Arterieller Hochdruck

WAS IST HOHER BLUTDRUCK?

Der Blutdruck wird normalerweise beim Arzt oder in der Apotheke mit einer Blutdruckmanschette gemessen. Mit einer solchen Messung erhält man 2 Werte: Den oberen und den unteren Blutdruck. Wird z.B. ein Wert von 120/80 gemessen ist „120“ der sog. systolische und „80“ der diastolische Blutdruck. Die Maßeinheit für den Blutdruck ist „Millimeter Quecksilber“, abgekürzt „mm Hg“ und ausgesprochen wird die Messung „120 zu 80 mm Hg“.

Nach einer international geltenden Definition ist ein Blutdruck von höher als 140/90 mm Hg krankhaft, man spricht dann von einer „arteriellen Hypertonie“ (spricht: „Hüpertonie“). Der optimale Blutdruckwert ist niedriger als 130/80 mm Hg.

WAS IST GEFÄHRLICH DARAN?

Hoher Blutdruck tut nicht weh und warnt den erkrankten Menschen nicht. Kopfschmerzen oder Herzklopfen sind gewöhnliche Beschwerden im Alltag, die man auch ohne Hypertonie haben kann. Trotzdem verursacht ein erhöhter Blutdruck auf Dauer Schäden an den Schlagadern und den Organen des ganzen Körpers, sodaß Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Nierenschwäche auftreten können. Viele Patienten erfahren erst bei ihrem Herzinfarkt oder Schlaganfall davon, daß sie einen krankhaft erhöhten Blutdruck haben, der diese schreckliche Auswirkung (Herzinfarkt oder Schlaganfall) hatte.

WIE KANN ICH MICH SCHÜTZEN?

Der 1. Schritt nach der Messung krankhaft erhöhten Blutdrucks besteht darin, nach evtl. Ursachen zu suchen. Bei 85 – 90% aller Menschen mit erhöhtem Blutdruck wird man auch mit genauen Untersuchungen keine Ursachen finden. Man spricht in diesen Fällen von der sog. primären (d.i. grundlos aufgetretenen) Hypertonie. Bei 10-15% aller Betroffenen kann man allerdings Krankheiten der Nierengefäße, der Hormone oder z.B. des Schlafrhythmus finden. In diesen Fällen spricht man von sekundärer Hypertonie, weil der hohe Blutdruck hier „nur“ die Auswirkung einer anderen Krankheit ist. An seiner Gefährlichkeit ändert dies aber nichts! Sprechen Sie Ihren Hausarzt einmal darauf an, ob es sinnvoll ist, Sie bei einem Nieren-, Hormon- oder Lungenspezialisten vorzustellen, um nach solchen Ursachen zu suchen.

Der 2. Schritt nach der Messung erhöhten Blutdrucks besteht darin, nach Schädigungen zu suchen, die der Hochdruck am Herzen, den Blutgefäßen, den Nieren oder den Augen vielleicht schon verursacht hat. Ein Kardiologe sucht beispielsweise danach, ob es zu einer Verdickung der Herzwände gekommen ist oder ob wegen Schäden an den sog. Herzkranzgefäßen Durchblutungsstörungen des Herzmuskels vorliegen, was die Gefahr eines Herzinfarktes oder einer Herzschwäche bedeutet.

Der 3. Schritt besteht schließlich darin, den erhöhten Blutdruck zu behandeln und den Erfolg dieser Behandlung zu überwachen.

WIE WIRD DIE HOCHDRUCKKRANKHEIT BEHANDELT?

So deprimierend dies auch klingt: Eine Heilung der Bluthochdruckkrankheit ist nur in seltenen Fällen möglich. Auch wenn man evtl. Ursachen der Blutdruckerhöhung durch eine Aufdehnung verengter Nierengefäße, durch Eingriffe am Nervensystem der Nieren oder durch Operationen hormon-produzierender Krankheiten beseitigen kann:

Patienten mit erhöhtem Blutdruck benötigen in aller Regel lebenslang Medikamente.

Es gibt verschiedene Medikamenten-Sorten, z.B. solche, die den Körper entwässern (harntreibende Medikamente = Diuretika), Medikamente, die die Blutgefäße erweitern, in den Salz- und Hormonhaushalt des Körpers eingreifen oder das Herz „in den Schongang versetzen. Welches dieser Medikamente „das Beste“ ist kann man nicht sagen, denn jeder Mensch und jede Bluthochdruckkrankheit reagiert auf diese Medikamente unterschiedlich.

In den meisten Fällen wird man nicht nur 1 Medikament einnehmen müssen, sondern eine Kombination verschiedener Substanzen. Der Grund für solche Kombinationen besteht darin, daß man die Dosis der jeweiligen einzelnen Medikamente hierdurch niedrig halten kann, sodaß möglichst wenig Nebenwirkungen auftreten.

Welches einzelne oder welche Medikamentenkombinationen eingesetzt werden entscheidet in aller Regel ihr Hausarzt. Er benutzt dazu diejenigen Substanzen, mit denen er die meis- te und die beste Erfahrung hat. Kardiologen, das ist erwiesen, machen es nicht automatisch besser als der Hausarzt.

Es ist von größter Bedeutung, daß man die vom Arzt verschriebenen Medikamente auch tatsächlich einnimmt und daß man sich an die Mengen hält, die er empfohlen hat. Denn wenn der Blutdruck aus dem Ruder läuft werden Sie dies nicht sofort verspüren, nichts wird weh tun oder Sie in anderer Weise warnen; das Erste, was man spürt, wenn der Blutdruck schlecht eingestellt ist kann dann oft der Schlaganfall oder der Herzinfarkt sein. Und angesichts der Risiken und Folgen sol- cher schwerer Krankheiten sollte man es darauf nicht ankommen lassen, oder?

WAS MUß ICH ALSO TUN?

  • Lassen Sie sich in regelmäßigen Abständen vom Hausarzt untersuchen. Ein Belastungs-EKG und eine Ultraschalluntersuchung des Herzens alle 2 Jahre (wenn es Ihnen gut geht und Sie keine Beschwerden haben) reicht aus, eine Untersuchung beim Augenarzt sollte etwa 1mal jährlich erfolgen und die Nierenwerte aus dem Blut auch etwa alle 6-12 Monate kontrollieren lassen.
  • Nehmen Sie die Medikamente, die Ihnen Ihr Arzt verschrieben hat regelmäßig und zuverlässig ein. Sie sind gut verträglich und schützen Sie vor den schlimmen Komplikationen der Hochdruckkrankheit.
  • Kaufen Sie sich ein Blutdruck-Meßgerät. Die Geräte sind nicht teuer und helfen Ihnen selber zu überprüfen, ob der Blutdruck gut eingestellt ist. Messen Sie dazu alle 3 -4 Monate über 1 Woche lang jeden Tag 3mal Ihren Blutdruck (morgens, mittags, abends) und zeigen Sie diese Werte dann Ihrem Hausarzt. Schreiben Sie die gemessenen Werte dann in ein einfaches Protokoll.
  • Wenn Sie ein Blutdruckgerät kaufen: Kaufen Sie nur eines, das von der Deutschen Hochdruckliga als gut befunden worden ist und ein entsprechendes Siegel trägt. (Übrigens: Gute und zuverlässige Geräte gibt es nicht nur in der Apotheke oder im Sanitätshaus, sondern auch bei Aldi, Lidl usw..
  • Wenn Sie übergewichtig sind: Nehmen Sie ab! Je schlanker Sie werden, desto weniger Medikamente müssen Sie einnehmen, um den Blutdruck gut einzustellen.
  • Treiben Sie ein wenig Sport oder bewegen Sie sich mehr, denn auch hier gilt: Je aktiver ein Mensch körperlich ist desto weniger Blutdruckmedikamente muß er einnehmen.
  • Wenn Sie Zigaretten rauchen: Hören Sie auf, denn Raucher, die einen erhöhten Blutdruck haben bekommen besonders häufig einen Schlaganfall oder Herzinfarkt.

Wenn Sie mehr über Herzkrankheiten wissen möchten besuchen Sie uns im Internet unter der Adresse www.meinherzdeinherz.info und klicken Sie auf „Wissen“.

Das unten abgebildete Meßprotokoll können Sie im Internet laden unter: Klicken Sie hier.

Herzrhythmusstörungen

WAS SIND HERZRHYTHMUSSTÖRUNGEN UND WAS MERKT MAN DAVON?

Herzrhythmusstörungen sind Unregelmäßigkeiten des Herzschlages:

Normalerweise schlägt ein Herz regelmäßig und im Takt. Jedes Herz macht hier aber manchmal einen kleinen Fehler, indem es ein wenig unregelmäßig schlägt, so ähnlich wie der Motor eines Autos, das ja auch schon einmal eine Fehlzündung macht.

Solche Unregelmäßigkeiten des Herzschlages nennt man „Herzrhythmusstörungen“. Jeder Mensch, ob er nun gesund oder krank ist hat solche Herzrhythmusstörungen und wenn man beispielsweise mit einem Langzeit-EKG die Herzen gesunder Menschen untersucht dann wird man bei jedermann (!) solche Stolperschläge finden, Perfektion gibt es eben in der Natur nicht.

Einige Menschen bemerken diese Stolperschläge in Form von „Herzklopfen“, die meisten Menschen bemerken aber garnichts. Erst wenn man die Aufmerksamkeit dieser Menschen weckt oder wenn sie darauf achten wird man die Herzrhythmusstörungen spüren. Die meisten Menschen spüren ihre Stolperschläge abends, wenn sie im Bett liegen. Dann ist es nämlich ruhig und man kann das Herz klopfen hören; dabei fallen dann Unregelmäßigkeiten schnell auf und machen den Betroffenen nervös und ängstlich.

Wenn man bei solchen Menschen ein Langzeit-EKG schreiben würde wird man auch tagsüber Stolperschläge finden, die man aber in der Hektik des Tages nicht verspürt! Denn: Stolpern tut jedes Herz!

SIND HERZRHYTHMUSSTÖRUNGEN GEFÄHRLICH?

Ja und nein.

Leider hat der Betroffene keine Möglichkeit, um festzustellen, ob das Herzstolpern harmlos oder gefährlich ist. Diese Frage hängt nämlich von einigen Dingen ab:

  • Ist das Herz organisch gesund oder nicht? Faustregel: Herzrhythmusstörungen, die ein gesundes Herz betref- fen (also ein Herz, dessen Muskel, dessen Herzklappen und dessen Durchblutung gesund ist) sind in der Regel harmlos, ist das Herz aber organisch krank können dieselben Herz- rhythmusstörungen gefährlich sein.
  • Welche Herzrhythmusstörung liegt vor? Stammen die Stolperschläge aus den Vor- oder den Hauptkammern? Faustregel: Stolperschläge aus den Vorkammern sind meistens harmlos, Schläge aus den Kammer möglicherweise gefährlich.
  • Handelt es sich um einzelne Stolperschläge oder um viele, die unter anderem auch direkt aufeinander folgen? Faustregel: Einzelne Stolperschläge sind harmlos, unmittelbar aufeinander Folgende möglicherweise gefährlich.

Einfache Faustregel: Die harmlosen Rhythmusstörungen sind oft völlig harmlos und von den Gefährlichen bemerkt man vorher nichts.

WIE WERDEN HERZRHYTHMUSSTÖRUNGEN UNTERSUCHT ?

Die Unterscheidung in „harmlos“ und „gefährlich“ muß der Arzt vornehmen. Er sucht dazu danach, ob das Herz an sich krank oder gesund ist. Hierzu werden meistens Untersuchungen wie ein einfaches EKG, ein Belastungs-EKG, eine Ultraschalluntersuchung des Herzens und machmal Blutuntersuchungen notwendig sein. Manchmal wird es auch notwendig sein, ausführlichere Untersuchungen wie Langzeit-EKG, Myokardszintigraphie, Streß-Echokardiographie oder eine Herzkatheteruntersuchung durchzuführen.

Welche Untersuchung nötig ist kann man im Voraus nicht sagen, denn dies hängt stark von den individuellen Gegebenheiten jedes einzelnen Menschen ab.

Am Ende solcher Untersuchungen steht dann die Feststellung, ob die Herzrhythmusstörungen gefährlich sind oder nicht. Als nächstes geht es dann um die Frage, ob man behan- deln soll oder muß:

WIE WERDEN HERZRHYTHMUSSTÖRUNGEN BEHANDELT?

Wenn nach Abschluß der Untersuchungen gefährliche Herzrhythmusstörungen festgestellt wurden dann muß man diese behandeln und zwar unabhängig davon, ob der Betroffene sie verspürt oder nicht. Eine solche Behandlung kann mit bestimmten Medikamenten (sog. Antiarrhythmika oder Rhythmusmedikamenten) erfolgen, sie kann aber auch die Implantation spezieller Herzschrittmacher, implantierbarer Elektroschockgeräte oder bestimmten Behandlungen mittels Herzkatheter erforderlich machen. Welche Behandlung am besten geeignet wird wird von der Art Ihrer speziellen Herzrhythmusstörung abhängig; der Arzt wird dies ausführlich mit Ihnen besprechen.

Sind die Herzrhythmusstörungen jedoch als harmlos eingestuft worden so wird die Frage, ob man behandelt oder nicht von Ihnen selber abhängen:

Die Behandlung solcher Herzrhythmusstörungen erfordert nämlich die dauerhafte Einnahme bestimmter Medikamente, der sog. ß-Blocker. Diese Medikamente beseitigen die Stolperschläge nicht, sondern unterdrücken sie nur. Das bedeutet mit anderen Worten: Solange Sie diese Medikamente einnehmen werden die Rhythmusstörungen unterdrückt, unterbrechen Sie die Medikamenteneinnahme werden sie wieder auftreten.

Die betroffenen Menschen stehen somit vor einer oft schwierigen Wahl: Sollen sie lebenslang Medikamente einnehmen, nur um harmlose Rhythmusstörungen zu unterdrücken oder sollen sie die Medikamente nicht einnehmen, dafür aber Herzstolpern verspüren, von dem sie allerdings wissen, daß es harmlos ist.

Diese Entscheidung kann Ihnen niemand abnehmen, auch Ihr Arzt nicht, denn sie hängt davon ab, wie stark sie unter dem Herzklopfen leiden. Nach meiner Erfahrung sagen die meisten Menschen mit solchen harmlosen Herzrhythmusstörungen, daß sie die Medikamente nicht jahrelang einnehmen möchten, nur um harmloses Herzstolpern zu unterdrücken. Ich selber (Dr. Lauber) beispielsweise bekomme meine Herzstolperschläge fast jeden Abend zwischen 21:00 und 23:00 Uhr und nehme keine Medikamente dagegen ein, weil ich mir sage, daß es sich nicht lohnt, für solche Harmlosigkeiten ß-Blocker einzunehmen und daß ich doch eigentlich schon längst tot wäre, wenn es sich um gefährliche Rhythmusstörungen handeln würde (und ich lebe noch immer!).

Also: Besprechen Sie mit Ihrem Hausarzt oder Ihrem Kardiologen, ob eine Medikamentenbehandlung sein muß oder nicht. Und wenn es nicht sein muß: Überlegen Sie es sich selber, ob Sie Medikamente haben möchten oder nicht.

Nur als kleine Ergänzung: Es macht in den allermeisten Fällen keinen Sinn, die Medikamente nur dann einzunehmen, wenn Sie Herzstolpern bemerken, denn die Stolperschläge sind längst wieder von selber verschwunden, bevor das Medikament aus dem Magen ins Blut gekommen ist.

WAS MÜSSEN SIE BEACHTEN?

  1. Herzrhythmusstörungen kann man nur dann im EKG sehen, wenn sie auftreten. Schon Sekunden, nachdem sie verschwunden sind ist das EKG wieder völlig normal. Wenn Sie oder Ihr Arzt also wissen müssen, welche Art von Herzrhythmusstörung Sie haben wird man entweder ein 24-Stunden-Langzeit-EKG schreiben müssen oder Sie müssen sofort zu einem Arzt oder (am Wochenende oder nachts) in ein Krankenhaus gehen, damit dort sofort (!) ein EKG geschrieben werden kann.
  2. Unabhängig davon, welche Ergebnisse die Untersuchungen Ihres Arztes oder Kardiologen gehabt haben: Wenn Sie plötzlich ohne erkennbaren Grund schwindelig werden: Suchen Sie Ihren Hausarzt oder Kardiologen bei der allernächsten Gelegenheit auf. Wenn Sie sogar ohnmächtig werden, wenn Herzstolpern im Zusammenhang mit Anfällen von Herzschmerzen oder Luftnot auftreten: Rufen Sie den Notarzt der Feuerwehr (Tel.: 112), denn in diesen Fällen können wirklich bedrohliche und gefährliche Herzrhythmusstörungen vorliegen, die unbedingt weiter abgeklärt und untersucht werden müssen!

Wenn Sie sich genauer über Herzrhythmusstörungen, andere Herzkrankheiten oder Untersuchungsmethoden informieren möchten besuchen Sie uns auch im Internet unter www.meinherzdeinherz.info und wählen Sie hier die Rubrik „Wissen“, wo viele Informationsmaterialien für Sie bereit stehen.

Herzmuskelkrankheiten

Es gibt mehrere Herzmuskelerkrankungen, die alle ganz verschiedener Natur sind und die vollkommen unterschiedlich behandelt werden müssen:

DILATATIVE KARDIOMYOPATHIE (DCM)

Bei dilatativen Kardiomyopathien ist es zu einer Vergrößerung oder Pumpschwäche des Herzmuskels gekommen. Die Ursachen hierfür sind sehr vielfältig:

Es kann sich z.B. um den

  • Folgezustand einer Herzmuskelentzündung handeln,
  • der Herzmuskel kann infolge von Durchblutungsstörungen geschädigt sein
  • es kann im Gefolge großer Narben nach Herzinfarkten zu Schädigungen des Herzmuskels gekommen sein,
  • der Herzmuskel kann durch Arbeitsüberlastung infolge von Herzklappenfehlern ermüden,
  • er kann durch ein permanent zu schnell schlagendes Herz bei bestimmten Herzrhythmusstörungen
  • oder durch langjährigen Alkoholkonsum geschädigt sein.
  • Eine Herzmuskelschädigung kann aber auch z.B. durch eine Chemotherapie bei bösartigen Krankheiten auftreten,
  • durch allgemeine Muskelerkrankungen (Muskeldystrophie),
  • durch Funktionsstörungen der Schilddrüse und Nebenniere entstehen oder
  • bei bestimmten anderen Erkrankungen (z.B. Lupus erythematodis, Panarteriitis nodosa) auftreten.
  • Und schließlich gibt es noch eine genetisch bedingte Form.

Die Folge einer solchen Krankheit ist in der Regel eine Pumpschwäche der linken Herzkammer, die den Körper nicht mehr mit ausreichenden Mengen frischen Blutes versorgen kann.

Die betroffenen Menschen verspüren hiervon die Symptome der Herzschwäche (Herzinsuffizienz), d.h. sie bemerken Wasseransammlungen in den Beinen und Luftnot zunächst nur bei stärkeren Anstrengungen und dann immer weiter zunehmend schließlich auch in körperlicher Ruhe.

Festgestellt wird eine DCM im Echokardiogramm (= Ultraschalluntersuchung des Herzens), das eine mehr oder weniger stark erweiterte linke Herzkammer zeigt, die sich nur müde bewegt. Im EKG sieht man oft einen sog. Linksschenkelblock, der aber für die DCM nicht beweisend ist.

Nach Feststellung einer Vergrößerung und Pumpschwäche der Herzkammer muß nach der Ursache gesucht werden. Dazu wird es meistens notwendig sein, eine Herzkatheteruntersuchung durchführen. Sie hat die Aufgabe, nach Durchblutungsstörungen des Herzmuskels und schwerwiegenden Herzklappenfehlern zu suchen. In einigen wenigen Fällen kann man mit Hilfe des Herzkatheters auch kleine Stücke des erkrankten Herzmuskels entnehmen (Biopsie) und diese dann speziell untersuchen oder man kann eine Kernspintomographie durchführen, um nach bestimmten Vernarbungsmustern des Herzmuskels zu suchen.

Wenn man eine spezielle Ursache für die DCM gefunden hat wird man natürlich das Grundproblem behandeln (z.B. durch eine Herzklappen- oder Bypass-Operation, Schilddrüsen- oder Nebennierenbehandlung), in allen anderen Fällen wird man eine medikamentöse Behandlung durchführen, wie sie auch für Menschen mit Herzschwäche erforderlich ist. Dazu kann es auch gehören, daß bestimmte Herzschrittmacher eingepflanzt werden oder daß man die Möglichkeit einer Herztransplantation prüft.

HYPERTROPHE KARDIOMYOPATHIE (HCM)

Bei der hypertrophen Kardiomyopathie kommt es zu einer unnatürlichen Verdickung des Herzmuskels. Von einer solchen Kardiomyopathie darf man daher nur dann sprechen, wenn „natürliche“ Ursachen für die Herzverdickung (z.B. Bluthochdruckkrankheit oder bestimmte Herzklappenfehler) ausgeschlossen sind.

Gesunder Herzmuskel ist weich, sodaß sich die Herzkammern leicht mit Blut, das durch die Herzklappen hinströmt füllen können. Verdickter Herzmuskel hingegen wird steif und unelastisch, sodaß er sich nicht mehr ausreichend mit Blut füllen kann.

Menschen mit HCM haben also das Problem, daß das Herz nicht genügend Blut pumpen kann. Anders als bei der DCM liegt dies aber nicht an einer Muskelschwäche, sondern daran, daß die Kammer sich nicht mit genügendem Blut füllen konnte.

Die Ursache für die Herzmuskelverdickung bei der HCM ist unbekannt, es scheint sich um einen angeborenen Defekt der Herzmuskelzellen zu handeln.

Es gibt 2 Unterformen der HCM:

  • Bei der obstruktiven Form (HOCM) bildet die Muskelverdickung einen Wulst, der sich in die linke Herzkammer vorwölbt und hier das Blut bei Verlassen der Kammer behindert;
  • bei der nicht obstruktiven Form (HNCM) entsteht keine solche Vorwölbung, hier findet die Verdickung hauptsächlich in der Spitze der linken Herzkammer statt.

Die Auswirkungen für den betroffenen Menschen sind für alle Formen der HCM dieselben wie für die DCM und für die Herzschwäche beschrieben:

Es kommt zum Auftreten von Luftnot und evtl. Wasseransammlungen in Lungen und Beinen.

Festgestellt werden die hypertrophen Kardiomyopathien mit EKG, Echokardiographie und Herzkatheteruntersuchung. Manchmal wird man auch Blutuntersuchungen durch- führen, um nach bestimmten Stoffwechselkrankheiten zu suchen, die zu einer „Aufblähung“ der Herzmuskelzellen führen (FABRY-Krankheit).

Behandelt werden die hypertrophen Kardiomyopathien entweder durch die Gabe von Medikamenten, mit denen ein gewisser Herzmuskelschwund und eine Verbesserung der Elastizität des Muskelgewebes bewirkt werden soll. Bei den obstruktiven Formen kann man den störenden Muskelwulst auch durch eine Operation, eine gezielte Zerstörung und Vernarbung des Wulstes entfernen oder durch spezielle Herzschrittmachertherapie behandeln, mit der die Pumpbewegungen des Herzens so verändert werden, daß sich der störende Herzmuskelwulst erst dann zusammenzieht, wenn das Blut schon vorbei geflossen ist.

RESTRIKTIVE KARDIOMYOPATHIE

Bei der sog. restriktiven Kardiomyopathie handelt es sich um eine Erkrankung, bei das Herz auch ohne eine Verdickung des Herzmuskels dick, steif und unelastisch wird. Die Ursache sind in der Regel Ablagerungen von körpereigenen Substanzen (Eiweiße, bestimmte Zuckerformen oder Fett) zwischen den einzelnen Herzmuskelzellen. Solche Kardiomyopathien sind relativ selten und sollen in dieser kurzen Info nicht genauer behandelt werden.

WAS IST WICHTIG FÜR SIE?

Für alle Kardiomyopathien gilt, daß sie relativ selten auftreten. Die notwendigen Untersuchungen und später auch die Behandlung sind sehr individuell auf die einzelnen Patienten zugeschnitten, eine „Standarduntersuchung und -behandlung“

gibt es nicht. Ihr Kardiologe wird also im Verlauf der Behandlung sehr ausführlich mit Ihnen über alle Untersuchungs- und Behandlungsschritte sprechen.

Wichtig ist für Sie, daß Sie Ihre Krankheit verstehen und lernen, mit ihr umzugehen. Auch wenn es heute in vielen Fällen nicht möglich ist, die Krankheit grundlegend zu behandeln und zu beseitigen können die verschiedenen Behandlungsformen Ihnen ein weitgehend normales Leben mit wenigen oder sogar gar keinen Beschwerden ermöglichen. Auch wenn es Ihnen gut geht und sie keine Beschwerden haben: Lassen Sie sich regelmäßig in den Intervallen, die Ihr Kardiologe Ihnen empfehlen kontrollieren, denn jede Kardiomyopathie kann fortschreiten und dann evtl. eine Veränderung der Behand- lung erforderlich machen.

Diese Broschüre kann Sie über die verschiedenen Formen der Kardiomyopathien nur sehr grob informieren. Wenn Sie mehr wissen möchten besuchen Sie uns im Internet unter der Adresse www.meinherzdeinherz.info. Wählen Sie hier die Rubrik „Wissen“, wo viele Informationsmaterialien für Sie bereit stehen. Hier finden Sie auch eine sehr viel detailliertere Broschüre, in der die verschiedenen Formen der Kardiomyopathien, ihre Auswirkungen und ihre Behandlung beschrieben werden.

Herzklappenfehler

WAS SIND HERZKLAPPENFEHLER?

Herzklappen sind Ventile, die dafür sorgen, daß das Blut immer in der richtigen Richtung in das Herz hineinfließt und es wieder verläßt. Am Ein- und am Ausgang jeder Hauptkammer gibt es eine Herzklappe, die dafür zu sorgen haben, daß das Blut nur aus 1 Richtung in die Kammer einfließen und auch nur in 1 Richtung ausgepumpt werden kann. Weil das Herz aus einem rechten und einem linken Teil besteht und jede Herzseite 1 Hauptkammer hat gibt es insgesamt 4 Herzklappen. Man nennt sie Aorten-, Mitral-, Tri- cuspidal- und Pulmonalklappe.

WIE KÖNNEN HERZKLAPPEN ERKRANKEN?

Herzklappen können auf 2 Arten erkranken:

  • Sie können verengt und
  • undicht sein.

In einigen Fällen liegt auch eine Kombination beider Störungen vor, sodaß man hier von einem „kombinierten Herzklappenfehler“ spricht. Verengungen der Klappe nennt man „Stenose“, Undichtigkeiten heißen „Insuffizienz“. Es gibt also beispielsweise eine Aortenklappenstenose (= Verengung der Aortenklappe) und eine Mitralinsuffizienz (= Undichtigkeit der Mitralklappe).

WAS BEMERKT MAN VON HERZKLAPPENFEHLERN?

Klappenfehler bedeuten für den Herzmuskel viel Arbeit: Bei einer Verengung muß er Blut „mit Gewalt“ durch die verengte Herzklappe pressen. Bei starken Undichtigkeiten der Klappen, wenn nämlich Blut durch die undichte Klappe dorthin zurückfließt, woher es gerade gekommen ist, muß der Herzmuskel also einen großen Teil seiner Arbeit dazu aufwenden, das Blut unnötigerweise ein 2. Mal pumpen zu müssen.

Durch diese Arbeitsbelastung kann der Muskel und damit das gesamte Herz ermüden. Der betroffene Mensch verspürt diese Herzmuskelmüdigkeit als Luftnot, denn das Herz kann nun die Organe des Körpers nicht mehr ausreichend mit Blut und damit mit Sauerstoff versorgen. Wenn sich Blut vor einer verengten Herzklappe oder einer ermüdeten Herzkammer anstaut kann es zur Wasseransammlung (Ödem) in Lungen oder den Beinen kommen. Und schließlich können gefährliche Herzrhythmusstörungen auftreten und man kann an bestimm- ten Herzklappenfehlern sogar plötzlich sterben.

Die häufigsten Beschwerden bei Herzklappenfehlern sind Luftnot unter Belastung, Leistungsschwäche, Wasseransammlungen in den Bei- nen, Brustenge oder Schwindelerscheinungen. Nicht jeder Mensch hat alle diese Beschwerden; welche Beschwerden auftreten hängt vielmehr davon ab, welche der 4 Herzklappen undicht oder verengt ist und wie stark dieser Herzklappenfehler ist.

WIE WERDEN HERZKLAPPENFEHLER UNTERSUCHT ?

Herzklappenfehler verursachen in der Regel bestimmte Geräusche. Ein geübter Arzt kann aus deinem solchen Herzgeräusch erkennen, welche Herzklappe erkrankt ist, ob sie verengt oder undicht ist und wie schwerwiegend der Fehler ist. Er wird dann möglicherweise zusätzliche Untersuchungen durchführen, um sich ein genaueres Bild machen zu können und um entscheiden zu können, wie die weitere Behandlung sein sollte.

Zu diesen Untersuchungen gehören neben einem normalen EKG auch ein Röntgenbild. Die wichtigste Untersuchung ist eine Ultraschalluntersuchung (Echokardiographie).

Hierbei kann man nicht nur die Herzklappen sehen, sondern auch feststellen, ob der Herzmuskels kräftig oder schon geschädigt arbeitet. Mit bestimmten Ultraschalltechniken (Farb-DOPPLER und Fluß-DOPPLER) kann man auch die Flußrichtung des Blutes sehen und dadurch Undichtigkeiten der Klappe erkennen und man kann auch die Schwere eines Herzklappenfehlers genau feststellen. Aus der bildlichen Darstellung dieses Blutflusses durch die Herzklappe am Bildschirm kann der Arzt auch recht genaue Aussagen dazu machen, wie schwer der Klappenfehler ist.

Wenn der Klappenfehler nach diesen völlig harmlosen Untersuchungen als geringfügig erkannt wurde sind in der Regel keine weiteren Untersuchungen notwendig, sondern es wird eine medikamentöse Behandlung eingeleitet oder fortgeführt und der Klappenfehler wird in regelmäßigen Abständen kontrolliert.

Ist der Klappenfehler aber hochgradig wird man eine Herzkatheteruntersuchung durchführen müssen.

Bei dieser Untersuchung geht es weniger darum, den Schweregrad des Klappenfehlers festzustellen, sondern vielmehr darum, um nun die Entscheidung treffen zu können, welche die beste der möglichen Behandlungsformen ist:

WIE WERDEN HERZKLAPPENFEHLER BEHANDELT?

Es gibt 2 Behandlungsformen: Die medikamentöse und die chirurgische. Welche dieser beiden Behandlungsformen die beste ist hängt davon ab, wie schwerwiegend der Klappenfehler ist, welche Beschwerden er verursacht, ob er zu Herzrhythmusstörungen oder einer Blutstauung geführt hat, ob der Herzmuskel schon Schaden genommen hat oder ob ein solcher Schaden in absehbarer Zeit eintreten wird.

Die leichten Formen der Herzklappenfehler kann man mit Medikamenten behandeln, die den Herzmuskel entlasten und damit indirekt stärken sollen, die Herzrhythmusstörungen beseitigen oder dämpfen und die evtl. Wasseransammlungen im Körper ausschwemmen sollen.

In den schwerwiegenden Fällen wird man die erkrankte Herzklappe allerdings mit einer Herzklappenoperation austauschen müssen. Bei einer solchen Operation wird die erkrankte Herzklappe entfernt und gegen eine neue Herzklappe ersetzt.

Bei diesen Herzklappen-“Prothesen“ handelt es sich entweder um Klappen „aus der Fabrik“, die aus Kunststoff und Stahl gefertigt werden („Kunstklappe“) oder um sogenannte biologische Herzklappen, die aus einer Herzklappe des Schweins hergestellt werden.

In letzter Zeit werden zunehmend Techniken entwickelt, mit denen man erkrankte Herzklappen auch ohne die Im- plantation künstlicher oder biologischer Klappenprothesen behandeln kann. Dabei kann man Klappen manchmal „reparieren“, wobei dies im Rahmen einer „großen“ Herzoperation, manchmal aber auch mit Kathetertechniken möglich ist.

Und seit neuestem versucht man sogar, eine verengte Aortenklappe durch eine spezielle Herzkathetertechnik ohne eine „große“ Herzoperation auszutauschen. Solche Behandlungsmethoden befinden sich aber zum Teil noch in der Entwicklung und sind noch nicht für jeden Patienten einsetzbar.

Manchmal wird es notwendig sein, daß man wegen des Herzklappenfehlers, ist er nun operiert oder nicht ein Medi- kament mit Namen Marcumar zur Blutverdünnung ein- nehmen muß (Siehe hierzu auch die ausführlichen Informationen und die Broschüre unter www.meinherzdeinherz.info.

WAS MÜSSEN SIE BEACHTEN?

Alle Menschen mit erkrankten Herzklappen sollten sich in regelmäßigen Abständen vom Kardiologen untersuchen und kontrollieren lassen, denn Herzklappenfehler können sich im Laufe der Zeit verschlechtern.

Bei solchen Kontrollen wird der Arzt danach suchen, ob Anzeichen für die gefährlichste Auswirkung der Klappenerkrankung, die Herzmuskelschwäche zu erkennen sind. Es ist daher wichtig, daß Sie sich in bestimmten Abständen, die Ihr Kardiologe Ihnen rät zu solchen Kontrolluntersuchungen melden.

Unabhängig davon, welches Ausmaß der Klappenfehler bislang hatte :

  • Wenn Sie plötzlich ohne erkennbaren Grund schwindelig werden oder wenn sich Luftnot oder Wasseransammlungen in den Beinen einstellen oder sich ver- schlechtern: Suchen Sie Ihren Hausarzt oder Kardiologen bei der allernächsten Gelegenheit auf.
  • Wenn Sie sogar ohnmächtig werden: Rufen Sie den Notarzt der Feuerwehr (Tel.: 112), denn in diesen Fällen kann sich ein bedrohlicher und gefährlicher Klappenfehler entwickelt haben, der unbedingt weiter abgeklärt und untersucht werden muß!

Wenn Sie sich genauer über Herzklappenfehler, eine Marcumarbehandlung, eine Herzklappenoperation oder die ver-schiedenen Untersuchungsmethoden informieren möchten besuchen Sie uns auch im Internet unter www.meinherzdeinherz.info.

Nach einer PTCA und Stent

Eine Ballonerweiterung wird durchgeführt und ein Stent wird eingepflanzt, wenn man an einer Krankheit mit dem Namen „Koronare Herzkrankheit“ oder abgekürzt „KHK“ leiden. Es ist auch möglich, daß diese Behandlung im Rahmen eines Herzinfarktes durchgeführt wurde.

Was ist bei der Ballonerweiterung geschehen?

Der Ballon bzw. der Stent ist gesetzt worden, um einer Verengung in einer Herzkranzarterie aufzuweiten. Dabei ist das Material (es handelt sich um Fettgewebe) zerdrückt und verteilt worden. Das Ganze funktioniert so ähnlich wie das mit der Fliege und der Fliegenklatsche: Wenn man eine Fliege mit der Klatsche erschlägt, dann wird die Fliege natürlich nicht beseitigt, sondern sie wird nur platt gedrückt. Genau dasselbe ist bei einer Ballonerweiterung geschehen: Das Fettgewebe, daß sich an einer umschriebenen Stelle befand ist platt gedrückt und verteilt worden. Dies hatte zur Folge, daß die Verengung beseitigt und das Gefäß erweitert wurde.

Bei einer solchen Ballonerweiterung muß der Arzt große Gewalt auf die Verengung ausüben, um den Fett-“Knubbel“ zu zerdrücken: 10 – 15 atü (zum Vergleich: Ein Autoreifen wird mit 1.0 – 1.5 atü aufgeblasen!). Bei einem solchen Druck wird das Gefäß verletzt und es kommt zu kleinen Einrissen in der Gefäßwand. Das ist an sich nicht weiter schlimm. Aber durch solche kleinen Mini-Verletzungen wird die Gefäßwand gereizt und es gibt nun Menschen, deren Körpergewebe auf solche Reizungen und Verletzungen mit überschießenden Narbenbildungen reagiert. Denken Sie beispielsweise an Operations- oder Verletzungsnarben, an denen sich im Laufe der Zeit „wildes Fleisch“ bildet und die Narbe häßlich aussehen läßt. Solches wildes Fleisch kann auch als Folge der Ballonverletzung in den Gefäßen entstehen, was zur Folge hat, daß sich das Gefäß erneut verengt. Eine solche erneut auftretende Verengung (= „Re-Stenose“) tritt nach einer einfachen Ballonerweiterung bei 30-40% aller Menschen im Laufe von 2-3 Monaten auf. Um solche Wiederverengungen zu verhindern sind Stents erfunden worden.

Stents

Stents sind kleine Röhrchen aus Stahl, die mit Hilfe des Ballons in die Gefäßwand eingepreßt werden und die hier zeitlebens verbleiben. Kurz nach der Einpflanzung eines solchen Stents liegen die Maschen des Drahtgeflechts noch frei im Blut; nach etwa 4 Wochen ist der Stent aber eingeheilt und innen von einem feinen Häutchen bedeckt, sodaß das Blut nun nicht mehr in Kontakt mit dem Metall kommen kann.

Um zu verhindern, daß das Blut durch den direkten Kontakt mit dem Metall des Stents gerinnt und ein so entstehendes Blutgerinnsel den Stent akut verschließt (was einen schweren Herzinfarkt zur Folge hätte) muß man in den ersten 4 Wochen nach der Stent-Einpflanzung 2 Medikamente einnehmen, die diese Blutgerinnung verhindern: Aspirin (oder ASS) und Medikamente mit dem Namen Clopidogrel, Plavix®, Iscover® oder Efient® behindern die Verklumpung von Blutplättchen und damit die Blutgerinnung. Diese „doppelte“ Medikamenteneinnahme zur Blockierung der Plättchenfunktion nennt man „duale Aggregationshemmung“. 4 Wochen nach der Implantation eines Stents kann man die Einnahme des 2. Medikamentes beenden, weil der Stent nun eingeheilt ist. Aspirin muß man aber lebenslang weiter einnehmen müssen.

Auch mit der Verwendung solcher Metall-Stents (= BMS = bare metal stent) besteht die Möglichkeit, daß es zur Bildung wilden Fleisches und damit zur erneuten Gefäßverengung kommt. Das geschieht nun aber sehr viel seltener als bei einfachen Ballonerweiterungen, dennoch können noch etwa 10-20% aller Stent-Patienten solche Re-Stenosen bekommen.

Um auch dies zu verhindern sind andere Stents erfunden worden, die über einen gewissen Zeitraum bestimmte Medikamente freisetzen, die vom Stent aus in die Gefäßwand eindringen und hier die Neubildung des wilden Fleisches verhindern. Solche Stents nennt man „medikamenten-freisetzende Stents“ oder „DES“ (= drug eluting stent). Sie verhindern die Wiederverengung des Stents sehr zuverlässig. Weil sie aber die Einheilung des Stents verzögern liegen bei diesen DES die Metallmaschen des Stents über einen sehr langen Zeitraum frei im Blut. Man schätzt, daß es ein halbes Jahr, vielleicht sogar noch länger dauer, bis solche Stents eingeheilt sind. Daher ist es bei diesen Stents von großer Bedeutung, daß Sie die beiden Medikamente (Aspirin oder ASS einerseits und Clopidogrel, Plavix®, Iscover® oder Efient® andererseits ununterbrochen für etwa 1/2 Jahr einnehmen.

Nachuntersuchungen

Nachuntersuchungen sind sehr wichtig. Sie haben 2 Aufgaben:

  1. Sie sollen klären, ob es innerhalb des mit der Ballonerweiterung oder dem Stent behandelten Gefäßabschnitts zu einer Wieder-Verengung gekommen ist. Hierzu werden innerhalb von 6 – 12 Monaten nach der Ballonerweiterung bzw. der Stenteinpflanzung EKG, Belastungs-EKG und vielleicht auch eine Ultraschalluntersuchung des Herzens durchgeführt werden. Am Ende dieser 6 – 12 Monate wird man mit dem Patienten darüber sprechen, in welcher Form die abschließende Untersuchung erfolgen soll. Dies muß nicht immer mit dem Herzkatheter geschehen, denn in vielen Fällen reichen auch ein Belastungs-EKG oder eine Szintigraphie aus; welche Untersuchung die für den Betreffenden Beste ist wird der Arzt besprechen.
  2. Die ebenso wichtige 2. Aufgabe der Nachuntersuchungen besteht darin, den Zustand Ihrer Risikofaktoren zu überprüfen.

Wann muß man wieder zum Arzt?

Am Ende der Untersuchungen wird man dem Patienten sagen, wann er zur nächsten Kontrolle kommen sollten. Man sollte zu diesen Terminen immer Ihre letzten Blutwerte und Medikamente mitbringen!

Man sollte umgehend und sofort zum Hausarzt oder zum Kardiologen gehen,  wenn

  • man Brustschmerzen bekommt, die man bis dahin nicht kannte,
  • wenn man Brustschmerzen hat, die schlimmer und heftiger sind als bisher,
  • wenn man Luftnot bei Anstrengungen hat, die einem bisher nichts ausgemacht haben,
  • wenn man starkes und angenehmes Herzklopfen verspürt.

In diesen Fällen sollte man ohne Voranmeldung in die Praxis des Hausarztes oder Kardiologen gehen, damit die Ärzte sofort sehen können, was die Ursache dieser Probleme ist.

Man sollte sich allerdings umgehend ins Krankenhaus bringen lassen, wenn man

  • Brustschmerzen bekommen, die nicht nach 2maligem Gebrauch von Nitro-Spray innerhalb von 20 Minuten wieder verschwunden sind oder
  • wenn Schwindel oder sogar Ohnmachtsanfälle auftreten.

Man darf in diesen Fällen nicht selber ins Krankenhaus gehen oder fahren, sondern sollte den Notarzt der Feuerwehr unter der Telephonnummer 112 anrufen.

Wenn Sie sich genauer über eine Herzkrankheit informieren möchten: Besuchen Sie uns im Internet unter www.meinherzdeinherz.info und sehen Sie in dem Kapitel „Wissen“ nach weiteren Informationen, die Sie hier kostenlos bekommen.

 

Nach dem Herzinfarkt

 

Wie kommt es zum Herzinfarkt?

Das Herz ist ein Muskel, der über 3 Gefäße (den sog. Herzkranzarterien) mit Blut versorgt wird, damit er Minute für Minute, Tag für Tag und Monat für Monat kräftig arbeiten kann.

Bei einem Herzinfarkt verschließt sich nun eine dieser Gefäße plötzlich. Das Ergebnis ist, daß derjenige Teil des Herzmuskels, der von dieser Arterie versorgt wurde nicht mehr mit Blut versorgt wird und vom Absterben bedroht ist.

Wenn ein solcher Verschluß lange andauert stirbt der betroffene Herzmuskelanteil ab und es entsteht eine Narbe innerhalb des Herzmuskels. Diese Narbe kann nicht mehr an der Pumparbeit des Herzens teilnehmen, was natürlich dazu führen kann, daß der verbliebene Herzmuskel überlastet wird und über kurz oder lang geschädigt und geschwächt wird.

Die Entstehung der Infarktnarbe ist irreparabel, d.h. daß sie für den Rest des Lebens bestehen bleibt. Daher hat man versucht, das verstopfte Herzkranzgefäß schnell, d.i. vor der Entstehung der Narbe wieder zu öffnen. Dazu benutzt man in der Regel bestimmte Kathetertechniken (Ballonerweiterung, PTCA oder Stent), in anderen (selteneren) Fällen, z.B. wenn eine Herzkatheterabteilung nicht schnell erreicht werden kann wurden  Gerinnsel-auflösende Medikamente eingesetzt. In einigen Fällen war diese Behandlung erfolgreich und hat die Gefäßverstopfung beseitigt, in anderen Fällen ist dies vielleicht nicht gelungen.

Je nachdem, wie erfolgreich die Behandlung war und wie schnell das Gefäß nach dem Infarkt wieder geöffnet werden konnte wird der Herzmuskel einen mehr oder weniger großen Schaden genommen haben. Am Ende der Krankenhausbehandlung und vielleicht nach der folgenden AHB-Maßnahme wird man diesen Schaden am Herzmuskel durch eine Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiographie) genau „vermessen“ haben.

Es ist nun wichtig für Sie, daß Sie nach dem Infarkt 2 Dinge wissen und berücksichtigen:

Wie groß ist der Schaden am Herzmuskel?

Wie Antwort auf die Frage nach der Größe des Herzinfarktes ist wichtig, wenn es darum geht, die weitere Behandlung festzulegen. Bei Menschen mit großen Infarktnarben besteht die Gefahr, daß das ganze Herz im Laufe der Zeit geschwächt wird. Wenn 3 Herzwände die Arbeit der ausgefallenen und vernarbten Infarktwand mit übernehmen müssen können Sie sich vorstellen, daß das auf Dauer zum Problem werden wird, weil die 3 übrig gebliebenen Herzwände durch diese Mehrarbeit überfordert sind. Sie werden daher Medikamente bekommen, um diese Überlastung Ihres Herzens zu verhindern. In der Regel handelt es sich dabei um Medikamente mit dem Namen „beta-Blocker“ und „ACE-Hemmer“. Es ist wichtig, daß Sie diese Medikamente auch dann gewissenhaft und zuverlässig einnehmen, wenn es Ihnen eigentlich gut geht und Sie keine großen Beschwerden haben. Diese Medikamente haben nicht die Aufgabe, Ihr Wohlbefinden zu steigern (es wird Ihnen ja wahrscheinlich schon gut gehen), sondern sie sollen dafür sorgen, daß es Ihnen noch lange gut geht.

Warum sind die Herzkranzarterien überhaupt krank geworden?

Dies ist eine sehr wichtige Frage. Am Ende des Krankenhausaufenthaltes bzw. am Ende der AHB-Kur wird man auch diese Frage beantwortet haben und Ihnen gesagt haben, ob Sie erhöhte Blutfettwerte, erhöhten Blutdruck oder die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) haben (daß Rauchen zum Herzinfarkt führen kann werden Sie ja schon wissen, es steht zudem auf jeder Packung.)

Es wird nun für Ihr weiteres Leben von großer Bedeutung sein, daß Sie diese sogenannten „Risikofaktoren“ in den Griff bekommen. In den meisten Fällen wird es sich nicht vermeiden lassen, zu diesem Zweck Medikamente einzunehmen. Blutdruck-senkende Tabletten, Aspirin® (oder ASS) und Cholesterin-Senker sind einige Beispiele dafür. Auch für diese Medikamente gilt: Sie bekommen Sie nicht, daß es Ihnen besser geht, sondern damit Ihr guter Zustand möglichst ein langes Leben lang anhält.

In der Regel werden Sie keinen Unterschied bemerken, wenn Sie diese Tabletten einmal weglassen, aber Sie werden sich keinen Gefallen damit tun, denn die koronare Herzkrankheit, die ja zum Herzinfarkt geführt hat schwelt dann weiter unbemerkt vor sich hin und ruiniert langsam aber sicher (!) alle Schlagadern Ihres Körpers: Die schon kranken Herzgefäße, die Gehirngefäße (mit der Folge eines Schlaganfalls), die Nieren- und Beingefäße. Also: Nehmen Sie die Medikamente so wie Ihre Ärzte Ihnen das empfehlen.

In diesem Zusammenhang ist auch wichtig, daß Sie nicht alles den Ärzten überlassen. Sie können Ihnen erklären, wie Sie gehen können, laufen müssen Sie aber selber. Mit anderen Worten: Betrachten Sie den Herzinfarkt als einen Schuß vor den Bug und ändern Sie Ihr Leben. Versuchen Sie abzunehmen und mit dem Rauchen aufzuhören, bewegen Sie sich und gehen Sie spazieren und versuchen Sie, sich gesund zu ernähren. Und versuchen Sie (soweit das geht:) Streß, Termindruck und Ärger zu vermeiden. Klar, das geht nicht immer, aber Sie sollten es wenigstens versuchen!

Kann ich noch einen Herzinfarkt bekommen?

Leider ja, denn auch mit der besten Medizin kann sich die Krankheit weiter entwickeln und fortschreiten. Wenn Sie den Empfehlungen Ihrer Ärzte folgen und Ihre Risikofaktoren so gut es geht vermindern ist die Wahrscheinlichkeit für eine Verschlechterung aber nur sehr gering, das heißt: Es wird Ihnen lange sehr gut gehen. Man muß die Lage aber im Auge behalten. Nehmen Sie daher regelmäßig Ihre Arzttermine zu Kontrolluntersuchungen war.

Wann muß ich wieder zum Arzt?

Normalerweise, wenn alles (wie meistens) gut verläuft sollten Sie etwa alle 3 Monate Ihre Risikowerte vom Hausarzt bestimmen lassen und in den vorgeschlagenen Intervallen zum Kardiologen gehen, um ein EKG, Belastungs-EKG und vielleicht eine Ultraschalluntersuchung durchführen zu lassen. Am Ende dieser Untersuchungen wird der Kardiologe Ihnen sagen, wann Sie zur nächsten Kontrolle kommen sollten. Bringen Sie zu diesen Terminen immer Ihre letzten Blutwerte und Ihre Medikamente mit!

Kommen Sie umgehend und sofort zum Hausarzt oder zum Kardiologen, wenn

  • Sie Brustschmerzen haben, die Sie bis dahin nicht kannten,
  • wenn Sie Brustschmerzen haben, die schlimmer und heftiger sind als bisher,
  • wenn Sie Luftnot bei Anstrengungen haben, die Ihnen bisher nicht ausgemacht haben,
  • wenn Sie starkes und angenehmes Herzklopfen verspüren.

Kommen Sie in diesen Fällen ohne Voranmeldung in die Praxis Ihres Kardiologen, damit er sofort sehen kann, was die Ursache dieser Probleme ist.

Sie sollten sich allerdings umgehend ins Krankenhaus bringen lassen, wenn Sie

  • Brustschmerzen bekommen, die nicht nach 2maligem Gebrauch von Nitro-Spray innerhalb von 20 Minuten wieder verschwunden sind oder
  • wenn Schwindel oder sogar Ohnmachtsanfälle haben.

Gehen oder fahren Sie in diesen Fällen nicht selber ins Krankenhaus, sondern rufen Sie den Notarzt der Feuerwehr unter der Telephonnummer 112.

Fragen Sie Ihren Kardiologen bei Ihrem 1. Besuch nach der Reha, ob eine solche Möglichkeit der sofortigen Vorstellung im Notfall auch ohne Termin möglich ist und (falls das nicht geht) wie Sie sich verhalten sollen.

Welche Medikamente muß ich einnehmen?

Damit Sie nichts vergessen benutzen Sie einen Medikamentenzettel, den Sie von Ihrem Hausarzt oder Kardiologen sicherlich bekommen werden und lassen Sie den Arzt hier Ihre Medikamente eintragen.

Woher bekomme ich meine Medikamente?

Das macht in aller Regel Ihr Hausarzt. In einigen Fällen übernimmt aber auch der Kardiologe diese Aufgabe, sprechen Sie Ihren Hausarzt oder Kardiologen bei Ihrem 1. Besuch nach der Reha ebenfalls darauf an.

 

Wenn Sie sich genauer über Ihre Herzkrankheit informieren möchten: Besuchen Sie meine Website im Internet unter www.meinherzdeinherz.info und sehen Sie in dem Kapitel „Wissen“ nach weiteren Informationen.

Luftnot

Was bedeutet Luftnot?

Luftnot (medizinisches Wort: Dyspnoe (sprich: Düsspnö)) ist keine Krankheit, sondern ein Symptom, eine Beschwerde. Die betroffenen Menschen beschreiben dieses Symptom teilweise sehr unterschiedlich: So als habe man „Luftmangel“ oder nicht genügend Sauerstoff, als sei man außer Atem, als würde das Atmen schwer fallen, als würde man ersticken oder als müsse man dringend frische Luft haben und das Fenster öffnen müsse. Und manche Menschen wiederum bezeichnen mit Luftnot das Gefühl, sich körperlich nicht ausreichend belasten zu können. Dabei wird unterschieden zwischen der Luftnot unter körperlicher Belastung (= Belastungs-Dyspnoe), Luftnot in Ruhe (= Ruhe-Dyspnoe oder Dyspnoe beim Sprechen.

Wodurch wird Luftnot verursacht?

Dyspnoe kann durch eine krankhafte Schwächung des Kreislaufes und des Herzens, durch eine Lungen- oder Bronchialerkrankung oder beispielsweise durch Blutarmut verursacht werden. Sie ist aber oft „nur“ Ausdruck geringen körperlichen Trainings und wird den Betroffenen irgendwann einmal bewußt, sodaß sie von nun an darauf achten. Der Autor dieser Zeilen beispielsweise ist körperlich untrainiert; wenn er mit schnellem Tempo Treppe steigen muß dann bleibt er nach der 3. oder 4. Etage stehen und empfindet Luftnot und auch vorbei gehende Personen werden feststellen, daß er kräftig atmet und schnauft. Dies ist aber kein Ausdruck einer bestimmten Krankheit oder Funktionsstörung des Herzens oder der Lungen, sondern einfach auf seinen geringen körperlichen Trainingszustand (und sein Übergewicht) zu beziehen.

Am Anfang der Untersuchungen, die der Arzt zur Abklärung von Dyspnoe durchführt steht also die Frage, ob es sich tatsächlich um krankhafte Luftnot handelt.

Was muß man untersuchen?

Die Betroffenen können 2 Wege einschlagen, indem sie sich zunächst beim Kardiologen oder beim Pneumologen (= Lungenfacharzt) vorstellen.

Der Kardiologe wird bestimmte Untersuchungen durchführen und (wenn er keine erklärende Ursache finden sollte) weitere Untersuchungen durch den Lungenarzt vorschlagen. Und der Pneumologe würde (wenn seine Untersuchungen nichts ergeben) den Kardiologen einschalten.

Die wichtigsten Untersuchungen beim Kardiologen sind eine Ultraschalluntersuchung (Echokardiographie) und ein Belastungs-EKG. Mit dem Echo kann er die Pumpfähigkeit des Herzens beurteilen (schlagen die Herzkammern kräftig oder müde?), er kann die Funktionsfähigkeit der Herzklappen (sind die Klappen verengt oder undicht?) überprüfen, er kann nachsehen, ob die Füllung der Herzkammern ungestört verläuft und ob sich Wasser im Herzbeutel befindet. Das Belastungs-EKG  dient einerseits der Suche nach Durchblutungsstörungen des Herzmuskels, wird in dieser Situation aber vielmehr dazu benutzt, um die körperliche Belastbarkeit eines Menschen zu untersuchen. Verspürt ein 82 Jahre alter Mann beispielsweise nach 100 Watt Luftnot so ist dies ein normaler Zustand; 100 Watt bei einem 30 Jahre alten Mann sind allerdings eindeutig zu wenig, was bedeutet, daß dieser Mensch ein körperliches Problem hat, das das Empfinden von Luftnot tatsächlich erklären kann.

Der Lungenfacharzt wiederum wird neben einem Röntgenbild der Lungen auch eine Lungenfunktionsprüfung durchführen. Hierbei handelt es sich um eine harmlose Untersuchung, bei der man in einer engen Kabine sitzt und durch ein Schlauchsystem atmet. Durch bewußtes tiefes Ein- und Ausatmen kann der Arzt aus dem Luftfluß in den Schläuchen, aus dem Druck, mit dem ein Mensch die Atemluft ein- und ausatmet und aus der Menge der bewegten Luft Rückschlüsse auf die Funktion der Bronchien und Lungen ziehen. Schließlich kann er auch messen, wieviel Sauerstoff und Kohlendioxid sich im Blut befinden, was wiederum Rückschlüsse auf die Funktionsfähigkeit der Lungen zuläßt.

Und schließlich kann man bestimmte Blutuntersuchungen durchführen, um nach körpereigenen Stoffen zu suchen, die für das Vorliegen einer Herzschwäche sprechen oder man kann eine Lungenfunktionsprüfung auch unter körperlicher Belastung durchführen.

Am Ende dieser Untersuchungen steht die Antwort auf die Frage fest, ob es sich bei der empfundenen Dyspnoe um den Ausdruck einer Erkrankung z.B. des Herzens, der Lungen oder der Bronchien handelt oder ob diese Organe ordentlich und ungestört arbeiten.

Und wenn das Herz in Ordnung ist?

Wenn wie bei Ihnen eine körperliche Ursache der Luftnot ausgeschlossen werden konnte bedeutet dies nicht, daß0 Sie ein Simulant wären. Es heißt dann nur, daß andere Ursachen vorliegen. Die beiden wichtigsten „anderen“ Ursachen für Luftnot sind der oben schon angesprochene körperliche Trainingszustand und die Psyche, wobei „Psyche“ in diesem Zusammenhang nicht abwertend gemeint ist: Ärger oder Streß können Luftnot verursachen (der Volksmund spricht von „dicker Luft“) und seelische Anspannung kann ebenfalls Luftnot verursachen (man spricht ja auch von „atemloser Spannung“). Menschen, die Luftnot beim Sprechen verspüren, deren körperliche Belastbarkeit aber im Fahrrad-Belastungstest normal ist können keine „organische“ Ursache für Luftnot haben, sondern sollten vielmehr daran denken, daß sie vielleicht eine falsche Atemtechnik beim Sprechen haben. Ansonsten gibt es aber die Erklärung: „Vielleicht atme ich ja falsch“ nicht, denn die Atmung ist eine derjenigen Körperfunktionen, über die man nicht bewußt nachdenken muß: Der Körper regelt das schon von alleine und wenn man beginnt, darüber nachzudenken, wie man atmet hat man schon ein Problem:

Im 1. Semester des Medizinstudiums wurden (nur um ein Beispiel zu nennen) alle Studenten des Jahrgangs des Verfassers dieser Broschüre gebeten, beim Einschlafen abends auf die Atmung zu achten und über die Beobachtung am nächsten Tag zu berichten. Fast alle (jungen und kerngesunden) Studenten berichteten über Schwierigkeiten oder Unregelmäßigkeiten beim Atmen, was man als Beweis dafür ansehen kann, daß auch die gesündesten und normalsten Körperfunktionen bei entsprechender Beachtung als Problem empfunden werden können.

Welche Ursache bei Ihnen verantwortlich ist sollten Sie mir dem Kardiologen, dem Lungenfacharzt oder Ihrem Hausarzt besprechen, vielleicht kennen Sie die Antwort ja auch schon selber. Und ebenfalls sollten Sie mit Ihren Ärzten darüber sprechen, wie Sie Ihr Empfinden von Luftnot beseitigen können, vielleicht durch körperliches Training und Ausübung von „Ausgleichssport“ oder durch ein beruhigendes Gespräch.

Wichtig für Sie ist an dieser Stelle, daß letztlich keine bedeutsame Erkrankung Ihres Herzens festgestellt wurde und daß daher auch keine spezielle Behandlung notwendig ist. Lassen sie sich, wenn Sie dort noch nicht waren, vom Lungenarzt untersuchen, wobei wir Ihnen bei der Besorgung eines Termins gerne helfen oder sprechen Sie, wenn auch der Lungenarzt nichts hatte finden können einmal mit Ihrem Hausarzt über Ausgleichssport, körperliche Fitness oder eine Gesprächstherapie.

Wenn Sie mehr über die Herzschwäche oder andere Herzkrankheiten wissen möchten besuchen Sie uns im Internet unter der Adresse www.meinherzdeinherz.info und klicken Sie auf „Wissen“.