Sekundärprävention

Was bedeutet „Sekundärprävention“?

Man unterscheidet die „Primär-“ und die „Sekundärprävention“. Prävention bedeutet „Vorbeugung“; bei der Primärprävention möchte man verhindern, daß ein bis dahin noch gesunder Mensch krank wird, bei der Sekundärprävention ist der Mensch schon krank und man möchte nun vorbeugen, daß die Krankheit weiter fortschreitet.

Bei Menschen mit koronarer Herzkrankheit bedeutet dies, daß man Maßnahmen ergreifen muß, um zu verhindern, daß sich der Zustand der Herzkranzgefäße weiter verschlechtert. Solche Maßnahmen sind immer und unter allen Umständen notwendig, gleichgültig, ob man schon einen Herzinfarkt gehabt hat oder nicht, ob man bypass-operiert oder mit einem Stent behandelt wurde. Es ist ein bequemer und daher weit verbreiteter Glaube, daß der Chirurg es mit seinen Bypass-Gefäßen oder der Kardiologe mit seinen Stents schon richten wird. Um es anders zu sagen: Ärzte können Ihnen das Laufen beibringen, Gehen müssen Sie aber selber.

Die koronare Herzkrankheit beinhaltet immer die Gefahr, vorzeitig an einem Herzinfarkt oder an Herzschwäche zu sterben; die Ärzte können Ihnen mit Medikamenten, Ballonerweiterungen oder Operationen helfen, das Leben angenehmer und schmerzärmer zu machen, verlängern können Sie es aber nur selber!

Was macht man bei einer Sekundärprävention?

Der 1. Schritt besteht darin, die Risikofaktoren zu finden, die Ihre Gefäße haben erkranken lassen. Diese Aufgabe hat entweder zuvor schon Ihr Hausarzt, Ihr Kardiologe, ein Krankenhaus oder eine Reha-Klinik übernommen. Sie kennen nach solchen Untersuchungen Ihr Risiko also. Bei der Sekundärprävention kümmert man sich nun um diejenigen Risikofaktoren, die man beeinflussen kann. Das Wissen um eine erbliche Form der Koronarerkrankung ist in diesem Zusammenhang nicht ganz so wichtig, denn an solchen Erbfaktoren kann man nichts verändern; an erhöhtem Blutdruck, der Zuckerkrankheit, an erhöhten Blutfettwerten, Übergewicht, Bewegungsmangel und Zigarettenrauchen aber sehr viel!

Einige dieser Änderungen erfordern die Gabe von Medikamenten, andere Dinge kann und sollte man aber selber machen, wie z.B. die Aufgabe des Zigarettenrauchens oder die Verminderung des Übergewichts. Gerade eine Gewichtsverminderung, Ernährungsdiät oder Aufgabe des Rauchens ist aber schwierig; wenden Sie sich doch einmal an Ihre Krankenkasse: Viele Kassen bieten für ihre Versicherten Ernährungsberatungen und Hilfestellung beim Zigaretten-“Entzug“ an.

Ganz allgemein gelten für die Sekundärprävention bei der koronaren Herzkrankheit die folgenden Empfehlungen:

  • Geben Sie das Zigarettenrauchen auf!
  • Essen Sie bevorzugt:
    • Früchte
    • Gemüse
    • Vollkorn-Produkte
    • Nahrungsmittel mit niedrigem Fettgehalt
    • Fisch
    • mageres Fleisch
  • Werden Sie körperlich aktiv:
  • 4-5-mal wöchentlich 30-45 min Laufen oder eine andere Sportart, die Ihre Pulsfrequenz auf 60-75% der maximalen Herzfrequenz steigert (Berechnung: 220 –  Ihr Lebensalter, davon 60-75%)
  • Schließen Sie sich vielleicht einer Herzsportgruppe an (Infos bekommen Sie bei Ihrer Krankenkasse)
  • Korrigieren Sie Ihr eventuelles Übergewicht

Nehmen Sie Ihre

Medikamente

gewissenhaft ein.

Was diese Medikamente angeht sollten Sie wissen, daß sie nicht nur deshalb gegeben werden, damit es Ihnen besser geht, sondern damit es Ihnen länger gut geht und damit Sie länger leben. Das bedeutet, daß Sie einen Teil der Medikamente auch dann einnehmen sollten, wenn Sie keinerlei Beschwerden haben und wenn es Ihnen eigentlich gut geht. Zu diesen Medikamenten gehören bei koronarkranken Patienten eigentlich immer:

  • Medikamente zur Senkung des Cholesterins (sog. „CSE-Hemmer“)
  • Medikamente gegen die Blutzuckerkrankheit
  • 100 mg Aspirin oder ASS täglich
  • ß-Blocker (sprich: beta-Blocker), z.B. Metoprolol oder Bisoprolol
  • Menschen mit erhöhtem Blutdruck oder solchen, deren Herzmuskel einen (wenn auch geringen) Schaden hat sollten immer ACE-Hemmer einnehmen.

Diese Medikamente werden an vielen hunderttausend Patienten seit vielen Jahren eingesetzt, sie sind gut verträglich und ihre Wirksamkeit ist bewiesen! Wenn Sie dennoch Probleme mit diesen Medikamenten haben, wenn Sie sie nicht vertragen oder Nebenwirkungen verspüren: Werfen Sie sie nicht einfach weg, sondern sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Kardiologen darüber, damit er Ihnen ein vielleicht anderes Medikament geben kann, das Sie besser vertragen.

Und noch 2 Dinge:

  • Lassen Sie sich nicht verwirren, wenn das Medikament, das Sie bislang eingenommen haben auf einmal einen anderen Namen hat. Ihre Krankenkasse ist gesetzlich verpflichtet, immer das preisgünstigste Medikament zu bezahlen. „Billiger“ heißt nicht schlechter, denn nicht das schicke Aussehen der Pillenschachtel zählt, sondern der Inhalt der Tablette. Solange der Wirkstoff in der „neuen“ Tablette derselbe ist kann man gegen den Wechsel des Herstellers wenig einwenden. Wenn Sie Fragen oder Zweifel haben: Sprechen Sie Ihren Arzt oder den Apotheker an!
  • Alle Medikamente verfolgen ein bestimmtes Ziel, nämlich Blutdruck, Blutzucker oder Cholesterin auf bestimmte Zielwerte abzusenken. Diese Werte müssen von Zeit zu Zeit gemessen werden (wir empfehlen: 1mal alle 3-6 Monate). Lassen Sie sich diese Werte von Ihrem Arzt sagen und prüfen Sie auch selber, ob Ihre Werte in Ordnung sind. Die jeweiligen Zielwerte finden Sie in der unten stehenden Tabelle. Vertrauen Sie Ihrem Arzt, aber: 4 Augen sehen mehr als 2!

Wenn Sie sich genauer über die Koronarerkrankung, Herzinfarkte, Behandlungen oder Untersuchungen informieren möchten besuchen Sie uns auch im Internet unter www.meinherzdeinherz.info. Wählen Sie hier die Rubrik „Wissen“, wo viele Informationsmaterialien für Sie bereit stehen.

Zielwerte

HBA1c ≤ 6.1 %
Nüchtern-Blutzucker < 110 mg-%
Selbst gemessener Nüchtern-Zucker 70 – 90 mg-%
Blutdruck < 130/80 mm Hg
Gesamt-Cholesterin < 175 mg-%
LDL-Cholesterin (= „böses“ Cholesterin) < 100 mg-%

Vorsorgeuntersuchungen

Was bedeutet „Vorsorgeuntersuchung“?

Es gibt Krankheiten, die sich erst in fortgeschrittenen Stadien bemerkbar machen. Krebserkrankungen z.B. machen sich oft erst dann bemerkbar, wenn der Tumor schon weit fortgeschritten ist und nicht mehr gut behandelt werden kann. Um diese bösartige Krankheit rechtzeitig zu erkennen, wenn noch sinnvolle Behandlungsmöglichkeiten bestehen werden die verschiedenen Krebsvorsorgeuntersuchungen angeboten.

Auch für Krankheiten des Herzens gilt, daß sie sich oft erst bemerkbar machen, wenn etwas Schlimmes passiert. Herzinfarkte oder Schlaganfälle treten oft ohne Vorwarnung und völlig überraschend auf. Der Sinn von Vorsorgeuntersuchungen des Herzens besteht darin, eine Durchblutungsstörung des Herzens (= Koronare Herzkrankheit) frühzeitig zu erkennen, wenn sie noch keine Beschwerden verursacht, um dann die schlimmste Folge dieser Krankheit, den Herzinfarkt rechtzeitig zu verhindern.

Um die Koronarkrankheit zu verstehen müssen Sie wissen, daß ihre Entstehung mit den

Risikofaktoren für das Herz

zusammenhängt.

Schlagadern des Körpers, Herzkranzarterien ebenso wie Gehirn-, Nieren- oder Beinarterien erkranken nicht aus Langeweile, sondern weil sie unter dem Einfluß von Risikofaktoren stehen. Zu solchen Risikofaktoren gehören:

  • Hoher Blutdruck
  • erhöhtes Cholesterin im Blut
  • die Blutzuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
  • Zigaretten rauchen
  • Übergewicht
  • körperliche Inaktivität
  • Herz- und Kreislaufkrankheiten (Herzinfarkt, Schlaganfall usw.) in der Familie (= Erbfaktoren)
  • Lebensalter
  • bestimmte Charaktereigenschaften der Menschen (Typ A-Verhalten)und
  • wahrscheinlich auch der Streß.

Bei allen Vorsorgeuntersuchungen des Herzens spielt die Suche nach diesen Risikofaktoren eine entscheidende Rolle.

Was gibt es für Vorsorgeuntersuchungen des Herzens?

Man unterscheidet 2 Formen:

  • Primäre Vorsorgeuntersuchungen
  • Sekundäre Vorsorgeuntersuchungen

Sekundäre Vorsorgeuntersuchungen (Sekundärprävention)

werden bei Menschen durchgeführt, von denen man weiß, daß sie schon herzkrank sind, weil sie Angina pectoris haben, einen Herzinfarkt, eine Bypass-Operation oder eine Ballonerweiterung überstanden haben.

Bei diesen Menschen geht es zum einen um die Feststellung, ob die schon bekannte Herzkrankheit stabil verläuft oder ob sie weiter fortgeschritten ist. Zum anderen muß geprüft werden, ob die Behandlung der Risikofaktoren ausreichend ist, um eine Verschlechterung der Krankheit zu verhindern.

Im Rahmen solcher Sekundärpräventionsuntersuchungen unterhält sich der Arzt mit Ihnen, um evtl. Veränderungen der Beschwerden zu erfragen oder um zu hören, ob Sie ihre Medikamente gut vertragen (Anamnese). Zusätzlich werden aber auch eine körperliche Untersuchung, ein EKG, Belastungs-EKG, Echokardiographie und bestimmte Blutuntersuchungen (Cholesterin (besonders LDL-Cholesterin), Nüchtern-Blutzucker bzw. bei Diabetikern: „Langzeit-Zuckerwert“ (HBA1c) durchgeführt.

Diese Untersuchungen sollten einmal jährlich durchgeführt werden. Sie sind kostenlos und werden auf Überweisung Ihres Hausarztes durchgeführt.

Primärprävention

Wenn man von Vorsorgeuntersuchungen spricht meint man aber in der Regel die Primärprävention Sie wird immer dann eingesetzt, wenn noch keine bekannte Herzerkrankung bekannt ist und wenn ein Mensch sich eigentlich noch wohl und gesund fühlt. In diesem Zusammenhang sollen 3 Fragen beantwortet werden:

  • Habe ich die Krankheit schon?
  • Bin ich gefährdet, die Krankheit zu bekommen?
  • Was kann ich tun, um den Ausbruch der Krankheit zu verhindern?

Sinnvollerweise geht man bei solchen primären Vorsorgeuntersuchungen stufenweise vor:

Am Anfang steht ein „Basisprogramm“, zu dem neben der Erhebung der Vorgeschichte mit der Frage nach Beschwerden, Vorkrankheiten und Risikofaktoren auch eine körperliche Untersuchung, ein EKG und die Bestimmung von bestimmten Blutwerten wie Cholesterin und Nüchtern-Blutzucker gehören. Dieses Basisprogramm ist für alle Versicherten von 35 Lebensjahren und älter alle 2 Jahre kostenlos („Check-up 35“).

Mit Hilfe dieser wenigen Untersuchungsergebnisse kann man Risikowerte berechnen, die das Risiko des Menschen beschreiben, zukünftig eine bedeutsame Herz- oder Gefäßkrankheit (z.B. Herzinfarkt, Schlaganfall) zu bekommen. Es gibt verschiedene Methoden, um solche Risikoberechnung durchzuführen, z.B. die PROCAM-Methode oder die Methode der europäischen Gesellschaft für Kardiologie (Eine andere Methode (FRAMINGHAM-Methode) sollte bei uns in Europa nicht angewendet werden, weil die Daten, auf denen die Auswertung beruht nur an amerikanischen Menschen erhoben wurden).

Ob man nachfolgend weitere Untersuchungen wie Belastungs-EKG, Szintigraphie oder die verschiedenen CT-Untersuchungen durchführen sollte hängt davon ab, wie hoch der Risikowert aus den Untersuchungen des Basisprogramms ist oder ob sich vielleicht schon mögliche Vorstadien der Koronarkrankheit gezeigt haben.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, daß viele Menschen enttäuscht sind, wenn sie ein solches sehr einfaches Basisprogramm absolvieren, denn sie stellen sich vor, daß im Rahmen einer solchen Vorsorgeuntersuchung zahlreiche Maschinen zum Einsatz kommen müßten. Sie denken dabei an ein Belastungs-EKG, eine Ultraschalluntersuchung des Herzens und der großen Schlagadern des Körpers, an CT- oder MRT-Untersuchungen. Wenn man ein solches Ansinnen hat sollte man bedenken:

  • Solche Zusatzuntersuchungen helfen bei primären (!) Vorsorgeuntersuchungen nicht weiter, denn sie liefern keine zusätzlichen Informationen. (Bei Verlaufsuntersuchungen (Sekundärprävention) ist das etwas ganz anderes!)
  • Check-up 35-Untersuchungen sind kostenlos, die zusätzlichen Untersuchungen hingegen nicht. Man muß sie selber bezahlen und sie sind z.T. ziemlich teuer.
  • Viele Anbieter solcher aufwendigen Vorsorgeuntersuchungen arbeiten auf kommerzieller Grundlage, d.h. sie möchten Geld verdienen.
  • Im Internet finden Sie viel gesichertes Wissen, aber ein sehr großer Teil dessen, was Sie hier lesen ist schlicht und einfach Reklame. Für Laien ist es oft schwer, die Werbe-Beiträge von den seriösen zu unterscheiden. Daher:

Wenn Sie an eine Vorsorgeuntersuchung denken lassen Sie sich von einem Arzt Ihres Vertrauens beraten: Was muß man machen und was ist entbehrlich?

Wenn Sie sich für Vorsorgeuntersuchungen interessieren können Sie eine ausführliche Broschüre (werbe-frei, denn ich verdiene nix daran!) bekommen, wenn Sie hier klicken (www.meinherzdeinherz.info und dann „Untersuchungen“)