die Untersuchung durchführen lassen sollten.

Was ist eine Herzkatheteruntersuchung?

Sie wird durchgeführt, um Herzkranzgefäße, die linke Herzkammer und die Herzklappen genau zu untersuchen.

Die Herzkranzarterien sind dafür zuständig, daß der Herzmuskel mit Blut, Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird. Es gibt eine Arterie, die die Vorderwand des Herzens, eine weitere Arterie, die die Hinterwand und eine weitere Arterie, die die Seitenwand des Herzens versorgt. Diese 3 Gefäße sind sehr dünn (am Ursprung ca. 4 mm dick) und liegen auf der Außenseite des Herzens. Man kann sie weder auf einem normalen Röntgenbild des Herzens noch im Ultraschall erkennen.

Um diese Gefäße sehen zu können muß man sie mit Kontrastmittel anfüllen und sie dann röntgen. Genau hierzu ist die Herzkatheteruntersuchung da:

Der Arzt führt einen dünnen Plastikschlauch (= „Herzkatheter“) von einer kräftigen Schlagader in der rechten Leiste oder vom Handgelenk aus bis zum Herzen vor. Um den Katheter in die Schlagader einführen zu können wird die Haut über der Arterie betäubt, damit der Einstich in das Gefäß mit einer Nadel nicht weh tut. Den Weg des Katheters von der Leiste bzw. vom Handgelenk zum Herzen spürt man nicht, denn die Adern, durch die der Katheter „läuft“ sind an den Innenseiten taub und gefühllos. Der Arzt beobachtet den Lauf des Katheters im Röntgenbild und kann den Katheter dadurch stets in die richtige Richtung lenken. Am Herzen angekommen wird die Spitze des Katheters in die Herzkranzgefäße eingeführt. Danach spritzt der Arzt das Kontrastmittel in das Gefäß und filmt, wie sich die Adern anfärben. Indem er diese Kontrastmittelanfüllung aus verschiedenen Richtungen filmt kann er Verengungen oder Verschlüsse der Gefäße genau erkennen. Ebenfalls wird er die linke Herzkammer mit Kontrastmittel anfüllen, damit er genau sehen kann, ob der Herzmuskel überall kräftig arbeitet, ob er durch verengte Gefäße bereits geschädigt ist und wie die Herzklappen arbeiten.

Man spürt von einer Herzkatheteruntersuchung nur 3 Dinge:

  • Den Einstich zur lokalen Betäubung der Haut über Leisten- bzw. Handgelenksschlagader,
  • die Kontrastmittelfüllung der Herzkammer in Gestalt eines „sonderbaren“ (keinesfalls unangenehmen) Wärmegefühls im ganzen Körper einschließlich in Blase und Darm, sowie
  • in manchen Fällen Herzstolpern oder Herzklopfen, das auftritt, wenn der Katheter die Herzkammer von innen berührt.

Alle anderen Dinge, d.h. den Weg des Katheters von der Leiste zum Herzen oder die Einspritzung nur kleiner Kontrastmittelmengen in die Herzkranzgefäße werden Sie nicht bemerken!

Während der gesamten Untersuchung werden laufend Ihr Blutdruck und Ihr EKG überwacht. Dennoch sind Komplikationen wie Entzündungen des Herzens, Blutergüsse in der Leistengegend, Herzinfarkt, Schlaganfall oder schwerwiegende Herzrhythmusstörungen möglich. Bedrohliche Untersuchungskomplikationen treten aber nur sehr selten (weniger als 1mal bei 1.000 Untersuchungen) auf.

Ambulant oder stationär?

Herzkatheteruntersuchungen können stationär oder ambulant durchgeführt werden. Ob ambulant oder stationär untersucht wird hängt z.B. davon ab, ob die Nieren ausreichend arbeiten und das Kontrastmittel schnell wieder ausscheiden können, wie kräftig die linke Herzkammer arbeitet oder ob Sie zu Hause allein stehend sind. Ihr Kardiologe wird dies mit Ihnen besprechen und Ihnen dazu raten, ob die ambulante oder stationäre Untersuchung die für Sie sicherste Methode ist.

Wenn die Untersuchung ambulant durchgeführt wird liegen Sie etwa 4 Stunden im Liegeraum der Herzkatheteruntersuchung im Bett, damit sich die Einstichstelle an der Leistenschlagader wieder sicher verschließen kann. Wenn die Untersuchung stationär durchgeführt wird werden Sie in aller Regel am Morgen des folgenden Tages wieder nach Hause entlassen.

Soll ich den Katheter durchführen lassen?

Es gibt Situationen, in denen die Durchführung einer Herzkatheteruntersuchung lebenswichtig ist, z.B. wenn Sie mit einem frischen Herzinfarkt ins Krankenhaus gekommen sind. In diesen Fällen ist die Katheteruntersuchung unumgänglich.

In allen Fällen, in denen die Untersuchung aber nicht so dringend ist sollten Sie sich Gedanken machen. Berücksichtigen Sie bei diesen Überlegungen die folgenden Dinge:

  • Katheteruntersuchungen sind Routineuntersuchungen; Sie haben zwar Komplikationsmöglichkeiten, dies aber nur in sehr wenigen Fällen. Angst vor der Untersuchung müssen Sie wirklich nicht haben.
  • Ohne die Herzkatheteruntersuchung wissen Ihre Ärzte nicht, in welchem Zustand sich Ihr Herz befindet, welche Gefahren (z.B. durch einen Herzinfarkt) drohen und wie Sie am besten behandelt werden können, um Ihre Beschwerden zu lindern und eine vielleicht drohende Herzinfarkt-Gefahr abzuwenden. Oder anders herum: Ohne eine Herzkatheteruntersuchung wird man Ihre evtl. bestehende Herzkrankheit nicht optimal behandeln können.
  • Die Herzkatheteruntersuchung selber wird Ihnen nicht helfen, denn sie dient nur dazu, das Problem festzustellen, nicht aber, um es zu beseitigen. Als Konsequenzen der Untersuchung werden vielleicht eine Bypass-Operation oder Ballonerweiterung notwendig sein. Wenn Sie schon von vornherein wissen, daß Sie sich (aus welchen Gründen auch immer) nicht operieren oder mit einer Ballonerweiterung behandeln lassen werden sollten Sie auch keine Herzkatheteruntersuchung durchführen lassen. Denn dann wäre das kleine Risiko der Untersuchung für Sie ohne Konsequenzen. Sie sollten sich daher vor einer Katheteruntersuchung grob über die Ballonerweiterung und Bypass-Operation informieren. Sie können beispielsweise Informationen aus dem Internet bekommen, wenn Sie hier klicken.
  • Wenn Sie wissen möchten, ob man nicht bei einer Herzkatheteruntersuchung „im gleichen Aufwasch“ auch eine Ballonerweiterung durchführen kann: Grundsätzlich geht das natürlich und wenn Sie dies wünschen wird es auch getan. Aber:

Außer in Notsituationen gibt es zur Ballonerweiterung oft eine Alternative (z.B. eine Medikamentenbehandlung oder Bypass-Operation). Alle möglichen Behandlungen haben ihre Vor- und Nachteile. In der Situation einer Katheteruntersuchung, wenn Sie auf dem Untersuchungstisch liegen und vielleicht nervös oder ängstlich sind werden Sie nicht die Ruhe haben, die Sie für eine solche grundsätzliche Entscheidung haben sollten. Daher sollte der Arzt der Katheterabteilung nach Möglichkeit immer versuchen, den Patienten die Situation mit den Vor- und Nachteile der möglichen Behandlungen zuerst genau zu erklären. Einige Tage später treffen Sie sich dann mit dem Herzkatheterarzt, Ihrem Kardiologen oder Hausarzt noch einmal und können das Problem in Ruhe mit ihm besprechen, nachdem Sie zuvor alles gründlich überlegen und abwägen können. Wir finden, daß dies das beste Vorgehen ist, weil es dabei helfen kann, unnötige Behandlungen auch mit dem Ballonkatheter zu vermeiden.

Was soll ich denn nun machen?

Überlegen Sie in aller Ruhe, ob Sie die Untersuchung durchführen lassen möchten. Sprechen Sie mit Verwandten, Bekannten, Ihrem Hausarzt oder mit anderen Menschen Ihres Vertrauens. Scheuen Sie sich auch nicht, mit Ihrem Hausarzt oder Kardiologen darüber zu sprechen.

Es gibt Ärzte in niedergelassenen Praxen und im Krankenhaus, die (aus welchen Gründen auch immer) dazu neigen, alle möglichen Beschwerden sofort mit einem Herzkatheter zu untersuchen. Motto (sarkastisch formuliert, Entschuldigung): Luftnot, Kopfschmerzen oder Fußschweiß könnten ja durch eine Herzkrankheit verursacht werden, daher ist der Katheter unbedingt notwendig.

Was Sie benötigen ist ein Arzt, der solche Neigungen nicht hat und der Sie ehrlich und ohne unnötige Angst zu erzeugen berät. Wer sind solche wirklich guten Ärzte und woran erkenne ich sie?

Wer ein guter Arzt ist weiß eigentlich nur die Zeitschrift Fokus®, die Listen solcher Ärzte veröffentlicht. Woher der Fokus® das weiß kann Ihnen niemand sagen. Ich bin auch Arzt, aber ich weiß selber nicht, welcher „der beste“ Arzt ist, dem ich mich anvertrauen kann. Ich gehe wie folgt vor:

Wenn ich ein Problem habe (z.B. wenn ich mich frage, ob mein Ellenbogen mit dem überempfindlichen Musikantenknochen operiert werden sollte) gehe ich zu einem Chirurgen, schildere ihm mein Problem und höre mir dann an, was er mir rät, ob er mir die Erfolgsaussichten der Operation, ihren Nutzen und ihre Risiken gut erklären kann. Ich bin kein Chirurg und kann daher das, was er mir erklärt nur sehr bedingt verstehen. Aber ich bekomme ein Gefühl dafür, ob ich diesem Arzt vertrauen kann oder nicht. Vertraue ich ihm  folge ich seinen Empfehlungen (egal wie sie lauten), vertraue ich ihm aber nicht so richtig dann suche ich einen anderen Arzt auf und bespreche mein Problem auch mit ihm.

Dieses Verfahren nennt man „Einholung einer Zweitmeinung“ und es ist ein legitimes Verfahren. Es ist in diesem Zusammenhang sinnvoll, wenn Sie dem 1. Arzt sagen, daß Sie sich gerne noch die Meinung eines anderen Arztes anhören wollen, bevor Sie sich entscheiden. Die Reaktion des Arztes auf diese Mitteilung sagt viel aus: Jeder gute Arzt wird gerade bei einem Eingriff wie einer Herzkatheteruntersuchung Verständnis für ihre Unsicherheit haben und natürlich nichts gegen die Einholung einer Zweitmeinung einzuwenden haben. Ist er pikiert, beleidigt oder wird er pampig (habe ich schon erlebt) wissen sie eigentlich schon Bescheid.

Also: Wenn Sie unsicher sind, ob Sie die Untersuchung durchführen lassen sollen oder nicht: Beraten Sie sich mit dem Arzt Ihres Vertrauens, egal, ob dies Ihr Hausarzt oder ein Kardiologe ist.

Wenn Sie sich dann zum Katheter entschließen: Rufen Sie denjenigen Arzt an, der die Notwendigkeit zur Katheteruntersuchung festgestellt hat und verabreden Sie mit ihm, wie und wo Sie angemeldet werden (z.B. per Telephon oder Fax) und wie es dann weiter geht (z.B. ob vor der Untersuchung noch Blut abgenommen werden muß).

Wenn Sie sich gegen einen Katheter entscheiden: Rufen Sie Ihren Arzt an und sagen, daß Sie keine Katheteruntersuchung wünschen. Besprechen Sie dann mit ihm, wie es nun weiter gehen soll.

Wenn Sie mehr über eine Herzkatheteruntersuchung, über eine Ballonerweiterung (PTCA, Stents) oder eine Bypass-Operation wissen möchten besuchen Sie uns im Internet unter der Adresse www.meinherzdeinherz.info und klicken Sie auf „Wissen“.

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Kardiologische Untersuchungen

Das iBook über alle kardiologischen Untersuchungen wurde überarbeitet und kann nun für 4,99€ in Apples iBook Store erworben werden.

Sie lernen hier vieles über die verschiedenen Untersuchungsmethoden der Kardiologie, vom EKG über eine Kernspin- oder CT-Untersuchung, Echokardiographie und einem event-Rekorder bis hin zur transösophagealen Echokardiographie (TEE).

Und das Ganze wird mit vielen Bildern, Filmen und Animation so erklärt, daß es eigentlich für jedermann verständlich sein sollte.

Corobuch

Das Corobuch ist fertig.

Es richtet sich an Kardiologen (angehende oder fertige), die sich mit Herzkatheteruntersuchungen beschäftigen.

Das Buch besteht aus den folgenden Kapiteln:

  • (0) Technische Vorbemerkungen
  • (1) Geschichte
  • (2) Indikationen
  • (3) Ausrüstung
  • (4) Sicherheitsvorkehrungen
  • (5) Anweisungen
  • (6) Personal, Ausbildung
  • (7) Desinfektion, Hygiene
  • (7a) Hygieneplan (Word-Dokument)
  • (8) Strahlenschutz
  • (8a) Formulare
  • (9) Messungen
  • (10) Rechtsherzkatheter
  • (11) Transseptale Punktionen
  • (12) JUDKINS
  • (13) SONES
  • (14) Radialis-Technik
  • (15) Koronarprojektionen
  • (16) Normale Koronaranatomie
  • (17) Koronaranomalien
  • (18) Auswertung des Lävokardiogramms
  • (19) Koronarkrankheit
  • (20) Befundung
  • (21) Komplikationen
  • (22) Erworbene Herzfehler

Interessierte finden es, wenn Sie hier klicken.

Einige der oben stehenden Kapitel sind kostenfrei zu bekommen, für die meisten wird allerdings eine kleine Gebühr erhoben, die allerdings echt erschwinglich ist (0,99 – 2,99€).

Das Buch wurde speziell für Benutzer von iPads geschrieben und kann auf anderen eBook-Reader nicht gesehen werden. wenn Sie einen anderen Reader haben und das Buch auch dort gerne lesen würden: Schicken Sie mir eine eMail. Das wird dann allerdings nicht schnell gehen, denn ich muß jedes einzelnes Kapitel in das epub3-Format umschreiben.

Im Rahmen der Veröffentlichung des letzten Kapitels habe ich auch das Kapitel 9 (Messungen) überarbeitet.

Wenn Sie etwas lernen möchten

Sie sind Medizinstudent oder junger Arzt und möchten etwas über das EKG lernen?

Dann kann ich Ihnen meinen EKG-Kurs empfehlen. Sie lernen in diesem Kurs etwas darüber, was es mit der elektrischen Aktivität des Herzens auf sich hat, wie ein EKG entsteht, was man dort sehen kann und wie man es interpretiert. Wenn Sie interessiert sind: Ärzte klicken hier, Assistenten klicken hier.

Sie sind angehender Kardiologe und möchten sich über die Durchführung von Herzkatheteruntersuchungen informieren?

Ich habe mein „Corobuch“ fast vollständig fertig. Sie lesen hier in 23 Kapiteln etwas darüber, wie man die verschiedenen Untersuchungstechniken (Rechts-, Linksherzkatheter, transseptale Technik, JUDKINS-, SONES-, Radialis-Technik) durchführt, Sie lesen über Tricks und Schwierigkeiten der einzelnen Methoden, über Komplikationen, über die Bewertung Ihrer Befunde und die Auswertung von Katheteruntersuchungen und Sie erfahren etwas über erworbene und angeborene Herzfehler, deren Hämodynamik und deren invasive Untersuchung. Interessiert? Dann klicken sie hier.

Und schließlich das Wichtigste:

Wenn Sie an mehr oder weniger sinnlosen quälend langen Veranstaltungen teilnehmen müssen (z.B. Schnittstellenbesprechungen, QM-Sitzungen o.ä.) dann sollten Sie auf Ihrem Smartphone oder Tablet immer das Bullshit-Bingo gespeichert haben. Sie werden solche Besprechungen lieben!

Kleine Bitte: Wenn Ihnen neue Begriffe vom Typ Implementi-Sprache oder Wichtigtuer oder warme Luft begegnen, die die Aufnahme ins Bullshit-Bingo verdienen: Schicken Sie mir eine eMail unter andreaslauber@mac.com. Danke auch im Namen aller Besprechungsopfer.

Arterieller Hochdruck

WAS IST HOHER BLUTDRUCK?

Der Blutdruck wird normalerweise beim Arzt oder in der Apotheke mit einer Blutdruckmanschette gemessen. Mit einer solchen Messung erhält man 2 Werte: Den oberen und den unteren Blutdruck. Wird z.B. ein Wert von 120/80 gemessen ist „120“ der sog. systolische und „80“ der diastolische Blutdruck. Die Maßeinheit für den Blutdruck ist „Millimeter Quecksilber“, abgekürzt „mm Hg“ und ausgesprochen wird die Messung „120 zu 80 mm Hg“.

Nach einer international geltenden Definition ist ein Blutdruck von höher als 140/90 mm Hg krankhaft, man spricht dann von einer „arteriellen Hypertonie“ (spricht: „Hüpertonie“). Der optimale Blutdruckwert ist niedriger als 130/80 mm Hg.

WAS IST GEFÄHRLICH DARAN?

Hoher Blutdruck tut nicht weh und warnt den erkrankten Menschen nicht. Kopfschmerzen oder Herzklopfen sind gewöhnliche Beschwerden im Alltag, die man auch ohne Hypertonie haben kann. Trotzdem verursacht ein erhöhter Blutdruck auf Dauer Schäden an den Schlagadern und den Organen des ganzen Körpers, sodaß Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Nierenschwäche auftreten können. Viele Patienten erfahren erst bei ihrem Herzinfarkt oder Schlaganfall davon, daß sie einen krankhaft erhöhten Blutdruck haben, der diese schreckliche Auswirkung (Herzinfarkt oder Schlaganfall) hatte.

WIE KANN ICH MICH SCHÜTZEN?

Der 1. Schritt nach der Messung krankhaft erhöhten Blutdrucks besteht darin, nach evtl. Ursachen zu suchen. Bei 85 – 90% aller Menschen mit erhöhtem Blutdruck wird man auch mit genauen Untersuchungen keine Ursachen finden. Man spricht in diesen Fällen von der sog. primären (d.i. grundlos aufgetretenen) Hypertonie. Bei 10-15% aller Betroffenen kann man allerdings Krankheiten der Nierengefäße, der Hormone oder z.B. des Schlafrhythmus finden. In diesen Fällen spricht man von sekundärer Hypertonie, weil der hohe Blutdruck hier „nur“ die Auswirkung einer anderen Krankheit ist. An seiner Gefährlichkeit ändert dies aber nichts! Sprechen Sie Ihren Hausarzt einmal darauf an, ob es sinnvoll ist, Sie bei einem Nieren-, Hormon- oder Lungenspezialisten vorzustellen, um nach solchen Ursachen zu suchen.

Der 2. Schritt nach der Messung erhöhten Blutdrucks besteht darin, nach Schädigungen zu suchen, die der Hochdruck am Herzen, den Blutgefäßen, den Nieren oder den Augen vielleicht schon verursacht hat. Ein Kardiologe sucht beispielsweise danach, ob es zu einer Verdickung der Herzwände gekommen ist oder ob wegen Schäden an den sog. Herzkranzgefäßen Durchblutungsstörungen des Herzmuskels vorliegen, was die Gefahr eines Herzinfarktes oder einer Herzschwäche bedeutet.

Der 3. Schritt besteht schließlich darin, den erhöhten Blutdruck zu behandeln und den Erfolg dieser Behandlung zu überwachen.

WIE WIRD DIE HOCHDRUCKKRANKHEIT BEHANDELT?

So deprimierend dies auch klingt: Eine Heilung der Bluthochdruckkrankheit ist nur in seltenen Fällen möglich. Auch wenn man evtl. Ursachen der Blutdruckerhöhung durch eine Aufdehnung verengter Nierengefäße, durch Eingriffe am Nervensystem der Nieren oder durch Operationen hormon-produzierender Krankheiten beseitigen kann:

Patienten mit erhöhtem Blutdruck benötigen in aller Regel lebenslang Medikamente.

Es gibt verschiedene Medikamenten-Sorten, z.B. solche, die den Körper entwässern (harntreibende Medikamente = Diuretika), Medikamente, die die Blutgefäße erweitern, in den Salz- und Hormonhaushalt des Körpers eingreifen oder das Herz „in den Schongang versetzen. Welches dieser Medikamente „das Beste“ ist kann man nicht sagen, denn jeder Mensch und jede Bluthochdruckkrankheit reagiert auf diese Medikamente unterschiedlich.

In den meisten Fällen wird man nicht nur 1 Medikament einnehmen müssen, sondern eine Kombination verschiedener Substanzen. Der Grund für solche Kombinationen besteht darin, daß man die Dosis der jeweiligen einzelnen Medikamente hierdurch niedrig halten kann, sodaß möglichst wenig Nebenwirkungen auftreten.

Welches einzelne oder welche Medikamentenkombinationen eingesetzt werden entscheidet in aller Regel ihr Hausarzt. Er benutzt dazu diejenigen Substanzen, mit denen er die meis- te und die beste Erfahrung hat. Kardiologen, das ist erwiesen, machen es nicht automatisch besser als der Hausarzt.

Es ist von größter Bedeutung, daß man die vom Arzt verschriebenen Medikamente auch tatsächlich einnimmt und daß man sich an die Mengen hält, die er empfohlen hat. Denn wenn der Blutdruck aus dem Ruder läuft werden Sie dies nicht sofort verspüren, nichts wird weh tun oder Sie in anderer Weise warnen; das Erste, was man spürt, wenn der Blutdruck schlecht eingestellt ist kann dann oft der Schlaganfall oder der Herzinfarkt sein. Und angesichts der Risiken und Folgen sol- cher schwerer Krankheiten sollte man es darauf nicht ankommen lassen, oder?

WAS MUß ICH ALSO TUN?

  • Lassen Sie sich in regelmäßigen Abständen vom Hausarzt untersuchen. Ein Belastungs-EKG und eine Ultraschalluntersuchung des Herzens alle 2 Jahre (wenn es Ihnen gut geht und Sie keine Beschwerden haben) reicht aus, eine Untersuchung beim Augenarzt sollte etwa 1mal jährlich erfolgen und die Nierenwerte aus dem Blut auch etwa alle 6-12 Monate kontrollieren lassen.
  • Nehmen Sie die Medikamente, die Ihnen Ihr Arzt verschrieben hat regelmäßig und zuverlässig ein. Sie sind gut verträglich und schützen Sie vor den schlimmen Komplikationen der Hochdruckkrankheit.
  • Kaufen Sie sich ein Blutdruck-Meßgerät. Die Geräte sind nicht teuer und helfen Ihnen selber zu überprüfen, ob der Blutdruck gut eingestellt ist. Messen Sie dazu alle 3 -4 Monate über 1 Woche lang jeden Tag 3mal Ihren Blutdruck (morgens, mittags, abends) und zeigen Sie diese Werte dann Ihrem Hausarzt. Schreiben Sie die gemessenen Werte dann in ein einfaches Protokoll.
  • Wenn Sie ein Blutdruckgerät kaufen: Kaufen Sie nur eines, das von der Deutschen Hochdruckliga als gut befunden worden ist und ein entsprechendes Siegel trägt. (Übrigens: Gute und zuverlässige Geräte gibt es nicht nur in der Apotheke oder im Sanitätshaus, sondern auch bei Aldi, Lidl usw..
  • Wenn Sie übergewichtig sind: Nehmen Sie ab! Je schlanker Sie werden, desto weniger Medikamente müssen Sie einnehmen, um den Blutdruck gut einzustellen.
  • Treiben Sie ein wenig Sport oder bewegen Sie sich mehr, denn auch hier gilt: Je aktiver ein Mensch körperlich ist desto weniger Blutdruckmedikamente muß er einnehmen.
  • Wenn Sie Zigaretten rauchen: Hören Sie auf, denn Raucher, die einen erhöhten Blutdruck haben bekommen besonders häufig einen Schlaganfall oder Herzinfarkt.

Wenn Sie mehr über Herzkrankheiten wissen möchten besuchen Sie uns im Internet unter der Adresse www.meinherzdeinherz.info und klicken Sie auf „Wissen“.

Das unten abgebildete Meßprotokoll können Sie im Internet laden unter: Klicken Sie hier.

Herzrhythmusstörungen

WAS SIND HERZRHYTHMUSSTÖRUNGEN UND WAS MERKT MAN DAVON?

Herzrhythmusstörungen sind Unregelmäßigkeiten des Herzschlages:

Normalerweise schlägt ein Herz regelmäßig und im Takt. Jedes Herz macht hier aber manchmal einen kleinen Fehler, indem es ein wenig unregelmäßig schlägt, so ähnlich wie der Motor eines Autos, das ja auch schon einmal eine Fehlzündung macht.

Solche Unregelmäßigkeiten des Herzschlages nennt man „Herzrhythmusstörungen“. Jeder Mensch, ob er nun gesund oder krank ist hat solche Herzrhythmusstörungen und wenn man beispielsweise mit einem Langzeit-EKG die Herzen gesunder Menschen untersucht dann wird man bei jedermann (!) solche Stolperschläge finden, Perfektion gibt es eben in der Natur nicht.

Einige Menschen bemerken diese Stolperschläge in Form von „Herzklopfen“, die meisten Menschen bemerken aber garnichts. Erst wenn man die Aufmerksamkeit dieser Menschen weckt oder wenn sie darauf achten wird man die Herzrhythmusstörungen spüren. Die meisten Menschen spüren ihre Stolperschläge abends, wenn sie im Bett liegen. Dann ist es nämlich ruhig und man kann das Herz klopfen hören; dabei fallen dann Unregelmäßigkeiten schnell auf und machen den Betroffenen nervös und ängstlich.

Wenn man bei solchen Menschen ein Langzeit-EKG schreiben würde wird man auch tagsüber Stolperschläge finden, die man aber in der Hektik des Tages nicht verspürt! Denn: Stolpern tut jedes Herz!

SIND HERZRHYTHMUSSTÖRUNGEN GEFÄHRLICH?

Ja und nein.

Leider hat der Betroffene keine Möglichkeit, um festzustellen, ob das Herzstolpern harmlos oder gefährlich ist. Diese Frage hängt nämlich von einigen Dingen ab:

  • Ist das Herz organisch gesund oder nicht? Faustregel: Herzrhythmusstörungen, die ein gesundes Herz betref- fen (also ein Herz, dessen Muskel, dessen Herzklappen und dessen Durchblutung gesund ist) sind in der Regel harmlos, ist das Herz aber organisch krank können dieselben Herz- rhythmusstörungen gefährlich sein.
  • Welche Herzrhythmusstörung liegt vor? Stammen die Stolperschläge aus den Vor- oder den Hauptkammern? Faustregel: Stolperschläge aus den Vorkammern sind meistens harmlos, Schläge aus den Kammer möglicherweise gefährlich.
  • Handelt es sich um einzelne Stolperschläge oder um viele, die unter anderem auch direkt aufeinander folgen? Faustregel: Einzelne Stolperschläge sind harmlos, unmittelbar aufeinander Folgende möglicherweise gefährlich.

Einfache Faustregel: Die harmlosen Rhythmusstörungen sind oft völlig harmlos und von den Gefährlichen bemerkt man vorher nichts.

WIE WERDEN HERZRHYTHMUSSTÖRUNGEN UNTERSUCHT ?

Die Unterscheidung in „harmlos“ und „gefährlich“ muß der Arzt vornehmen. Er sucht dazu danach, ob das Herz an sich krank oder gesund ist. Hierzu werden meistens Untersuchungen wie ein einfaches EKG, ein Belastungs-EKG, eine Ultraschalluntersuchung des Herzens und machmal Blutuntersuchungen notwendig sein. Manchmal wird es auch notwendig sein, ausführlichere Untersuchungen wie Langzeit-EKG, Myokardszintigraphie, Streß-Echokardiographie oder eine Herzkatheteruntersuchung durchzuführen.

Welche Untersuchung nötig ist kann man im Voraus nicht sagen, denn dies hängt stark von den individuellen Gegebenheiten jedes einzelnen Menschen ab.

Am Ende solcher Untersuchungen steht dann die Feststellung, ob die Herzrhythmusstörungen gefährlich sind oder nicht. Als nächstes geht es dann um die Frage, ob man behan- deln soll oder muß:

WIE WERDEN HERZRHYTHMUSSTÖRUNGEN BEHANDELT?

Wenn nach Abschluß der Untersuchungen gefährliche Herzrhythmusstörungen festgestellt wurden dann muß man diese behandeln und zwar unabhängig davon, ob der Betroffene sie verspürt oder nicht. Eine solche Behandlung kann mit bestimmten Medikamenten (sog. Antiarrhythmika oder Rhythmusmedikamenten) erfolgen, sie kann aber auch die Implantation spezieller Herzschrittmacher, implantierbarer Elektroschockgeräte oder bestimmten Behandlungen mittels Herzkatheter erforderlich machen. Welche Behandlung am besten geeignet wird wird von der Art Ihrer speziellen Herzrhythmusstörung abhängig; der Arzt wird dies ausführlich mit Ihnen besprechen.

Sind die Herzrhythmusstörungen jedoch als harmlos eingestuft worden so wird die Frage, ob man behandelt oder nicht von Ihnen selber abhängen:

Die Behandlung solcher Herzrhythmusstörungen erfordert nämlich die dauerhafte Einnahme bestimmter Medikamente, der sog. ß-Blocker. Diese Medikamente beseitigen die Stolperschläge nicht, sondern unterdrücken sie nur. Das bedeutet mit anderen Worten: Solange Sie diese Medikamente einnehmen werden die Rhythmusstörungen unterdrückt, unterbrechen Sie die Medikamenteneinnahme werden sie wieder auftreten.

Die betroffenen Menschen stehen somit vor einer oft schwierigen Wahl: Sollen sie lebenslang Medikamente einnehmen, nur um harmlose Rhythmusstörungen zu unterdrücken oder sollen sie die Medikamente nicht einnehmen, dafür aber Herzstolpern verspüren, von dem sie allerdings wissen, daß es harmlos ist.

Diese Entscheidung kann Ihnen niemand abnehmen, auch Ihr Arzt nicht, denn sie hängt davon ab, wie stark sie unter dem Herzklopfen leiden. Nach meiner Erfahrung sagen die meisten Menschen mit solchen harmlosen Herzrhythmusstörungen, daß sie die Medikamente nicht jahrelang einnehmen möchten, nur um harmloses Herzstolpern zu unterdrücken. Ich selber (Dr. Lauber) beispielsweise bekomme meine Herzstolperschläge fast jeden Abend zwischen 21:00 und 23:00 Uhr und nehme keine Medikamente dagegen ein, weil ich mir sage, daß es sich nicht lohnt, für solche Harmlosigkeiten ß-Blocker einzunehmen und daß ich doch eigentlich schon längst tot wäre, wenn es sich um gefährliche Rhythmusstörungen handeln würde (und ich lebe noch immer!).

Also: Besprechen Sie mit Ihrem Hausarzt oder Ihrem Kardiologen, ob eine Medikamentenbehandlung sein muß oder nicht. Und wenn es nicht sein muß: Überlegen Sie es sich selber, ob Sie Medikamente haben möchten oder nicht.

Nur als kleine Ergänzung: Es macht in den allermeisten Fällen keinen Sinn, die Medikamente nur dann einzunehmen, wenn Sie Herzstolpern bemerken, denn die Stolperschläge sind längst wieder von selber verschwunden, bevor das Medikament aus dem Magen ins Blut gekommen ist.

WAS MÜSSEN SIE BEACHTEN?

  1. Herzrhythmusstörungen kann man nur dann im EKG sehen, wenn sie auftreten. Schon Sekunden, nachdem sie verschwunden sind ist das EKG wieder völlig normal. Wenn Sie oder Ihr Arzt also wissen müssen, welche Art von Herzrhythmusstörung Sie haben wird man entweder ein 24-Stunden-Langzeit-EKG schreiben müssen oder Sie müssen sofort zu einem Arzt oder (am Wochenende oder nachts) in ein Krankenhaus gehen, damit dort sofort (!) ein EKG geschrieben werden kann.
  2. Unabhängig davon, welche Ergebnisse die Untersuchungen Ihres Arztes oder Kardiologen gehabt haben: Wenn Sie plötzlich ohne erkennbaren Grund schwindelig werden: Suchen Sie Ihren Hausarzt oder Kardiologen bei der allernächsten Gelegenheit auf. Wenn Sie sogar ohnmächtig werden, wenn Herzstolpern im Zusammenhang mit Anfällen von Herzschmerzen oder Luftnot auftreten: Rufen Sie den Notarzt der Feuerwehr (Tel.: 112), denn in diesen Fällen können wirklich bedrohliche und gefährliche Herzrhythmusstörungen vorliegen, die unbedingt weiter abgeklärt und untersucht werden müssen!

Wenn Sie sich genauer über Herzrhythmusstörungen, andere Herzkrankheiten oder Untersuchungsmethoden informieren möchten besuchen Sie uns auch im Internet unter www.meinherzdeinherz.info und wählen Sie hier die Rubrik „Wissen“, wo viele Informationsmaterialien für Sie bereit stehen.

Herzmuskelkrankheiten

Es gibt mehrere Herzmuskelerkrankungen, die alle ganz verschiedener Natur sind und die vollkommen unterschiedlich behandelt werden müssen:

DILATATIVE KARDIOMYOPATHIE (DCM)

Bei dilatativen Kardiomyopathien ist es zu einer Vergrößerung oder Pumpschwäche des Herzmuskels gekommen. Die Ursachen hierfür sind sehr vielfältig:

Es kann sich z.B. um den

  • Folgezustand einer Herzmuskelentzündung handeln,
  • der Herzmuskel kann infolge von Durchblutungsstörungen geschädigt sein
  • es kann im Gefolge großer Narben nach Herzinfarkten zu Schädigungen des Herzmuskels gekommen sein,
  • der Herzmuskel kann durch Arbeitsüberlastung infolge von Herzklappenfehlern ermüden,
  • er kann durch ein permanent zu schnell schlagendes Herz bei bestimmten Herzrhythmusstörungen
  • oder durch langjährigen Alkoholkonsum geschädigt sein.
  • Eine Herzmuskelschädigung kann aber auch z.B. durch eine Chemotherapie bei bösartigen Krankheiten auftreten,
  • durch allgemeine Muskelerkrankungen (Muskeldystrophie),
  • durch Funktionsstörungen der Schilddrüse und Nebenniere entstehen oder
  • bei bestimmten anderen Erkrankungen (z.B. Lupus erythematodis, Panarteriitis nodosa) auftreten.
  • Und schließlich gibt es noch eine genetisch bedingte Form.

Die Folge einer solchen Krankheit ist in der Regel eine Pumpschwäche der linken Herzkammer, die den Körper nicht mehr mit ausreichenden Mengen frischen Blutes versorgen kann.

Die betroffenen Menschen verspüren hiervon die Symptome der Herzschwäche (Herzinsuffizienz), d.h. sie bemerken Wasseransammlungen in den Beinen und Luftnot zunächst nur bei stärkeren Anstrengungen und dann immer weiter zunehmend schließlich auch in körperlicher Ruhe.

Festgestellt wird eine DCM im Echokardiogramm (= Ultraschalluntersuchung des Herzens), das eine mehr oder weniger stark erweiterte linke Herzkammer zeigt, die sich nur müde bewegt. Im EKG sieht man oft einen sog. Linksschenkelblock, der aber für die DCM nicht beweisend ist.

Nach Feststellung einer Vergrößerung und Pumpschwäche der Herzkammer muß nach der Ursache gesucht werden. Dazu wird es meistens notwendig sein, eine Herzkatheteruntersuchung durchführen. Sie hat die Aufgabe, nach Durchblutungsstörungen des Herzmuskels und schwerwiegenden Herzklappenfehlern zu suchen. In einigen wenigen Fällen kann man mit Hilfe des Herzkatheters auch kleine Stücke des erkrankten Herzmuskels entnehmen (Biopsie) und diese dann speziell untersuchen oder man kann eine Kernspintomographie durchführen, um nach bestimmten Vernarbungsmustern des Herzmuskels zu suchen.

Wenn man eine spezielle Ursache für die DCM gefunden hat wird man natürlich das Grundproblem behandeln (z.B. durch eine Herzklappen- oder Bypass-Operation, Schilddrüsen- oder Nebennierenbehandlung), in allen anderen Fällen wird man eine medikamentöse Behandlung durchführen, wie sie auch für Menschen mit Herzschwäche erforderlich ist. Dazu kann es auch gehören, daß bestimmte Herzschrittmacher eingepflanzt werden oder daß man die Möglichkeit einer Herztransplantation prüft.

HYPERTROPHE KARDIOMYOPATHIE (HCM)

Bei der hypertrophen Kardiomyopathie kommt es zu einer unnatürlichen Verdickung des Herzmuskels. Von einer solchen Kardiomyopathie darf man daher nur dann sprechen, wenn „natürliche“ Ursachen für die Herzverdickung (z.B. Bluthochdruckkrankheit oder bestimmte Herzklappenfehler) ausgeschlossen sind.

Gesunder Herzmuskel ist weich, sodaß sich die Herzkammern leicht mit Blut, das durch die Herzklappen hinströmt füllen können. Verdickter Herzmuskel hingegen wird steif und unelastisch, sodaß er sich nicht mehr ausreichend mit Blut füllen kann.

Menschen mit HCM haben also das Problem, daß das Herz nicht genügend Blut pumpen kann. Anders als bei der DCM liegt dies aber nicht an einer Muskelschwäche, sondern daran, daß die Kammer sich nicht mit genügendem Blut füllen konnte.

Die Ursache für die Herzmuskelverdickung bei der HCM ist unbekannt, es scheint sich um einen angeborenen Defekt der Herzmuskelzellen zu handeln.

Es gibt 2 Unterformen der HCM:

  • Bei der obstruktiven Form (HOCM) bildet die Muskelverdickung einen Wulst, der sich in die linke Herzkammer vorwölbt und hier das Blut bei Verlassen der Kammer behindert;
  • bei der nicht obstruktiven Form (HNCM) entsteht keine solche Vorwölbung, hier findet die Verdickung hauptsächlich in der Spitze der linken Herzkammer statt.

Die Auswirkungen für den betroffenen Menschen sind für alle Formen der HCM dieselben wie für die DCM und für die Herzschwäche beschrieben:

Es kommt zum Auftreten von Luftnot und evtl. Wasseransammlungen in Lungen und Beinen.

Festgestellt werden die hypertrophen Kardiomyopathien mit EKG, Echokardiographie und Herzkatheteruntersuchung. Manchmal wird man auch Blutuntersuchungen durch- führen, um nach bestimmten Stoffwechselkrankheiten zu suchen, die zu einer „Aufblähung“ der Herzmuskelzellen führen (FABRY-Krankheit).

Behandelt werden die hypertrophen Kardiomyopathien entweder durch die Gabe von Medikamenten, mit denen ein gewisser Herzmuskelschwund und eine Verbesserung der Elastizität des Muskelgewebes bewirkt werden soll. Bei den obstruktiven Formen kann man den störenden Muskelwulst auch durch eine Operation, eine gezielte Zerstörung und Vernarbung des Wulstes entfernen oder durch spezielle Herzschrittmachertherapie behandeln, mit der die Pumpbewegungen des Herzens so verändert werden, daß sich der störende Herzmuskelwulst erst dann zusammenzieht, wenn das Blut schon vorbei geflossen ist.

RESTRIKTIVE KARDIOMYOPATHIE

Bei der sog. restriktiven Kardiomyopathie handelt es sich um eine Erkrankung, bei das Herz auch ohne eine Verdickung des Herzmuskels dick, steif und unelastisch wird. Die Ursache sind in der Regel Ablagerungen von körpereigenen Substanzen (Eiweiße, bestimmte Zuckerformen oder Fett) zwischen den einzelnen Herzmuskelzellen. Solche Kardiomyopathien sind relativ selten und sollen in dieser kurzen Info nicht genauer behandelt werden.

WAS IST WICHTIG FÜR SIE?

Für alle Kardiomyopathien gilt, daß sie relativ selten auftreten. Die notwendigen Untersuchungen und später auch die Behandlung sind sehr individuell auf die einzelnen Patienten zugeschnitten, eine „Standarduntersuchung und -behandlung“

gibt es nicht. Ihr Kardiologe wird also im Verlauf der Behandlung sehr ausführlich mit Ihnen über alle Untersuchungs- und Behandlungsschritte sprechen.

Wichtig ist für Sie, daß Sie Ihre Krankheit verstehen und lernen, mit ihr umzugehen. Auch wenn es heute in vielen Fällen nicht möglich ist, die Krankheit grundlegend zu behandeln und zu beseitigen können die verschiedenen Behandlungsformen Ihnen ein weitgehend normales Leben mit wenigen oder sogar gar keinen Beschwerden ermöglichen. Auch wenn es Ihnen gut geht und sie keine Beschwerden haben: Lassen Sie sich regelmäßig in den Intervallen, die Ihr Kardiologe Ihnen empfehlen kontrollieren, denn jede Kardiomyopathie kann fortschreiten und dann evtl. eine Veränderung der Behand- lung erforderlich machen.

Diese Broschüre kann Sie über die verschiedenen Formen der Kardiomyopathien nur sehr grob informieren. Wenn Sie mehr wissen möchten besuchen Sie uns im Internet unter der Adresse www.meinherzdeinherz.info. Wählen Sie hier die Rubrik „Wissen“, wo viele Informationsmaterialien für Sie bereit stehen. Hier finden Sie auch eine sehr viel detailliertere Broschüre, in der die verschiedenen Formen der Kardiomyopathien, ihre Auswirkungen und ihre Behandlung beschrieben werden.